Bestattungen Geld für muslimischen Friedhof fehlt noch

Varresbeck. · Der Kaufvertrag soll so gut wie unterschriftsreif sein. Jetzt sammelt der Verein Spenden.

Baumgruppen, Sitzbänke, und dazwischen locker verteilt Grabfelder: Die Visualisierung des muslimischen Friedhofs zeigt ein attraktives Areal, das nach außen hin von Grün abgeschirmt wird. So hatten es sich die Nachbarn an der Krummacherstraße gewünscht.

Auch der Kaufvertrag für das rund 19 000 Quadratmeter große Gelände in der Varresbeck zwischen dem evangelischen Kirchenkreis und dem Verein Muslimische Friedhöfe Wuppertal ist so gut wie unterschriftsreif. Doch es fehlt nach wie vor das Geld für dieses einmalige Projekt direkt neben dem evangelisch-reformierten und dem jüdischen Friedhof.

„Wir sammeln händeringend Spenden“, sagt Alen Huduti. Er wurde gerade für drei Jahre zum neuen Vorsitzenden des Vereins Muslimische Friedhöfe Wuppertal gewählt. Am Verein beteiligen sich zehn Wuppertaler Moschee-Vereine. Aus ihnen wird auch das Führungsteam des Friedhofvereins rekrutiert. Huduti selbst stammt vom Moschee-Verein „Botschafter des Friedens“ an der Opphofer Straße.

Knapp 130 000 Euro sind
schon zusammengekommen

Die gesamte Organisation des geplanten Friedhofs und das Sammeln von Spenden läuft ehrenamtlich. Jetzt will das Team mit neuem Elan Firmen und Geschäfte ansprechen sowie bei Privatleuten um Geld bitten. Knapp 130 000 Euro seien bisher an Spenden zusammengekommen, wie auch das Barometer auf der Homepage des Vereins anzeigt. Für das große Gelände inklusive Gestaltung seien jedoch rund 500 000 Euro nötig. „Wenn wir das Geld hätten, könnten wir morgen mit dem Bauen anfangen“, sagt Huduti.

Geplant sind auf dem Gelände an der Krummacherstraße 1500 Grabstätten. Bei geschätzten 28 000 Muslimen in Wuppertal dürfte der Bedarf hoch sein. Das Besondere am geplanten muslimischen Friedhof: Hier finden die Menschen bis in alle Ewigkeit ihre Ruhe, wie es der Islam vorschreibt. Auf städtischen Friedhöfen hingegen werden die Grabstellen jeweils nur für 25 Jahre vergeben.

Wird der Vertrag danach nicht verlängert, kann das Grab aufgelöst werden. Manche streng gläubige Muslime haben deshalb bisher nach ihrem Tod ihre Gebeine in ihre alte Heimat bringen lassen. Mit dem neuen Friedhof ist das bald nicht mehr nötig.

Damit hätte Wuppertal eine Vorreiter-Rolle inne: Der geplante wäre der erste rein muslimische Friedhof in Deutschland. In anderen Städten gibt es zwar muslimische Areale auf bestehenden Friedhöfen – doch deren Organisation liegt meist in städtischer Hand. Immer wieder wird über Konflikte zwischen muslimischen Traditionen und deutschen Friedhofs-Vorschriften berichtet. Auch überregional gibt es deshalb ein großes Interesse an dem Projekt.

Entwickelt wurden die Pläne für das neue Friedhofsgelände von Studierenden der Uni. Die Landschaftsarchitekten erarbeiteten in zwölf Teams Entwürfe und holten in zahlreichen Gesprächen auch die Meinung der Bürger ein. So entstanden die ansprechenden Pläne des parkähnlichen neuen Friedhofs. Denn ein friedliches Zusammenleben mit allen Nachbarn ist den Vereinsmitgliedern wichtig.

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