Das Wuppertaler Kult-Lokal „Mad Dog“ schließt

Gastronomie : Das Wuppertaler Kult-Lokal „Mad Dog“ schließt

Am 31. August gibt es eine Abschlussparty. Die WZ blickt zurück auf 19 verrückte Jahre.

Nein, der amerikanische Cop, der 19 Jahre lang übers „Mad Dog“ gewacht hat, ist nicht zu verkaufen. „Der Polizist kommt bei uns ins Wohnzimmer“, sagt Anja Spiecker, die zusammen mit Inhaber Thomas Lutz zuletzt das kultige Diner an der Hahnerberger Straße geführt hat. Die Nachricht, dass nach fast zwei Jahrzehnten Schluss ist mit dem „Mad Dog“, das sich durch seine ausgefallene Deko und den familiären Umgang mit den Stammgästen ausgezeichnet hat, schlug am Montag bei Facebook wie eine Bombe ein. Anja Spiecker ist überwältigt, wie viele Menschen dem „Mad Dog“ nachtrauern, das sich am 31. August mit einer großen Party verabschieden wird.

Die Geschichte des „Mad Dog“ ist, wie seine Besitzer, ein wenig chaotisch - aber genau das hat immer den Charme ausgemacht. Im Jahr 2000 eröffnete Jens Krefting, bester Freund des heutigen Inhabers Thomas Lutz, das Diner. „Jens war mit ein paar Kumpels in Amerika in so einem Laden und sagte: , Geil, das mache ich in Wuppertal auch’“, berichtet Lutz. Dass das wirklich funktionieren würde, habe damals keiner geglaubt.

2012 übernahm dann Thomas Lutz für seinen Freund das Ruder im „Mad Dog“, weil dieser Privatinsolvenz anmelden musste. „Da wurde ich dann vom Türsteher zum Inhaber“, sagt Lutz. Eigentlich sei der Deal so gedacht gewesen, dass sich Krefting weiter im Hintergrund um das Lokal kümmert - doch wenige Monate nach der Übernahme wurde der beliebte Gastronom tot in seiner Wohnung aufgefunden.

Thomas Lutz achtete penibel darauf, bloß nichts am „Mad Dog“ zu ändern. Die Kabel an der Decke, die abgeblätterte Farbe an den Wänden, der in die Jahre gekommene Fußboden - alles musste genau so bleiben, berichtet der 50-Jährige. Das musste auch Anja Spiecker lernen, die seit vier Jahren ihren Thomas unterstützt. „Ich wollte hier mal neu streichen. Da bin ich von den Stammgästen richtig niedergemacht worden.“

Das „Mad Dog“ blieb das „Mad Dog“ - eigenwillig. Thomas Lutz lacht: „Wir haben über die Jahre eigentlich nie eine Linie reinbekommen.“ Doch die Mischung gefiel den Leuten. Im „Mad Dog“ konnte alles mögliche passieren: von der Schlager-Party über das Whiskey-Tasting bis hin zur legendären Kunst-Schnee-Party bei 38 Grad im Sommer.

Anja Spiecker plaudert aus dem Nähkästchen: „Den Geschäftssinn hatte Thomas nicht.“ Sie habe den Laden im Hintergrund geschmissen  - oft an 18-Stunden-Tagen - und Lutz habe die Gäste unterhalten. Und von den humorigen Begebenheiten, die das „Mad Dog“ erlebt hat, können die beiden zu Hauf erzählen. Der Hai etwa, der mit seinem Kopf aus der Wand des Lokals zu schießen scheint, sei von Gästen bei einer Party von Rotlicht-Promi Bert Wollersheim gestohlen und ans „Mad Dog“ verschenkt worden. Der „Cop“ war übrigens damals 2000 ein Einweihungsgeschenk und wurde einem Reisebüro in den City-Arkaden abgeschwatzt. Eigentlich war er unverkäuflich - heute ist er für Spiecker und Lutz aus nostalgischen Gründen unbezahlbar.

Die Betreiber fanden kein
ausreichendes Personal mehr

Nun ist nach 19 Jahren Schluss. Anja Spiecker sagt, ihr tue es schon weh, einen Laden aufzugeben, der so gut laufe. Aber: Der Arbeitsaufwand sei zu groß geworden, weil man kein passendes Personal mehr gefunden habe. „Von zehn Mitarbeitern, waren am Schluss noch zwei übrig. Ich bin hier um mein Leben gerannt“, sagt Spiecker, die auch aus gesundheitlichen Gründen aufhören möchte. Mit feuchten Augen sagt sie: „Wenn es keinen Spaß mehr macht, muss man gehen.“ Doch ganz wollen Anja Spiecker und Thomas Lutz den Namen „Mad Dog“ nicht zu den Akten legen. Die Website wird weiter laufen. Warum - das ist noch geheim.

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