Denkmalschutz: Solaranlage muss abgebaut werden

Denkmalschutz: Solaranlage muss abgebaut werden

Die Kirchengemeinde muss ihre neue Photovoltaikanlage wieder abbauen – es fehlte die Genehmigung der Unteren Denkmalbehörde.

Vohwinkel. Sie war der ganze Stolz der Evangelischen Kirchengemeinde Vohwinkel: die neue Solarstromanlage auf dem Dach des Gemeindezentrums an der Gräfrather Straße. Erst im vergangenen Dezember ist sie eingerichtet worden und hat rund 60.000 Euro gekostet.

Das ist nicht wenig Geld, schon gar nicht in Zeiten knapper Kassen: "Wir machen uns selbst ein Weihnachtsgeschenk, das sowohl ökologisch als auch ökonomisch richtungweisend ist", hatte Frank Beyer, Vorsitzender des Presbyteriums, noch im Dezember gejubelt. Innerhalb der nächsten 15 Jahre sollte sich die Investition bezahlt gemacht haben.

Doch die Euphorie hat nun einen gehörigen Dämpfer erhalten. Der vordere Teil der Solarstromanlage muss aller Voraussicht nach wieder abgebaut werden. Der Grund: Für die Anlage lag keine Genehmigung der Unteren Denkmalbehörde vor. Die hätte jedoch zuvor gefragt werden müssen, weil das Gemeindezentrum mit seiner markanten rotbraunen Fassade unter Denkmalschutz steht. Die entsprechende Anfrage ist offenbar versäumt worden: "Ein peinlicher Fehler unsererseits", so Pfarrer Beyer. "Daran hätten wir denken müssen."

Diese Einsicht kommt wohl zu spät. "Die Anlage ist rechtswidrig errichtet worden", sagt Frank Meyer, städtischer Baudezernent und auch für Belange des Denkmalschutzes zuständig. Beim Ortstermin in der vergangenen Woche konnte er den Vohwinkelern keine Hoffnungen machen: "Es geht beim besten Willen nicht. Ich finde es ja toll, dass sich die Kirchengemeinde in dieser Weise engagiert. Aber wir können eine derartig exponierte Anlage nicht nachträglich legalisieren."

Die neue "Dachdeckung" des Altbaus muss also wieder entfernt werden. Damit können sich die Vohwinkeler bis Ende der Sommerferien Zeit lassen, wie Frank Beyer berichtet. Von der Stadt soll es Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Alternativ-Standort geben: "Wir haben der Gemeinde bereits unsere Hilfe angeboten", sagt Baudezernent Meyer.

Der Vorstand der Evangelischen Kirche zeigt sich dennoch enttäuscht: "Es verwundert schon sehr, wie hier mit dem Anliegen umgegangen wird, Energie regenerativ zu gewinnen", sagt Frank Beyer. "Neben Dach-Alternativen wollen wir die rechtliche Seite abklopfen", kündigte der Vorsitzende des Presbyteriums gestern an. "Aber eigentlich hoffen wir auf das Wunder - ein Einlenken seitens der Denkmalbehörde oder der Politik."

Ein buchstäblich frommer Wunsch. Dass er in Erfüllung geht, erscheint zumindest derzeit fraglich.

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