Der lange Weg zur smarten City

Der lange Weg zur smarten City

Beim 6. Open Data Day ging es um Konzepte zur Online-Nutzung öffentlicher Daten. Die Stadt skizzierte ihre Pläne als Modellkommune.

Der Begriff vom „Internet der Dinge“ erlebt seit einigen Jahren eine Konjunktur in der Öffentlichkeit, doch was darunter zu verstehen ist, darüber macht sich jeder Smartphone- oder Tablet-Nutzer so seine eigenen Vorstellungen. Wie die Vernetzung zwischen analoger und digitaler Welt in der Praxis aussieht und welche Schritte Wuppertal auf dem Weg zur Entwicklung einer „Smart City“ machen könnte, darüber berieten rund 40 Teilnehmer des 6. Open Data Day, der am vergangenen Wochenende in der Utopiastadt stattfand. Außer Vorträgen und Diskussionen ging es in Workshops auch um die konkrete Anwendung — zum Beispiel die Entwicklung von selbstgebauten City-Sensoren, mit denen Daten in der Stadt gemessen, übertragen und online gestellt werden können.

Organisiert wurde das Treffen von der Opendatal-Initiative. Und da außer den Initiativen an der Basis auch die Frage interessant ist, wie die städtische Verwaltung — quasi von oben her — das Thema angeht, berichtete mit Stadtdirektor Johannes Slawig ein hochrangiger Vertreter über den Stand der Digitalisierung im Rathaus. Und hier kann die Stadt auf ein wichtiges Pfund verweisen, mit dem sie nun wuchern will: Sie wurde von der neuen schwarz-gelben Landesregierung als eine von fünf digitalen Modellkommunen in NRW ausgewählt, die in den kommenden Jahren mit Geld aus Düsseldorf unterstützt werden. 91 Millionen Euro stehen über das bis 2021 angesetzte Förderprogramm für die Modellkommunen bereit.

Die Anerkennung als Modellkommune sei für Wuppertal ein „Durchbruch“ bei der geplanten Digitalisierung und ein Anstoß, die geplanten Vorhaben nun noch deutlich schneller umzusetzen, betonte Slawig. „Wir werden das Rathaus in fünf bis zehn Jahren nicht mehr wiedererkennen“, versprach der Stadtdirektor.

Wie die Umsetzung im einzelnen aussehen wird, darüber werde derzeit noch gesprochen. Angedacht sei unter anderem die Schaffung eines digitalen Bürgerportals oder die Unterstützung von Projekten, mit denen Wuppertal zur „Smart City“ gemacht werden kann. Ziel sei es auf jeden Fall „Vorzeigestadt der Digitalisierung“ zu werden, sagte der Stadtdirektor. Dabei verstehe man sich als Teil des Bergischen Städtedreiecks und wolle bewusst Projekte mit Solingen und Remscheid angehen.

Wie die Umsetzung einer digitalen Strategie für das Rathaus aussehen könnte, dazu machte die für E-Government zuständige Mitarbeiterin Ursula Wittenzellner nähere Angaben. Derzeit gebe es im Rathaus noch zu oft „Medienbrüche“, also jene eher hinderlichen Schritte, wenn digitale Daten in analoger Form bearbeitet werden müssten. Zudem seien derzeit noch bei einigen Behördenvorgängen die Schriftform oder das persönliche Erscheinen des Bürgers notwendig. Während andere europäische Länder bei der Digitalisierung schon deutlich weiter seien, müsse Deutschland darauf achten, „nicht den Anschluss zu verlieren“.

Auch die Unterstützung des im Herbst 2016 gestarteten Opendata-Portals (offenedaten-wuppertal.de) gehört zum Digitalisierungsprogramm der Stadt. Hier wünsche man sich, dass noch mehr Bürger ihre Daten dem Portal zur Verfügung stellen. Um das zu erreichen, wolle man nun „pro-aktiv“ auf die Bevölkerung zugehen und das Projekt der Öffentlichkeit im Rahmen eines Runden Tisches vorstellen, erklärte Wittenzellner.

Wie in diesem Zusammenhang mehr Daten von Bürgern bereitgestellt und das „Internet der Dinge“ vorangebracht werden könnte, darüber informierte Ralf Glörfeld vom Open Knowledge (OK) Lab-Wuppertal. Die Technik dafür soll über das Long Range Wide Area Network (Lorawan) zur Verfügung gestellt werden. Ähnlich wie beim Freifunk soll eine offen zugängliche digitale Infrastruktur geschaffen werden, in der jeder Bürger über seinen Sensor Daten einfließen und der Öffentlichkeit auf Wunsch zugänglich machen kann.

Anhänger des „Urban Gardening“ könnten sich so zum Beispiel darüber informieren, wie feucht der Boden für ihre Pflanzen ist. Auch die Feinstaubbelastung an besonders stark frequentierten Stellen oder Wetterdaten an bestimmten Orten könnten so ermittelt und bereitgestellt werden. In Streifzügen durch den Stadtteil sammelten die Teilnehmer des Open Data Day am Wochenende Daten, zudem wurden in Utopiastadt an den Sensoren gebastelt.

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