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Der Bob Campus in Wuppertal nimmt die nächste wichtige Hürde

Stadtentwicklung : Der Bob Campus in Wichlinghausen nimmt die nächste wichtige Hürde

Das Quartiersprojekt „Bob Campus“ in Wichlinghausen wurde jüngst um einen bedeutenden Schritt weitergebracht.

Das Quartiersprojekt „Bob Campus“ in Wichlinghausen wurde jüngst um einen bedeutenden Schritt weitergebracht. Für den zweiten Bauabschnitt, eine große Fabrikhalle, ist die Baugenehmigung erteilt worden. Das dreistöckige Industriegebäude aus den 70er-Jahren soll bald zu einem Mehrzweck-Ort mit Kita des CVJM, Räumen für die Max-Planck-Realschule, einer Coworking-Etage und Nachbarschaftsräumen umgestaltet werden.

Die Initiative „Bob Campus“, in die dieser Bauabschnitt eingebettet ist, will zwischen Max-Planck- und Wichlinghauser Straße auf 5500 Quadratmetern einen vielfach nutzbaren Raum aus Wohnen, Arbeiten, Bildung und Freizeitgestaltung samt eines Parks entwickeln. Sie ist ein Projekt der Montag Stiftung Urbane Räume, deren Vorständin Johanna Debik erfreut über die Baugenehmigung ist: „Wir haben darauf mit scharrenden Hufen gewartet“, bekennt sie. In anderen Abschnitten, wie dem der Wohnhäuser, ist mit Bauarbeiten und Sanierungen bereits begonnen worden. Jetzt kann auch am alten Textilwerk der Startschuss fallen. „Die ganze Fabrik bekommt eine neue Gestalt“, verspricht Debik. Die ersten Schritte werden um die Jahreswende mit Erneuerungen an Dach und Fassade vorgenommen.

Das Projekt soll offen und partizipativ gestaltet werden

Was dann auf dem Bob Campus entstehen soll, bezeichnet die Vorständin als „Gesellschaftsvision“. Offen und partizipativ stellt die Planung sich das Projekt vor, Lebenswelten sollen vernetzt werden, weg von der nach Zweck geordneten Stadt, hin zu vielfältig nutzbaren Arealen. Ein Beispiel ist die genannte Fabrik, in der neben Bildung und Arbeit auch Freizeit mitgedacht wird – in Form einer 1000 Quadratmeter großen Nachbarschaftsetage. Ideen für das offen zugängliche Erdgeschoss sind Lese- und Spielecken, Feiermöglichkeiten oder kleine Kulturevents. Auch eine Viertelsküche wird es geben. Debik hat großes Interesse der Menschen aus dem Stadtteil vernommen, es sei „eine große Freude“, vor Ort zu arbeiten. „Wir wollen die bunte, diverse Gesellschaft in Oberbarmen widerspiegeln“, hat die Initiative sich vorgenommen. Die Voraussetzungen seien gut, so Debik: „Im Quartier haben wir unheimlich tolle Partner gefunden, es ist eine sehr konstruktive Zusammenarbeit.“ Ein Gremium aus den Beteiligten, die den Campus später nutzen sollen, wirkt bei Entscheidungen beratend mit.

Der baldige Baubeginn steht sinnbildlich für die Pläne; den Wandel der Industriegemäuer führt die Initiative gern als Metapher für das kommende Projekt an. Es sei überdies „im Sinne der Ökologie“, die alte Textil-Substanz zu nutzen, sagt Debik. Hohe Anforderungen an Brand- und Schallschutz sowie die neueste Wärmeschutzverordnung werden dabei berücksichtigt. Ragnhild Klußmann aus dem zuständigen Architekturbüro Raumwerk erklärt darüber hinaus: „Das deutsche Baurecht macht es schwierig, gemischt genutzte Gebäude zu ermöglichen.“ Es sieht für verschiedene Nutzungen unterschiedliche Anforderungen vor. Aus diesem Grund war die Freude besonders groß, als die Genehmigung eintraf. Klußmann erläutert die architektonischen Aspekte der Transformation zum Gesellschaftsprojekt: „Wir haben ein extrem großes Volumen, deshalb gibt es rundherum Licht, damit viel Raum genutzt werden kann.“ Große Tore sollen die alte Fabrik als Gemeinschaftsort begreifbar machen. Die Nutzung lässt die Architektur aber bewusst offen: „Wir wollen gucken, wie die Menschen die Räume mit Leben füllen.“ Darum gibt es bewegliches Mobiliar und Abtrennungsmöglichkeiten.

Für die Coworking-Etage werden noch Betreiber gesucht, die „sich mit dem Gemeinwohl-Gedanken identifizieren“ können, berichtet Johanna Debik, die auch als Geschäftsführerin der federführenden Projektgesellschaft fungiert. Sind alle Schritte abgeschlossen, soll das Projekt dauerhaft Impulse für das Quartier geben und Überschüsse für lokale, gemeinnützige Projekte erwirtschaften. Nun, mit Baugenehmigung, zählt für Debik: „Gut zu wissen, dass es jetzt Realität wird.“