Kultur „Das Tal singt“ begeistert von Wuppertal Barmen bis Elberfeld

Wuppertal · Die Kunst des Liedgesangs wird zum großen Publikumserfolg an elf Standorten.

 Rebekah Rota dirigierte das Publikum zur Eröffnung in der Citykirche.

Rebekah Rota dirigierte das Publikum zur Eröffnung in der Citykirche.

Foto: Andreas Fischer

Wuppertal war am Samstag von Gesang erfüllt. Unter dem Motto „Das Tal singt“ wurden an elf Orten von Elberfeld bis Barmen Kunstlieder mit Klavierbegleitung vorgetragen. Die Idee zu diesem Projekt hatte die Wuppertalerin Marlene Baum. Sie liebt das Kunstlied und traf viele junge Menschen, die von dieser besonderen Form des Gesangs ebenso fasziniert sind.

Die Anregung bekam Baum durch ein Festival in München, bei dem an verschiedenen Orten der Stadt Klaviere aufgestellt waren und Duos musizierten. „Das wäre etwas für Wuppertal“, dachte sie, und sprach Spielstätten an. Klaviere ins Freie zu stellen, erschien ihr zu riskant, zu kompliziert und zu teuer. „Die Bereitschaft, Räume für das Projekt zu öffnen, war überwältigend groß“, sagt die Initiatorin. Ebenso groß waren die spontane Begeisterung und das Engagement der ausbildenden Institutionen, bei denen sie um Gesangsduos anfragte.

So konnte ihr Wunsch, jungen Musikern Auftrittsmöglichkeiten zu geben, das Publikum durch kleine Kostproben neugierig zu machen und die menschliche Stimme als besonderes Geschenk der Natur zu erleben, realisiert werden. Zwischen 12 und 15 Uhr ließen 23 Duos schönste Kunstlieder erklingen. In der Citykirche machte der junge Bariton Joram Neumann mit Liedern von Robert Schumann und eigenen Liedkompositionen den Anfang. Bassja Leidmann und Farnoosh Rahimi begeisterten solistisch und mit Duetten das Publikum mit Liedern von Rachmaninow, Britten und anderen. Pianist Igor Parfenov begleitete alle drei grandios.

Zum Auftakt brachte Opernintendantin Rebekah Rota die Besucher in der Citykirche zum Singen und sorgte so für dreistimmigen Wohlklang. Dann referierte sie kurz über das Universum der menschlichen Stimme und ermutigte alle Anwesenden, sich auf das Zuhören zu besinnen. Rota hatte auch die Mitwirkung des Kinder- und Jugendchores der Wuppertaler Bühnen angeregt. Unter Leitung von Eva Caspari sangen die Opernclub Kids in der Sophienkirche Lieder von Schubert und Beethoven. Mit dem Lied der Kuchenkinder aus Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ gaben sie zudem einen Ausblick auf die kommende Spielzeit.

Der Opernclub Jugend präsentierte als Chor und solistisch Lieder von Mozart, Mendelssohn, Dvorak und Schumann auf beeindruckend hohem Niveau. „Wir haben das ganze Spektrum abgedeckt“, freute sich Marlene Baum. Kinder, Jugendliche, Studenten von Universität und Musikhochschule sowie Profi-Musiker waren vertreten. „Die Vertonung eines Gedichtes für Sologesang mit Klavierbegleitung stellt höchste Ansprüche an Interpreten und Zuhörer. Jedes noch so kleine Lied ist eine ganze Oper im Miniaturformat“, erklärte Marlene Baum einleitend.

Tanja Tismar begleitete einfühlsam

Alle Konzerte zu besuchen, war bei dem vielfältigen Angebot nicht möglich. Wer wollte, stellte sich eine eigene musikalische Promenade zusammen oder besuchte spontan ein paar der gut 20-minütigen Konzerte. Im Von der Heydt-Museum sang die Mezzosopranistin Juliane Wenzel Lieder aus Zyklen von Brahms und Schubert. Katharina Greiß vom Opernchor ließ sieben leidenschaftliche spanische Canciones erklingen. Einfühlsam begleitet wurden beide von Tanja Tismar.

Das jüngste Lied-Duo – beide 16 Jahre alt – trat in der Hochschule für Musik (HfMT) in Barmen auf. Leonor Henriques Dias mit schönem jugendlichen Sopran und Miraslawa Deodati (Klavier) präsentierten in tadellosem Zusammenspiel fünf Lieder von Komponistinnen. Das letzte Konzert des Tages präsentierten die Kurrendaner Gerrit Schneider, Georg Jacob und Joram Neumann. Als Countertenor sang Gerrit (20) Lieder von 1600 bis heute und beeindruckte mit gut geführter, hoher Stimme. Georg (18) und Joram (20) sangen Lieder aus Schuberts „Winterreise“. Mit klangschönem Gesang und souveräner Liedbegleitung wechselten sie einander immer wieder ab. „Das Tal singt“ war insgesamt ein erfolgreiches tolles Projekt, das Besuchern und Mitwirkenden viel Freude bereitet hat. Das ruft nach einer Wiederholung.