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Der Renner in der Stadthalle: Musik zum Computer-Spiel

Der Renner in der Stadthalle: Musik zum Computer-Spiel

2013 führen die Sinfoniker in der Stadthalle Melodien aus dem PC-Spiel „Final Fantasy“ auf. Damit treffen sie einen Nerv — die Karten sind heiß begehrt.

Wuppertal. Musik in Computerspielen? Wer dabei etwa an das bräsige Elektro-Gedudel aus dem Gameboy-Tetris der frühen Neunziger denkt, lebt nicht auf der Höhe der Zeit. Denn mittlerweile ist Computerspiel-Musik ein Genre, das sogar der großen sinfonischen Interpretation angemessen ist. Wer’s nicht glaubt, kann sich am 11. Mai 2013 eines Besseren belehren lassen — dann spielen die Wuppertaler Sinfoniker im Großen Saal der Stadthalle unter dem Titel „Final Symphony“ Melodien aus der Begleitmusik mehrerer Auflagen des Spiele-Klassikers „Final Fantasy“ (siehe Kasten).

Der Termin — ein Doppel-Konzert— ist nicht nur etwas für eingefleischte PC- und Konsolen-Zocker, wie Thomas Böcker versichert: „Das sind üppig orchestrierte sinfonische Tondichtungen á la Richard Strauß“, sagt der 35-jährige Dresdner über das Programm in der Stadthalle. Und er muss es wissen: Böcker ist Produzent des musikalischen Spektakels, bei dem es sich um eine Deutschland-Premiere handelt.

Böcker vereint in seiner Person sowohl die Musik- als auch die Spiele-Leidenschaft. Letztere begann mit einem Commodore 64 — den legendären Heimcomputer bekam Böcker als Siebenjähriger geschenkt und nutzte ihn eifrig für Ausflüge in die virtuelle Spiele-Welt. „Außerdem gab es bei mir in der Familie eine Vorliebe für klassische Musik“, so Böcker. Die Kombination aus beidem führte dazu, dass er 2002 ein erstes Konzept für ein Spielemusik-Konzert entwickelte.

Die ersten fünf Konzerte organisierte er gemeinsam mit der Messe Leipzig, Tagungsort der Spiele-Leitmesse Games Convention — schon damals waren das Ereignisse für Anspruchsvolle. „Längst sind die Musikspuren so komplex wie die Spiele selbst“, sagt Böcker. Bei seinen inzwischen regelmäßigen Abenden mit dem WDR-Rundfunksinfnonieorchester sitzen junge Leute aus der sonst bei Klassik-Konzerten raren Altersklasse zwischen 16 und 35 im Pubklikum — erst atemlos lauschend, dann meist frenetisch applaudierend.

Live-Übertragungen im Rundfunk gehören bei diesen Auftritten oft ebenso dazu wie ein Livestream im Internet. Laut Böcker waren dieser ersten „Symphonic Fantasies“ so erfolgreich, dass ein Konzert-Mitschnitt auf CD prompt die Klassik-Charts stürmte.

Auch in Wuppertal schickt sich die Deutschland-Premiere des neuen Programms „Final Symphony“ an, ein Renner zu werden — ein Konzert in der Stadthalle ist schon jetzt so gut wie ausverkauft, nur für das am Nachmittag gibt es noch Karten. Nicht nur deshalb ist Böcker gespannt auf das Konzert: „Ich freue mich auf die tolle Atmosphäre der Stadthalle.“

Zum Ansturm auf die Karten dürfte übrigens auch beitragen, dass zu den Wuppertaler Konzerten als Gäste die japanischen Komponisten der „Final Fantasy“-Musik erwartet werden. Nobuo Uematsu und Masashi Hamauzu, deren Kompositionen Böcker in eine Reihe mit epischen Filmmusiken im Stil eines John Williams stellt und die in Japan wie Popstars verehrt werden. Dass die Zahl der Fans — und damit der Konzert-Besucher — auch in Deutschland wächst, bringt für den vielbeschäftigten Böcker übrigens auch eine Schattenseite mit sich: Zum Spielen kommt der 35-Jährige nur selten. „Wenn, dann mal auf dem Mobiltelefon oder eine portablen Konsole.“