Der Park ist in Wahrheit ein Wald

Der Park ist in Wahrheit ein Wald

50 Baumarten haben im Skulpturenpark ein natürliches Zuhause. Nun bietet die Cragg Foundation waldkundliche Führungen an.

Wuppertal. „Hier habe ich mich als Försterin gleich zuhause gefühlt“, sagt Oberforsträtin Ute Nolden-Seemann, als sie mitten im Skulpturenpark Waldfrieden steht. Denn der 14 Hektar große Park ist in Wahrheit ein Wald — und den können Besucher jetzt zusätzlich zu den Kunstwerken neu entdecken oder sich erklären lassen.

Tony Cragg habe gleich nach der Gründung des Parks im Jahr 2006 daran gedacht, die verschiedenen Bäume zu kennzeichnen, sagt Geschäftsführer Michael Mader. Doch damals habe die fachliche Kompetenz gefehlt. Die bringt Ute Nolden-Seemann vom Waldpädagogischen Zentrum (WPZ) und Arboretum Burgholz zweifellos mit — die meisten der rund 50 Baumarten sind jetzt auf dezenten grünen Schildern botanisch benannt.

Doch die Kooperation geht weiter, Nolden-Seemann wird auch waldkundliche Führungen anbieten. Denn was auf den ersten Blick wie ein geschlossener Buchenwald wirkt, enthüllt eine große Vielfalt von altem Baumbestand, wenn man den Blick von den Kunstwerken mal in die Höhe schweifen lässt — von der Blutbuche bis zum Mammutbaum, von den Magnolien an der Villa bis zur Walnuss, von der Traubeneiche zur türkischen Hasel und zur lindenblättrigen Birke, die aus Japan stammt. „Hier ist immer Waldboden gewesen“, sagt Ute Nolden-Seemann.

Der Vorbesitzer Kurt Herberts hatte zwar einige Bänke auf dem Areal aufstellen lassen, in denen auch immer ein Anschluss fürs Telefon eingebaut war. Doch den Wald hat er Wald sein lassen und ihn nicht zum Park zurechtgestutzt. Das setzt Tony Cragg fort, allerdings muss er die Sicherheit der Besucher gewährleisten.

„Wir beschäftigen einen Baumpfleger, der jede Woche mit seinen Mitarbeitern kommt“, sagt Michael Mader. Aber unter den Bäumen werden keine Stauden oder Sommerblüher zur Aufhübschung gepflanzt — „und Tony Cragg trennt sich auch ungern von irgendetwas durch die Säge“.

Die Buchen im unteren Bereich ständen schon sehr dicht, findet die Oberforsträtin. „Alle anderen Baumarten werden es schwer haben, den Konkurrenzkampf um Wasser und Licht für ihre Kronen aufzunehmen. Da kann es sinnvoll sein, auch mal eine Buche zu fällen.“ Unter einer Gruppe von 80 Jahre alten Fichten ist die Naturverjüngung dagegen in vollem Gange: „Hier wachsen Hexenkraut und Himbeeren, Spitz- und Bergahorn, Eschen und Buchen.“

Der Förderverein des Arboretums hat dem Skulpturenpark zwei weitere Bäume geschenkt, die auf die oberste Lichtung gepflanzt wurden: eine Schwarznuss, die aus Amerika stammt, und eine japanische Sicheltanne. Bäume aus anderen Ländern seien eine gute Option, um in Zeiten des Klimawandels und unsicherer Entwicklung das Risiko zu streuen. Für die einheimischen Bäume seien sie keine Gefahr, wenn sie sich nicht invasiv ausbreiten. Ute Nolden-Seemann weist auf eine Gruppe japanischer Lärchen — diese Art haben schon die Preußen eingeführt. Diese Exemplare schätzt sie auf 50 bis 60 Jahre: „Die Bäume haben sich hier immer wohl gefühlt.“

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