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„Der Donnerstag ist ein guter Tag für den Weg zum Amt“

„Der Donnerstag ist ein guter Tag für den Weg zum Amt“

Die WZ machte den Test und stellte sich gestern im Einwohnermeldamt mit in die Schlange.

Wuppertal. Es war gestern vermutlich der letzte heiße Tag des Jahres. Das ideale Wetter, um den vielleicht letzten Sprung in kühle Fluten zu genießen. Doch zahlreiche Wuppertaler hatten an diesem Tag andere Pläne. Sie nutzten den „langen Donnerstag“, um sich umzumelden oder Personalausweise und Reisepässe zu beantragen.

„Das tut man sich morgens einfach besser nicht an“, sagt Jessica Eymann, die sich nach einem Umzug in Elberfeld ummelden wollte. Sie habe bewusst den Donnerstagnachmittag für den Gang zum Amt gewählt, verrät sie dem Beigeordneten Panagiotis Paschalis, der als Gast zum WZ-Mobil gekommen ist. Gemessen an den Menschenschlangen im Einwohnermeldeamt vor und während der Sommerferien geht es am Steinweg entspannt zu wie auf einer Ferieninsel zu.

„Wenn man erst einmal drin ist, dann sind die Menschen sehr freundlich“, meint die Wuppertalerin. Eine gute halbe Stunde später wirkt sie dann doch etwas genervt, denn sie muss noch einmal wiederkommen, weil eine Unterlagen ihres Vermieter noch fehlt.

Für Christian Schulz ist es schon der zweite Anlauf. Den ersten Versuch hat er in der vergangenen Woche früh morgens abbrechen müssen, weil ihm die Zeit davon lief. Eine halbe Stunde stand er am Infoschalter, bekam eine Nummer. Im Gespräch mit dem Sachbearbeiter stellte sich dann heraus, dass eine Unterlage fehlte. „Ich fahre am Steinweg vorbei zur A 46 nach Dortmund und habe beobachtet, dass die Leute hier schon ab 6 Uhr morgens Schlange stehen. Deshalb bin ich jetzt am Donnerstagnachmittag gekommen“, sagt Christian Schulz. In Dortmund gebe es aber ähnliche Probleme.

„Wir haben den Weg zum Einwohnermeldeamt so lange wie möglich hinausgezögert. Mein Sohn fährt im Oktober nach England und benötigt einen Reisepass“, sagt Carmen Busch. Auch sie hat in den vergangenen Wochen die langen Schlangen vor dem Eingang als warnendes Beispiel vor Augen gehabt. Eine junge Frau sitzt ganz entspannt in der Wartezone und liest ein Buch. Nein, von Warteschlangen und Problemen habe sie bisher noch nichts gehört. Da hat sie aber Glück gehabt.

An der Infotafel leuchten Nummern für bereits vereinbarte Termine und die Laufkundschaft auf. „Wir wollen den Anteil des Termingeschäfte ausbauen“, verspricht Jochen Siegfried, Leiter des Bürgerbüros. Der WZ-Reporter stellt sich ohne einen Termin am Infoschalter an. Nach zwei Minuten hat er eine Nummer, nach weiteren fünf Minuten ist sein Anliegen bearbeitet. So entspannt kann es im Einwohnermeldeamt also außerhalb der Stoßzeiten zugehen.

„Meine Tochter war vor einem Jahr hier. Sie hat mir den Tipp gegeben: Der Donnerstag ist ein guter Tag“, sagt Dirk Weber, der 2006 zuletzt am Steinweg war und dem dieser Besuch in keiner besonderen Erinnerung geblieben ist. Die Verlängerung des Reisepasses ist für ihn diesmal ebenfalls kein großer Angang.

Egon Ruppert hat eine Terminreservierung, nachdem er im Sommer einen Vormittag vergeblich opferte. „Ich hatte Ferien und genügend Zeit. Doch so haben vermutlich viele Urlauber gedacht, entsprechend voll war es.“ An diese Tage denkt Panagiotis Paschalis nur ungern zurück. „Da ging es nicht so entspannt zu wie heute. Die Verwaltung hat den Auftrag, bis Ende des Jahres ein Konzept für die Bürgerämter zu erarbeiten, um für die Stoßzeiten im Jahr gewappnet zu sein“, sagt Paschalis.