Der Herr der Wuppertal-Bücher

Der Herr der Wuppertal-Bücher

Michael Kozinowski ist nicht nur Händler, sondern auch leidenschaftlicher Sammler von Literatur — vor allem über das Bergische Land.

Elberfeld. Beruflich, könnte man meinen, müsste Michael Kozinowski eigentlich schon genug von Büchern haben. Seit Anfang der 1990er Jahre leitet er die Buchhandlung Klaus v. Mackensen am Laurentiusplatz, hat also tagaus tagein mit gedruckten Werken zu tun. Doch auch privat kann der 61-Jährige nicht von Büchern lassen. Er liest nicht nur, er sammelt. Zum Beispiel Lektüre zum Thema Jazz. Mehr als 300 Werke hat er bereits zusammen. Das ist aber nur ein Klacks gegenüber seiner eigentlichen Sammlung. 700 Bücher, die sich nur mit Wuppertal und dem Bergischen Land befassen.

Wuppertaler

Sammlerstücke

„Das hat schon früh angefangen“, erinnert sich Kozinowksi, Wuppertaler durch und durch, an den Beginn seiner Leidenschaft für Bücher. Eigentlich hätten seine Eltern - sein Vater ist Pfarrer - es lieber gesehen, wenn er beruflich bei der Evangelischen Kirche untergekommen wäre. Doch nach einiger Zeit als Verwaltungsangestellter dort, bewarb er sich auf die Nachfolge von Klaus von Mackensen als Buchhändler. Schließlich hatte er dort bereits seine Ausbildung absolviert. Und Bücher spielten auch in seiner Familie immer eine Rolle. „Mein Vater sammelt ja auch“, erzählt er. Seine Mutter habe dem inzwischen 87-Jährigen zwar abgerungen, dass er für jedes neue Buch ein altes weggeben muss. So richtig funktioniere das nicht, schmunzelt Kozinowski.

Bücher über Wuppertal haben es ihm schon lange angetan. Schließlich haben die Stadt und die Region so viele Themen zu bieten, „so viele Geschichten und Geschichte“, wie er sagt. „Nehmen wir nur mal die Verkehrshistorie“, legt er los. O-Busse in Solingen, die Seilbahn zu Schloss Burg, die Schwebebahn in Wuppertal - wo gebe es das sonst noch, so eine Vielfalt?, fragt der Buchhändler, der keinen Hehl daraus macht, dass er sich eine Seilbahn für Wuppertal wünschen würde. „Der PR-Wert wäre der Knaller.“

Dann gebe es noch die mannigfaltige Kirchengeschichte, von Elias Eller in Ronsdorf bis zur Gemarker Erklärung, die Sozialgeschichte mit dem Elberfelder System, und, und, und.

Zum Großteil bestehe seine Sammlung aus Sachbüchern. Den Band zum 300. Geburtstag Elberfelds 1910 findet man dort ebenso wie diverse Festschriften zu Schuljubiläen - „die sind oft besonders schön“ - oder einen schön fotografierten Band zur Schwebebahn, herausgegeben von Peter von Zahn aus dem Jahre 1985. Romane über Wuppertal sind eher die Ausnahme. „Das habe ich aufgegeben, sonst wird es zuviel“, sagt Kozinowksi und verweist auf seinen Vervollständigungswahn. So hat er zum Beispiel auch alle Polis-Hefte zur Entwicklung des Döppersbergs gesammelt.

Ein paar Romane gibt es aber doch, zum Beispiel „Die Wiskottens“ von Rudolf Herzog. Ein Bestseller-Autor, so Kozinowski, den heute kaum noch jemand kenne. Anfang des 20. Jahrhunderts ging die Auflage seiner Bücher aber in die Hunderttausende. Zahlen, „die heute kaum ein Autor erreicht“. In seinen späteren Jahren geriet Herzog dann durch seine Sympathie für den Nationalsozialismus in die Kritik.

Durch seinen Job verpasst der Buchhändler natürlich keine Neuerscheinung mit Wuppertal-Bezug. Eine Quelle sind auch die Bürger- und Geschichtsvereine mit ihren Veröffentlichungen. Ältere Sachen, die ihm noch fehlen, „finde ich eigentlich nur in Antiquariaten“. Das, was auf Flohmärkten in der Region angeboten wird, habe er meist schon. Katalogisiert hat er seine Sammlung übrigens nicht und sortiert ist sie auch nur grob nach Themen. „Ich finde alles auch so schnell.“ Da gab es doch mal vor ein paar Jahren ein Buch über die Geschichte Heckinghausens? Kozinowski wirft nur einen kurzen Blick ins Regal und präsentiert den Band von Gerhard Dabringhausen. Komplett wird Kozinowski mit seiner Sammlung wohl nie sein. Das stört ihn aber nicht groß. „Das Sammeln hat schon einen Suchtcharakter“, räumt er lächelnd ein.