Der Pfarrer mit dem bunten Leben

Der Pfarrer mit dem bunten Leben

Holger Pyka schreibt seine Doktorarbeit zum Verhältnis zwischen Kirche und Karneval, war Poetry Slammer und mal Cartoons.

Uellendahl. „Als Pfarrer braucht man die Neugierde auf Geschichten“, lautet das Credo von Holger Pyka, Gemeindepfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Uellendahl-Ostersbaum. Der gebürtige Kölner mit schwedischen Wurzeln ist seit Anfang Dezember vergangenen Jahres als Pfarrer in Wuppertal tätig, auch, weil er die Stadt so mag.: „Ich wollte unbedingt hierher und in eine Gemeinde, wo mehrere Pfarrer tätig sind. Außerdem stammt der Engel der Kulturen am Gemeindezentrum Uellendahl-Ostersbaum aus der Kolbstraße in Köln, wo ich aufgewachsen bin, so dass ich mich sofort heimisch fühlte.“ Mittlerweile habe er das Gefühl, dass die Menschen hier etwas wollen und auch die Kinder, die ihn kennen, ihn immer sehr freundlich begrüßen, wenn sie ihn auf der Straße sehen.

Seinen ersten Kontakt zu Wuppertal hatte der 34-Jährige nach seinem Zivildienst mit zwanzig Jahren an der Kirchlichen Hochschule auf der Hardt, nachdem er als Jugendlicher in einem sozialen Brennpunkt in Köln in der offenen Jugendarbeit Kirche erstmals erlebte. Und statt Jura oder Musik zu studieren, entschloss er sich nach Auslandsaufenthalten, etwa in London, wo er andere Sichtweisen der Gemeindearbeit kennenlernte, zum Theologiestudium.

Über Schweden, Heidelberg und Bochum verschlug es ihn wieder nach Wuppertal, ehe er sein Vikariat in Kaiserswerth absolvierte und parallel zum dreijährigen Probedienst in einer Kölner Gemeinde als Assistent in Wuppertal am Lehrstuhl Kirchengeschichte tätig war.

Bei seiner Doktorarbeit, die er gerade fertig gestellt hat, geht es um die Haltung der evangelischen Kirche zum Karneval. Dieses Thema passt irgendwie auch zu seinem bunten Leben, denn vor ein paar Jahren hat er sich auch beim Poetry Slam einen Namen gemacht und tingelte, etwa in Düsseldorf, Wittenberg oder Marburg, über die Bühnen: „In Düsseldorf gab es einen Slam zwischen Poeten und Pfarrern, die noch jemanden brauchten. Überraschenderweise gewann ich die Veranstaltung. Bei Jan Philipp Zymny habe ich Workshops gemacht und später sogar gegen ihn gewonnen“, lacht Pyka.

Jugendliche aus Deutschland und der Schweiz profitieren in Workshops, die er heute anbietet, von seinen Erfahrungen als Slamer. „Als Pfarrer kann man nur profitieren von einer Kunstform, die sich auf das gesprochene Wort konzentriert und die ihm auch vertraut“, meint Pyka. Heute bleibe ihm keine Zeit mehr zum „Rumtingeln“, so der Künstler. Dafür widmet er sich einer anderen Leidenschaft - seiner Liebe zu Cartoons, die er selber zu Papier bringt. Schon als Kind habe er viel gezeichnet und auch danach immer herum gekrickelt.

Als er 2013 in einem seiner Blogs eine Zeichnung von ihm auftauchte, nahm die Geschichte ihren Lauf: „Das ist für mich ein Ventil. Viele Menschen haben darauf positiv reagiert. Natürlich geht es schwerpunktmäßig um Kirche, weil das meine Lebenswelt ist“, so Pyka, der sagt, dass die Zeichnungen auch oft umstritten seien und polarisieren. 2015 erschien sein Buch mit rund einhundert C+artoons mit dem Titel „Schwarz macht schlank“.

„Durch Charlie Hebdo ist das Thema letztes Jahr sehr spannend geworden, denn es gibt Dinge, über die wir stärker nachdenken. Mohammed-Karikaturen finde ich nicht gut“, und auch die meisten Pointen zu Jesus seien schlecht. Auch bei der weltweiten Bewegung „Urban-Sketcher“ ist Pyka aktiv und so häufig, es geht, dabei.

„Man trifft sich, meistens in Düsseldorf oder Köln, zeichnet gemeinsam mit rund 20 Anderen und tauscht sich über Techniken und Materialien aus, und veröffentlicht dann im Internet. Man kommt anders mit Orten und Leuten in Kontakt und alles hat mit Transformation zu tun“, erzählt der vielseitige Pfarrer, der die unterschiedlichsten Medien zur Reproduktion nutzt und seine Form der Kommunikation, nicht nur in der Gemeinde, gefunden hat.

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