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Der Flug zum Arbeitsplatz

Flugdrohnen sollen Autos und Busse ersetzen : Der Flug zum Arbeitsplatz

Als der Vorsitzende der Wuppertaler FDP, Marcel Hafke, vor wenigen Jahren vorgeschlagen hat, das Postverteilzentrum am Kleeblatt zum Drohnen-Taxi-Flugplatz zu machen, erntete er im besten Fall Schweigen, aber überwiegend waren es Hohn und Spott.

Aber so lächerlich war der Gedanke anscheinend gar nicht. Sonst beschäftigten sich beispielsweise Airbus und der Düsseldorfer Flughafen nicht so intensiv damit. „Drohnen in der mobilen Urbanität“ war deshalb jetzt auch das Premierenthema der sogenannten Avantgarde Talks in der Beratungsagentur Madanimorgan. Die jungen Inhaber der Agentur, Jade Madani und Jan Morgan, sind deutschlandweit offenbar sehr gut vernetzt. So ist es ihnen gelungen, Nuri Arbursu, Drohnenforscher an der Helmut-Schmidt-Universität, Ilona Kari vom Aiport Düsseldorf und Rohat Akcakaya vom Bündnis Nahfairkehr an die Friedrich-Ebert-Straße einzuladen.

Urbane Mobilität ist allerdings auch eine sehr zentrale Stellschraube im Kampf gegen den Klimawandel. Und Drohnen könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. So zumindest sieht es Nuri Arbursu. Derzeit finde in Hamburg ein Weltkongress zur „Smart Mobilitiy“ statt. Dabei gehe es unter anderem auch um die Nutzung von Drohnen als Transportmittel für Menschen und Waren. „Es gibt sie schon. Hamburg denkt darüber nach, sie für das Umschlagen von Containern im Hafen zu nutzen“, sagte er. Vom Einsatz als Flugtaxi hingegen sind die Drohnen demnach noch weit entfernt.

Konzerne arbeiten an der Idee, die Mobilität in die Luft zu verlegen

Das hat mit vielen Einschränkungen zu tun, denen die Technik vor allem in Deutschland unterliegt. Da wäre zunächst die Bürokratie, die das Innovationstempo in Deutschland gegenüber den USA und vor allem Asien spürbar senkt. Dagegen stehen aber auch klimapolitische Überlegungen. Drohnen brauchen Auftrieb, ehe sie über längere Strecken im Segelflug Energie sparen können. Aber die Auftriebsenergie ist derzeit noch so groß, dass Flugtaxis keinen Beitrag zur Öko-Bilanz leisten können. Sie wirken nach Angaben von Experten des Wuppertal Institutes eher nachteilig.

Dennoch arbeiten große Konzerne weltweit an der Idee, die Mobilität auf Straßen und Schienen in die Luft zu verlegen. Zwar hat der US-Amerikanische Pionier für autonomes Fahren, Uber, zuletzt seine Drohnen-Sparte abgestoßen. Fast gleichzeitig aber ist der Münchner Hersteller Lilium in die USA gezogen, um dort Milliarden von Dollar für die Weiterentwicklung seines Produkts zu generieren.

Der Traum vom Lufttaxi lebt. Er hat 1952 begonnen, als in New York ein Helikopter zwei Wolkenkratzer in der Luft miteinander verband. Und die Idee, Menschen in der Höhe zu befördern, ist sogar noch älter. Sie stammt aus dem Tal der Wupper. Die Schwebebahn hatte und hat zum Ziel, Personen Stau- und Hindernisfrei von A nach B zu befördern. Das System funktioniert nun schon seit 120 Jahren.

Womöglich aus diesem Grund ist die Regionale Personenbeförderung durch die Luft auch eine Option für den Flughafen Düsseldorf. Entsprechende Überlegungen gibt es jedenfalls, und Gespräche mit potenziellen Entwicklungspartnern laufen. Dennoch glaubt Ilona Kari so schnell nicht an eine Marktreife des Lufttaxis. Sie setzt in der Mobilität mehr auf einen Mix aus Bahn, Auto und Fahrrad.

Dass die Flugdrohne den Mix so schnell ergänzt, glaubt auch Rohat Akcakaya nicht. Er setzt vor allem für die Versorgung der Landbevölkerung auf den ÖPNV mit Bus und Bahn. Gleichwohl müsse in diese Verkehrsmittel erheblich investiert werden. Er schlägt dazu eine Landesgesellschaft vor, die öffentliches und privates Kapital verbinden und effektiv einsetzen könnte. Dass die öffentlich organisierte Personenbeförderung damit aber kostendeckend organisiert werden kann, glaubte von den Experten auf dem Podium keiner. Einigkeit herrschte dennoch darin, dass ein anderer Mobilitätsmix notwendig ist, wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will. Eines lautet, den Kohlendioxidausstoß bis 2030 auf 50 Prozent des Wertes von 1990 zu senken.