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Dauerhaft kein Netz: Wuppertaler Siedlung muss mit Funkloch leben

Breitband : Anwohner klagen über Funkloch

In Sonnborn gibt es eine kleine Siedlung, die nicht „mal eben ins Netz gehen“ kann. Das Laden von Websiten dauert Minuten, der Empfang am Handy ist schlecht und das Wetter stört den Satelittenempfang. Besserung ist nicht in Sicht.

Gerade jetzt in der von Nachrichten regelrecht überfluteten Zeit der Corona-Pandemie und der US-Präsidentschaftswahl sind die Menschen auf einen guten Zugang zur digitalen Welt des Internets elementar angewiesen. Das gilt insbesondere in einer Phase, in der sich zum Beispiel die Coronaregeln oft nahezu stündlich ändern und der Einzelne erfährt, was er gerade noch darf und was ver- beziehungsweise geboten ist.

Für die Menschen, die in der kleinen Siedlung des Wupperverbandes in Sonnborn unweit der Kläranlage Buchenhofen leben, ist eine solche digitale Versorgung meist nur ein Wunschtraum. „Wenn ich eine Website im Internet wie zum Beispiel Facebook lade, dann kann das schon mal einige Minuten dauern. An Streamen ist unter solchen Bedingungen nicht zu denken“, sagt ein Anwohner, der anonym bleiben möchte, gegenüber der WZ.

Grund für das extrem langsame Internet ist, dass die vier Häuser mit ihren zwölf Mietpartien mit einer 3000er-Leitung ans digitale Netz angeschlossen sind. In den Wohnungen leben meist ältere, ehemalige Mitarbeiter des Wupperverbands. Die meisten Haushalte haben heute Leitungen, die mindestens 10 oder 15 mal so schnell sind. Da kommt die Idee, mit einem USB-Stick über den Mobilfunk ins Internet zu gehen. Aber auch das ist schwierig – die Häuser liegen in einer Mulde und der nächste Mobilfunkmast ist weit entfernt.

„Uns ärgert vor allem, dass es für die Kläranlage schon seit Jahren einen Glasfaser-Anschluss mit einer sehr schnellen Datenübertragung gibt, um Daten der Anlage schnell übermitteln zu können. Es gab vom Wupperverband aber keine Bereitschaft, diese mit uns Anwohnern zu teilen. Auch der Versuch, über einen der großen Versorger auf eigene Kosten eine schnellere Leitung legen zu lassen, ist gescheitert, da hier der Hausanschluss erneuert werden müsste und dafür bräuchte es laut  Anbieter einen Auftrag vom Vermieter, dem Wupperverband.“

Bleibt noch das Fernsehen, um an die neuesten Nachrichten aus aller Welt zu kommen. „Leider gibt es keine Möglichkeit, uns an Kabelnetz anzuschließen. So hat jeder Bewohner eine Satellitenschüssel auf dem Balkon. Aber bei schlechtem Wetter wie starkem Regen oder bei einem Gewitter kann die Satellitenschüssel in der Muldenlage nichts empfangen. Für einen Kabelanschluss sind wir leider zu wenige Anwohner, das scheint sich nicht für die großen Anbieter zu lohnen“, ärgert sich der Anwohner.

Vom Wupperverband gibt es auf Nachfrage der WZ die folgende schriftliche Stellungnahme: „Zum Thema TV-Anschluss wurde uns mitgeteilt, dass eine Anbindung an Kabel-TV für die weit abgelegene Siedlung nicht möglich ist. Deshalb kommen hier Sat-Anlagen zum Einsatz. Über den Mietvertrag ist geregelt, dass die Mieter hier jeweils selbst mit den Sat-Anbietern den Vertrag abschließen, so können Sie einen Sat-Anbieter ihrer Wahl aussuchen.“ Auch bei einem Bandbreitenausbau über DSL/VDSL habe der Netzbetreiber mitgeteilt, dass hier kein Ausbau geplant sei.

Was eine Mobilfunkantenne im Umfeld betrifft, heißt es: „Aus wirtschaftlichen Gründen lässt sich dies nicht umsetzen, die Anzahl der Verträge im Einzugsgebiet steht nicht im Verhältnis zu den Kosten.“ Ergänzend schreibt der Wupperverband: „Die Anbindung an die Infrastruktur bei weit abgelegenen Orten oder dünn besiedelten Flächen ist sicher nicht nur ein Thema, das die besagten Wohngebäude betrifft.“ Es müsste nachgefragt werden, inwieweit Netzanbieter vor dem Hintergrund von Corona ihre Netzausbaupläne anpassen beziehungsweise ob der Staat   wegen Corona solche Maßnahmen fördert.