Der Ölberg diskutiert über Hausbesetzer
Zum zweiten Mal wollten Linksautonome ein Haus an der Marienstraße besetzen. Das regt den Stadtteil auf.
Nordstadt. „Es nervt.“ Klaus Lüdemann (Spitzname Klaus vom Ölberg) ist es leid, dass er nach einem Kneipenbesuch nicht nach Hause kommt, weil die Polizei das Gebiet wieder mit einer Hundertschaft abriegeln musste. So ist es vor zwei Wochen und zuletzt am Freitagabend bei Tumulten am Ölberg geschehen, nachdem Linksautonome das Haus Marienstraße 41 besetzen wollten. Gaby Schulten von der Ölberg-Genossenschaft kann den Ärger nachempfinden.
Schulten zufolge vermissen viele Bewohner auch eine deeskalierende Strategie der Polizei. Doch Polizei-Sprecher Christian Wirtz kontert: Die Einsatzkräfte seien am Wochenende von der Aggressivität der Besetzer überrascht gewesen. Die hätten unter anderem Messer und Schlagdorne mit sich geführt. Deshalb habe die Polizei Schlagstöcke und Tränengas eingesetzt.
Das Haus selbst steht seit Jahren leer. Die Genossenschaft, die sich um die Entwicklung des Ölbergs kümmert, hat den Preis von 160.000 Euro nicht zahlen wollen. Zumal das Haus Schulten und Lüdemann zufolge völlig verbaut ist. Wer auf die Toilette will, muss zum Beispiel durch mehrere Zimmer gehen. Einen Flur gibt es nicht. Zudem sei das Haus, das einer in die Insolvenz geratenen Gesellschaft gehört, wohl allenfalls den Bodenwert abzüglich der Abrisskosten wert. Die Meinungen der Menschen am Ölberg gehen dazu auseinander. Eine Passantin findet: „So ein Leerstand ist unmöglich.“ Sie habe lange eine Wohnung gesucht. Die Besetzung sieht sie kritisch, aber: „Die Ideen sind grundsätzlich gut.“