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Der Shutdown ist für Wuppertaler Ferien-Vermittler eine Katastrophe

Corona : „Shutdown ist eine Katastrophe“

Interview Betrieb aus Wuppertal vermittelt Ferienwohnungen an Nord- und Ostsee. Die Einnahmen sind komplett eingebrochen.

Von den massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgrund der Corona-Pandemie ist die Tourismusbranche mit am stärksten betroffen. Auch Michel Baumeister, Inhaber und Geschäftsführer der Wohnen & Ferien Vermittlungs-GmbH aus Wuppertal, muss mit seinem Unternehmen massive finanzielle Einbrüche hinnehmen. Seine Firma betreut 700 Ferienwohnungen auf den Nordseeinseln Juist, Borkum und Wangerooge sowie der Ostseeinsel Rügen. Die WZ unterhielt sich mit ihm über die aktuelle Lage.

Herr Baumeister, welche Auswirkungen hat der durch die Corona-Pandemie verursachte „Shutdown“ für Ihr Geschäft?

Baumeister: Normalerweise haben wir knapp 100 Mitarbeiter, betreuen rund 700 Ferienwohnungen und bringen jährlich rund 50 000 Gäste auf die Inseln. Der jetzige „Shutdown“ ist da natürlich eine Katastrophe für uns – auch wenn wir die Entscheidung aus gesundheitlicher Sicht verstehen können. Aber für uns bedeutet es, dass die Einnahmen mit einem Schlag von hundert auf null Prozent runtergegangen sind. Unsere Mitarbeiter hier in Wuppertal haben in Kurzzeit gewechselt und arbeiten im Homeoffice. Die Mitarbeiter auf den Inseln haben jetzt Mehraufwand, weil sie die Umbuchungen übernehmen und Anfragen der Kunden bearbeiten müssen. Dabei gibt es aber null Umsatz vor Ort.

Welche Möglichkeiten haben Sie, um die Ausfälle zumindest etwas zu kompensieren?

Baumeister: Wir bieten den Kunden Gutscheine und Umbuchungen an und versuchen, die Saison nach hinten zu verschieben. Schließlich sind wir nach Corona ja alle urlaubsreif. Aber grundsätzlich übernehmen wir angesichts der aktuellen Lage die Stornierungen und überweisen bereits gezahlte Kosten zurück.

Ostern ist sonst eine beliebte Reisezeit. Die ist bei Ihnen jetzt komplett weggebrochen?

Baumeister: Ja. Das Schlimme an der Situation ist: Die Betriebe auf den Inseln wollen loslegen, das Personal ist vor Ort – und jetzt kann kein Gast kommen. Diese Verluste kriegen wir nicht wieder rein.

Die Politik stellt staatliche Hilfe in Aussicht. Nutzt Ihnen das etwas?

Baumeister: Zuschüsse kriegen wir nicht. Und ein Darlehen wollen wir derzeit noch nicht aufnehmen. Wir wollen uns nicht verschulden: Wir sind eine gesunde Firma und arbeiten mit hundert Prozent Eigenkapital. Wir hoffen, dass es nun zumindest im Sommer weitergeht.

Wie lange können Sie die jetzige Situation überstehen?

Baumeister: Das können wir nicht einschätzen. Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass am 19. April alles überstanden ist. Wenn die Inseln über den Sommer gesperrt bleiben, ist das für uns auf jeden Fall nicht auszuhalten.