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Der letzte Jahrgang des Dönberger Pfaffentropfens

Der letzte Jahrgang des Dönberger Pfaffentropfens

Für den Hobby-Winzer Gerhard Martin Meyer (83) ist nach dieser Lese Schluss.

Dönberg. Für den letzten Jahrgang hat sich Gerhard Martin Meyer schon „gebremst“. Nur 173 Flaschen, also gut 130 Liter Pfaffentropfen, gibt es dieses Jahr. Denn für den Hobby-Winzer Meyer ist es der Abschluss. „Ich kann nicht mehr.“ Der Aufwand sei für ihn mit bald 84 nicht mehr zu stemmen. „Das war immer viel Arbeit, auch körperlich“, sagt der Dönberger, betont aber: „Es hat immer viel Spaß gemacht.“

Der letzte Jahrgang des Dönberger Pfaffentropfens
Foto: Stefan Fries

Vor mehr als zehn Jahren hatte die Geschichte des Wuppertaler Weins ihren Anfang genommen. Andere Hobby-Winzer gebe es in der Stadt zwar auch, weiß Meyer. „Einige haben es schon probiert.“ Aber an die Ergebnisse des Dönbergers, der in seinem Rekordjahrgang 2015 mehr als 300 Flaschen abfüllte, kam keiner nur annäherend heran.

„Dabei“, erinnert sich seine Frau Gertrud (77), „haben wir nur was gesucht, um unseren Wintergarten zu begrünen.“ Das schafften die Reben mühelos. Doch wohin mit den Trauben? Der damalige Dönberger Pfarrer Eckehard Fröhmelt sei dann auf die Idee gekommen, „Mach doch Wein draus“. Daran erinnert noch der Name des Getränks: Pfaffentropfen.

Der habe eine feste Fangemeinde, ist Meyer stolz. Einen Teil der Flaschen ist er auch schon losgeworden. „Im Januar rufen immer die ersten an und fragen, wann es wieder soweit ist.“ Und die Kundschaft sei hauptsächlich weiblich.

2019 wird es allerdings keinen Wein mehr geben. Einen Nachfolger habe er nicht gefunden, sagt Meyer. „Wenn ich zehn Jahre jünger wäre, würde ich das ja weitermachen.“ Er habe im Laufe der Jahre viele Maschinen erworben, wie zum Beispiel eine Presse. Ohne anstrengende Handarbeit komme man aber eben nicht aus. Zu viel für den ehemaligen Industriekaufmann. Die Maschinen kommen jetzt in den Schuppen, und Meyer hat mehr Zeit für andere Hobbys. Unter anderem malt der Rentner. „Learning by doing“, sagt er schmunzelnd. Beim Wein sei das anders gewesen. Regelmäßig sei er an die Mosel gefahren, habe sich Tipps von den Experten dort geholt. Aber auch diese Touren seien mittlerweile zu anstrengend.

Ob er die Winzerei vermissen wird? „Auf jeden Fall“, sagt Meyer. Spätestens wenn die Trauben hängen, werde er sicher wehmütig, sagt seine Frau, die aber nicht ganz unglücklich ist, dass mit dem Pfaffentropfen Schluss ist. Eigentlich hätte man jeden Tag nach den Trauben schauen müssen. Zudem habe die Weinherstellung viel Dreck gemacht, die Beseitigung „blieb buchstäblich an mir kleben“.