Der Mai entscheidet über die Zukunft von Stößels Komödie

Der Mai entscheidet über die Zukunft von Stößels Komödie

Nach dem Umzug zum Karlsplatz kämpft der Theatermann um mehr Zuschauer. Die neue Spielstätte ist zu wenig bekannt.

Boulevardtheater ist nicht jedermanns Geschmack. Wer aber den leichten Bühnenspaß sucht, kann ihn mitten in Elberfeld finden, in der „Komödie am Karlsplatz“ von Kristof Stößel. Was nicht jeder weiß — doch das soll sich ändern. Stößels Truppe spielt seit dem Auszug aus dem Unterbarmer „Tanzhaus“ im Wechsel in Cordula Polsters Haus, doch bisher nicht rentabel. „Der Mai wird entscheidend“, sagt der Theatermann und stellt seinen Verbleib im Tal auf den Prüfstand: „Irgendwann muss man entscheiden, auch wirtschaftlich. Wenn die Zahlen nicht besser werden, muss ich Wuppertal außen vor lassen.“

Immerhin ein Jahrzehnt ist sein Spiel schon Teil des hiesigen Kulturlebens, und das meint nur die Zeit seit der Gründung als Firma. Bekannt sein mag er nur manchem, verlässlich aktiv ist er aber ohne Zweifel — jedenfalls bisher.

Tür auf, Tür zu, Herzschmerz und Klamauk sind typisch fürs Boulevard, und „KS Entertainment“ macht da keine Ausnahme. Ziemlich sicher ist aber, dass für den launigen Bühnenspaß manch Interessierter im Tal lebt, aber vielleicht nur aus Unkenntnis zu Häusern in Düsseldorf oder Essen fährt. Und was an Stößel gleich einnehmend wirkt, gleich wie man zu seiner Kunstform steht: Er ist ein Multitalent und Überzeugungstäter.

Schauspieler, Regisseur und etwas Autor obendrein: Das März-Stück „Ein Herz aus Schokolade“ war ein schönes Beispiel dafür. Außer zu inszenieren gab er auch selbst die männliche Hauptfigur, den verwitweten Pralinier, der den Sinn für Süßes verloren hat und mit weiblichen Bekanntschaften wieder auf den Geschmack kommen soll. Fein changierend zwischen Spaß und Romanze, so dass Tranigkeit so elegant umschifft wurde wie die andere Klippe beim Boulevard: die Seriensalve unter die Gürtellinie.

Nicht zuletzt schrieb Stößel den Schluss um. Der Verleger, erzählt er nun nicht ohne Stolz, habe seine Aufführung besucht; „er hat gesagt, so schön habe er das Stück noch nie gesehen.“ Heute würden Theaterchefs nach Wuppertal eingeladen, um sich für ihren Spielplan ein Bild vom Werk zu machen.

Für Stößels Truppe spricht einiges: Sie ist ein Ensemble, im Sinn von dauerhaft in einer Stadt Spielenden. Sie beschäftigt Profis, statt auf kaum bezahlte Amateure zuzugreifen, was freilich Folgen für den Eintrittspreis hat. Und was das Erlebnis fürs Publikum betrifft, gehört man zu der Art Theaterleute, denen spontane Interaktion kein Unding ist. Wenn ein Handy klingelt, wird das gern spaßig aufgenommen. Und passiert einmal auf der Bühne eine kleine Panne (das ist ein persönlicher Eindruck): Dann gehen Zuschauer eher sympathisierend mit, statt die Nase zu rümpfen. Anlass dafür gibt es freilich selten.

Stößel ist vielseitig. Er ist Autor, verfasste etwa für den TV-Klassiker „Golden Girls“ ein gefragtes Bühnenstück, an dem er die Rechte hält. Und er verfügt über eine gute Portion Überdrehtheit: Das zeigt wohl keine seiner vielen Rollen und Funktionen besser als die „Baronesse von Straten“. Als herzige Dame im Blümchenkleid veranstaltet er so Stadtführungen und irritiert die Passanten. Die Figur ist unkaputtbar und auch privat zu buchen; vor allem steht sie aber für den originellen Eigensinn, der bei Künstlern vielleicht überhaupt immer das Wichtigste ist.

In der aktuellen Schieflage spannt Mijnheer natürlich auch die Adlige ein: Mit niederländischem Akzent geleitet Baronin manche Führung kurzerhand zum Karlsplatz. „Dann hab ich wieder zwanzig Leute, die wissen: Hier ist jetzt ein Theater.“ Damit es bleibt, müssten aber ein paar mehr Fans gekonnten Boulevards zum Karlsplatz finden — ohne dass eine Schrulle mit Schirmchen ihnen den Weg weist.