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Der König der Hawaii-Hemden frotzelt in der Stadthalle

Der König der Hawaii-Hemden frotzelt in der Stadthalle

Jürgen von der Lippe überzeugte in der Stadthalle sowohl mit seinen älteren Nummern als auch mit neuen Parodien.

Wuppertal. Wer ein "Best Of"-Programm eines Künstlers besucht, darf nicht viel Neues erwarten. Wenn das Comedy-Programm dann auch noch "Das Beste aus 30 Jahren" heißt, darf der geneigte Zuschauer sich eigentlich auch auf etwas angestaubte Pointen vorbereiten. Wenn der Künstler allerdings Jürgen von der Lippe heißt, so wie am Freitagabend in der Stadthalle, kommt manchmal alles anders - als man denkt.

Vor der bis auf wenige Plätze ausverkauften Stadthalle erklärte der studierte Germanist zunächst, schon seit 35 Jahren als Künstler aktiv zu sein, nur leben könne er davon erst seit 30 Jahren und das mehr schlecht als recht - das Mitleid des Publikums hielt sich in Grenzen, schließlich hatte man bis zu 30 Euro für die Karte bezahlt.

Eine Investition, die allerdings kaum ein Gast bereute. Denn zwischen altbekannten Liedern wie "Dann ist der Wurm drin" oder "Ich hab’ alles was ich brauch (und ’nen Bauch hab ich auch)" wusste der selbst ernannte "Altmeister" deutscher Komik durch Stand-Ups zu überzeugen.

Dabei waren diese Nummern durchaus neu, oder zumindest aufgefrischt. Hätte Von der Lippe vor 30 Jahren gefragt, "Britney, wieder das Höschen vergessen?", über Mario Barth gesprochen oder von Handytelefonaten erzählt, wären die Lacher wohl ausgeblieben.

Viele der Themen, von denen sein aktuelles Programm handelt, sind allerdings zeitlos: Ob die Kassiererin im Supermarkt, die "dem Erwerb der deutschen Sprache noch freudig entgegenblickt", der Schwangerschaft bei Männern ("Abtreibung an jeder Tanke") oder bei Witzen über die Körpergröße von Peter Maffay. Viele Gags, wie seine Uri Geller-Parodie, konnte der Entertainer wohl eins zu eins aus älteren Programmen übernehmen.

Dem Publikum gefielen die aktuellen Anspielungen, immer wieder erntete der Komiker Lacher und Applaus. Wirklich notwendig wäre die Aktualisierung des Programms allerdings nicht gewesen: Die Höhepunkte der Show waren eindeutig die "angestaubten" Nummern.

Das großartige Zwiegespräch zwischen Maffay und Helge Schneider, in dem Helge den Sänger nicht singen lassen möchte ("Sing nur die letzte Strophe. Der Rest is’ scheiße.") und das Lied "Guten Morgen liebe Sorgen" kamen - damals wie heute - am besten an.

Zum Schluss erklärte der König der Hawaii-Hemden noch, warum es ihn immer wieder auf die Bühne zieht: Hier darf man sagen, was man möchte. Das sei der größte Vorteil seines Berufsstandes gegenüber anderen. "Auf dem Elternsprechtag kann der Lehrer nicht einfach sagen: ‚Ihr Willi ist doof. Ich wunder mich, wie er es morgens aus der Tür schafft.’"