„Der Lehrermangel in Wuppertal spitzt sich zu“

Bildung : „Der Lehrermangel in Wuppertal spitzt sich zu“

Zum neuen Schuljahr können rund 100 Lehrerstellen nicht besetzt werden. Besonders hart trifft es Grundschulen.

In Sachen Bildungssituation liegt zurzeit vieles im Argen und stellt auch die Wuppertaler Schulen vor kaum lösbare Aufgaben. Laut Stadtverband der GEW konnten zum Start des neuen Schuljahres stadtweit rund 100 ausgeschriebene Stellen nicht besetzt werden. Ganz besonders hart trifft es die 55 Grundschulen, die bei 53 Ausschreibungen gerade mal drei Lehrkräfte hinzugewinnen konnten und 44 fehlende Lehrer beklagen.

„Es gibt zu viele Baustellen zum neuen Schuljahr, die uns unter ungünstigen Bedingungen starten lassen. Vor allem der Lehrermangel hat sich zugespitzt“, so GEW-Vorstand Richard Voß. Er spricht von einem Ausfall von 2854 Unterrichtsstunden pro Woche. Zudem seien „viel zu große Klassen“ die Folge. Händeringend gesucht werden auch Schulleiter, sodass im Stadtgebiet derzeit zehn Grundschulen ohne Leitung und 35 ohne Konrektor sind.

Ebenfalls gebraucht werden Sonderpädagogen. „Von der Idee des gemeinsamen Unterrichts ist nicht viel übrig. So ist die Zahl an Sonderpädagogen um 50 Prozent runtergefahren worden“, hadert GEW-Vorstand Helga Krüger und spricht von einer „gescheiterten Inklusion“. Zunehmend alleine gelassen würden auch die zugewanderten Schüler, die nach zwei Jahren „internationaler Klasse“ nun in Normalklassen integriert werden müssen. „Hier fehlt es an Personal für die Sprachförderung“, weiß Krüger und betont, dass dies vor allem Berufsschülern Chancen auf einen Ausbildungsplatz verbaue.

Die Gewerkschaftler bemängeln nicht nur die quantitative Situation, sondern auch die qualitative. So sei infolge des Lehrermangels ein enormer Anstieg von Seiteneinsteigern ohne Lehrerausbildung zu beobachten, der im Grundschulbereich 98 Prozent des Vertretungsbedarfs abdecke. „Diese Quereinsteiger werden ins kalte Wasser geworfen und haben häufig mit Problemen zu kämpfen“, kritisiert Krüger. Zudem müssten sie vom Kollegium zeitaufwändig angelernt werden.

Die GEW mahnt, dass die Landesregierung endlich handeln und Ankündigungen in die Tat umsetzen müsse. Dazu, so die GEW, müsse der Beruf des Lehrers attraktiver gemacht werden, indem Numeri Clausi abgeschafft, Arbeitsbelastungen heruntergefahren und die niedrigere Bezahlung von Grundschullehrern angepasst werden sollten.

Zudem müssten Unterrichtsstunden einheitlich abgesenkt, die Anzahl an Klassenarbeiten verringert und Qualitätskontrollen ausgesetzt werden. Mit Blick in die fernere Zukunft sei eine Beschränkung auf nur noch eine einzige Schulform anzustreben.

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