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Der Einfluss von Corona auf Arbeit und Pendeln

Corona : Der Einfluss von Corona auf Arbeit und Pendeln

Werden Verkehr und Arbeit nach Corona anders aussehen als heute? Das war Thema der digitalen Mobilitätskonferenz der IHK.

Die Corona-Krise hat vieles verändert: durch die Pandemie arbeiten viele Berufspendler von zu Hause aus, Besprechungen und Gesprächsrunden finden als Telefon- oder Videokonferenz statt und Geschäftsreisen werden zur Ausnahme. Das verändert auch das Mobilitätsverhalten in der Stadt und in der Region. In der digitalen Mobilitätskonferenz der IHK widmeten sich die Teilnehmer der Frage, ob die Veränderung der Mobilität durch die Pandemie nachhaltig sein wird.

Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK, sagte, er gehe davon aus, dass viele Mitarbeiter an mehreren Tagen in der Woche im Homeoffice arbeiten. „Es ist unglaublich, was im Bereich Homeoffice möglich war. Da brauchte es wohl einen Lockdown“, so Berghausen. In anderen Bereichen wie der Produktion wird Mobilität weiterhin eine Rolle spielen. Es gehe darum, die Leute im Dreischichtsystem an ihre Arbeit zu bekommen. Auch der Service brauche Flexibilität. „Es ist unser Alleinstellungsmerkmal, Fachleute überall in die Welt zu schicken“, sagte Berghausen. Deshalb sei es nicht möglich, den Flugverkehr um die Hälfte zu reduzieren.

Auf Dienstreisen können Unternehmen auch aus Sicht von Ulrich Halka nicht verzichten. „Der Kundenkontakt ist der Schlüssel und der persönliche Kontakt ist gerade wichtig bei Akquise neuer Kunden, um Vertrauen aufzubauen“, sagt der Senior Vice President Operation bei Lancom Systems aus Würselen. Allerdings liege die Zahl der Mitarbeiter, die wieder zur Arbeit pendeln, unter 50 Prozent. Das Unternehmen beschäftigt 400 Mitarbeiter, die in Vor-Coronazeiten allein durch die An- und Abreise zum Unternehmensstandort 2,2 Millionen Kilometer pro Jahr zurückgelegt haben. Halka geht davon aus, dass Homeoffice in vielen Bereichen möglich ist, allerdings nicht zu 100 Prozent.

Konzept für Bergisches Land
und Umland in Arbeit

Stefan A. Vogelskamp von der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft hatte vor allem die Unternehmen in der Bergischen Region im Blick, meist Produktionsbetriebe im Automobilsektor. „Wir entwickeln ein regionales Verkehrskonzept mit Wuppertal, Solingen, Remscheid, Düsseldorf, Mettmann, um Verkehre zu vermeiden“, sagte er und verwies auf das Modellprojekt Bergisch Smart Mobility. Das umfasst ein On-Demand-Angebot im ÖPNV. Dabei sollen Minibusse eingesetzt werden, die virtuelle Haltestellen haben und komplett auf Fahrpläne verzichten. Sie können per Handy geordert werden.

Zu den Herausforderungen und Chancen, die sich aus den Erfahrungen während der Corona-Krise für die betriebliche Mobilität ergeben, sagte Timo Möller, McKinsey & Company: „Es gibt eine große Chance in der Shared Mobility, die durch Corona nicht kleiner geworden ist.“ Das merke man unter anderem daran, dass sich die Menschen im ÖPNV sicher fühlten, in mehreren Städten Pop-Up Bike Lanes entstünden und Start-Ups für Scooter einen Boom erlebten.

Die sogenannte Shared Mobility ist vor allem ein Thema für urbane Betriebe. Lars Friedrich, Currenta, sagte, ein großer Teil der Belegschaft arbeite in der Produktion und pendle nicht von Innenstadt zu Innenstadt. Die Nutzung des ÖPNV sei im Schichtbetrieb schwierig. Zudem hemmten komplizierte Preissysteme die einfache Nutzung. „Ich will einsteigen und den ÖPNV nutzen“, sagte er und nannte als positives Beispiel das Studententicket NRW, das Studierende im ganzen Bundesland nutzen können. „Am Ende muss der Köder nicht der Politik schmecken, sondern den Menschen, die ihn nutzen sollen“, so Friedrich.

Diesen gibt es nach Ansicht der Verkehrsbetrieb schon heute. José Luis Castrillo vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr verwies auf das Studenten- oder Azubi-Ticket. Gleichzeitig kündigte er an, dass 2021 mehrere Themen wie Tarifsprünge im ländlichen Raum oder Verbundgrenzen aufzulösen angegangen würden. „Wir wollen einen intelligenten Mix aus allen Bereichen der Mobilität fördern“, sagt er und kündigte einen landesweiten E-Tarif an.

Kirsten Jahn von der Metropolregion Rheinland stellte fest, dass viele Menschen durch den Lock-Down gemerkt hätten, dass sie durch Videokonferenzen flexibler sind und auf Zeitfresser wie Wegstrecken verzichten können. „Die Effizienz ist höher, aber der Mensch braucht weiterhin das persönliche Zusammenkommen“, sagte Jahn. In NRW werde bis zu 80 Kilometer gependelt. Das sei wirklich weit. Ziel sei es, gute ÖPNV-Anbindungen zu schaffen. Denn Mobilität sei der Wachstumsmotor gerade in einer Metropolregion wie dem Rheinland. Ihr Fazit lautete: „Mobilität muss vernetzter werden.“