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Der Kinderbonus spült rund 28 Millionen Euro ins Bergische Land

Konjunkturprogramm : Der Kinderbonus spült rund 28 Millionen Euro ins Bergische

Förderung aus dem Konjunkturprogramm bringt zusätzliche Kaufkraft in die Region.

In wenigen Tagen geht es los. Ab dem 7. September wird der Kinderbonus aus dem Corona-Programm der Bundesregierung ausgezahlt – einige Millionen Euro zusätzlicher Kaufkraft werden so ins Bergische gespült, wovon sich nicht zuletzt der Einzelhandel einiges verspricht. Die WZ erklärt dazu die wichtigsten Fragen.

Wie wird der Bonus beantragt?

Gar nicht, betont Bianca Winter von der Familienkasse West, zu deren Bereich auch das Bergische gehört: „Das Geld muss nicht beantragt werden, sondern kommt automatisch. Niemand muss deswegen Kontakt mit der Familienkasse aufnehmen.“

Wie hoch ist der Bonus und wer hat Anspruch?

„Den Bonus erhalten alle Kinder, die in diesem Jahr 2020 mindestens einen Monat Anspruch auf Kindergeld hatten oder haben werden“, sagt Bianca Winter. Das bedeute, auch Kinder, deren Anspruch im Februar 2020 ausgelaufen sei, zum Beispiel, weil sie eine Arbeit aufgenommen hätten, oder Kinder, die erst im Dezember 2020 geboren würden, hätten Anspruch auf den Kinderbonus von je 300 Euro. Ausgezahlt wird er in zwei Raten, „um damit einen starken, konzentrierten Konjunkturimpuls zu setzen, der von den Familien direkt genutzt wird“, wie das Bundesfamilienministerium sagt. Zudem wolle man so nachteilige Folgen im Zusammenspiel von Kindesunterhalt und Unterhaltsvorschuss vermeiden. Im September kommen 200, im Oktober noch einmal 100 Euro je Kind. Empfänger ist immer die Person, die auch das Kindergeld für das jeweilige Kind erhält.

Wie viel Geld bringt der Kinderbonus für die Region?

So ganz genau könne man das nicht sagen, erklärt Bianca Winter von der zuständigen Familienkasse: „Es gibt keine lokalen Familienkassen mehr.“ Entsprechend habe man keine regionalen Zahlen zur Verfügung. Doch man kann überregionale Werte runterbrechen: Etwa jeder elfte Bewohner in Deutschland bezieht Kindergeld. Und im Bereich der Familienkasse West erhält jeder Bezieher im Schnitt für etwa 1,4 Kinder Leistungen. Unterstellt man ähnliche Werte für das Städtedreieck, werden in Solingen, Remscheid und Wuppertal insgesamt mehr als 28 Millionen Euro Kinderbonus ausgezahlt.

Wofür darf das Geld
ausgegeben werden?

Das steht den Familien völlig frei, die Bundesregierung hofft jedoch, dass der Bonus nicht auf Sparkonten landet, sondern die Konjunktur ankurbelt. Sie wünsche sich, dass die Familien mit dem Geld etwas zusammen unternehmen, das allen Spaß mache, hatte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey im Vorfeld erklärt. Die bergischen Unternehmen wünschen sich vor allem, dass das Geld in der Region ausgegeben wird. „Der Lockdown in der Corona-Krise hat uns ja allen vor Augen geführt, wie es ist, wenn eine Innenstadt verödet ist“, sagt Ralf Engel von der Wuppertaler Geschäftsstelle des Handelsverbands NRW. Jeder Kunde müsse sich überlegen, ob er das wolle. „Damit verbunden ist der Appell, den Kinderbonus dazu zu verwenden, wofür er gedacht ist, nämlich Konsum vor Ort“, sagt Engel, der dabei ausdrücklich auch die Gastronomie und das Kulturangebot in der Region meint: „Bei der Erhaltung der Innenstädte gehen wir da Hand in Hand.“

Wann kommt der Bonus?

Das Geld wird nicht zusammen mit dem Kindergeld ausgezahlt. Stattdessen richtet sich der Auszahlungszeitpunkt nach der Endziffer der Kindergeldnummer. Endet die auf eine „0“, kommt die erste Rate am 7. September und die zweite am 7. Oktober. Die weiteren Endziffern folgen dann an den kommenden Tagen, so dass am 22. September und am 22. Oktober alle Empfänger mit der Endziffer „9“ ihr Geld bekommen. Bundesweit werden so ersten Schätzungen nach 4,3 Milliarden Euro ausgezahlt.

Profitieren alle Empfänger von dem Kinderbonus gleichermaßen?

Nein, da der Kinderbonus im Rahmen der bei der Einkommensteuerveranlagung durchzuführenden Vergleichsberechnung zusammen mit dem Kindergeld berücksichtigt wird, ist der Vorteil für Familien mit hohem Einkommen geringer. „Alle Familien, für die die Entlastung durch die Kinderfreibeträge für alle Kinder größer ist als die Summe aus Kindergeld und Kinderbonus, profitieren im Ergebnis nach der Einkommensteuerveranlagung für 2020 nicht vom Kinderbonus“, schreibt dazu das Bundesfamilienministerium. Grundsätzlich müsse dies jedoch individuell betrachtet werden, sagt das Ministerium: „Ein zusammenveranlagtes Elternpaar mit drei Kindern profitiert beispielsweise bis zu einem Einkommen von 67 816 Euro in voller Höhe von dem Kinderbonus für alle drei Kinder.“ Darüber werde der Kinderbonus allmählich abgeschmolzen. „Ab einem Einkommen von 105 912 Euro wird er in der genannten Konstellation im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung für 2020 vollständig mit den drei Kinderfreibeträgen verrechnet.“