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Dem Rätsel des Universums auf der Spur

Dem Rätsel des Universums auf der Spur

Universität: Bei einem Experiment soll ein Supercomputer den Zustand des Universums direkt nach dem“Big Bang“ errechnen.

Wuppertal. Das Rätsel um die Entstehung des Universums (Big Bang) könnte vielleicht bald in Wuppertal gelöst werden. Mit Hilfe eines Supercomputers werden an der Universität in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren Daten ausgewertet, die direkt aus dem Europäischen Labor für Teilchenphysik in der Schweiz (CERN) stammen, und die den Zustand des Universums etwa eine Billionstel Sekunde nach dem Urknall darstellen.

Bei diesen Experimenten werden für den Bruchteil einer Sekunde Temperaturen erreicht, die diese im Inneren der Sonne um ein Vielfaches übertreffen. "Das Ganze ist eines der größten wissenschaftlichen Projekte der Welt", erklärt Peter Mättig, einer der Projektleiter, begeistert. "Wir gehen zurück an den Anfang des Universums." Etwa 620 000 Euro hat der Supercomputer gekostet - fünf kühlschrankgroße, mannshohe Aggregate, die nun in der Naturwissenschaftshalle am Campus Grifflenberg in einem klimatisierten Raum leise vor sich hin summen.

Mit 544 Prozessoren und einem Datenspeicher, auf dem theoretisch 60 000 DVDs Platz hätten, ist dieser Rechner der mit Abstand schnellste im ganzen Tal. Was jedem Hobby-PC-Spieler Tränen in die Augen treiben dürfte, ist für Mättig vor allem auch eine Investition in die Zukunft: "Natürlich wertet dieses Projekt auch den Technologie-Standort Wuppertal enorm auf. Wir werden versuchen, die Arbeit an diesem Projekt auch in das Studium mit einzubauen."

Doch bei der Datenauswertung ist Wuppertal nicht allein. Würde auch gar nicht funktionieren, denn dafür ist die Menge der gewonnenen Daten viel zu riesig. Etwa 2000 Physiker aus allen Kontinenten der Erde arbeiten an dieser Mammut-Aufgabe, ihre Arbeitsplätze liegen in London, New York und Tokio. Noch die nächsten zwanzig Jahre, so schätzt Mättig, werde das Projekt laufen. Dabei werden Formeln aufgestellt für die Bewegung von Teilchen, die man eigentlich gar nicht messen kann, und riesige Digitalkameras auf unsichtbare Objekte gerichtet.

Letztere ist übrigens eine Entwicklung aus Wuppertal. Die hoch auflösende Kamera fotografiert mit 86 Millionen Bildpunkten und liefert so Fotos von Materie, die das menschliche Auge nicht mehr erkennen kann. Trotz aller Hoffnung bleibt Wissenschaftler Mättig auf dem Boden: "Es wartet viel Arbeit auf uns. Und wir werden kein neues Universum produzieren", lacht er.