Der Ölberg: Wie ein Stadtteil nach oben will

Der Ölberg: Wie ein Stadtteil nach oben will

Das Quartier in der Nordstadt sprüht vor Ideen. Die Netzwerk-Arbeit ist beispielhaft. Der neuste Coup trägt den Namen "Ölberg 58".

Elberfeld. Ein bisschen aufgeregt ist Gaby Schulten vom Unternehmerinnen-Verein Nordstadt schon. Rap-Musik auf dem Schusterplatz mit einem halben Dutzend Bands - das hat schon eine andere Qualität als Wochenmarkt oder Infostand. "Aber die Idee ist bestechend", sagt die engagierte Unternehmerin vom Ölberg und erklärt, warum das Experiment, wie Schulten es nennt, für den Stadtteil so wichtig ist: "Das Rap-Festival ist ein Angebot. Wir wollen die 13- bis 24-Jährigen in unser Netzwerk einbinden. Bisher ist uns das nicht gelungen."

Tatsächlich arbeitet der Ölberg seit Jahren beispielhaft an einem Image-Wandel. Das Nordstadt-Quartier wandelt sich vom heruntergekommenen Arbeiter- und Migrantenviertel zum angesagten Stadtteil. Für die Neuausrichtung sorgen im wesentlichen die Bewohner selbst - flankiert vom Unternehmerinnen- und vom Förderverein, unterstützt mit Geld von Bund und Land. Der Ölberg genießt bundesweit Modellcharakter in der Stadtteilentwicklung - trotz oder gerade wegen immer knapper werdender öffentlicher Fördermittel.

Sichtbare Ergebnisse des Erfolgs sind unter anderem das Schusterplatz-Café oder das Hauseigentümernetzwerk. "Die Virusstrategie funktioniert", freut sich Gaby Schulten. Macherinnen wie sie haben längst Senioren und Familien, Künstler und Migranten zu begeisterten Ölberg-Aktivisten gemacht. Nun sollen die Jugendlichen ebenfalls infiziert werden - und zwar nicht nur durch Rap-Musik.

"Ölberg 58" nennt sich das jüngste Projekt. Der Name leitet sich aus einem Graffiti ab, das die Ölberger nur zu gut kennen. Die Zahl steht für die türkische Region Sivas mit der Provinz-Nummer 58, aus der viele der zugewanderten Ölberg-Familien stammen.
"Ölberg 58" will den Jugendlichen im Stadtteil ganz vielfältige Angebote machen. Herausragend ist der Aufbau einer neuen Fußballmannschaft. Als Pate steht der Verein Anadolu bereit, dessen Fußball-Glanzzeiten längst vorbei sind. Natürlich soll die neue Jugend-Mannschaft "Ölberg 58" heißen. 20 Jugendliche sind bereits mit dabei, zum Team gehören auch ein Väter mit Trainererfahrung. Bis die Nachwuchskicker die Ligen stürmen, kümmern sie sich erst einmal im Stadtteil selbst und üben sich in der Netzwerk-Arbeit. Beste Gelegenheit bietet das Rap-Festival. Da übernehmen die Jungs die Versorgung mit Essen und Trinken.