Das Stadion am Zoo in Wuppertal - die ewige Baustelle

90 Jahre in Wuppertal : Das Stadion am Zoo - die ewige Baustelle

Die Elberfelder bauten die Arena 1924. Aktuell ist wieder ein Umbau geplant.

Die ewige Baustelle – so lässt sich im Rückblick auf 90 Wuppertaler Jahre die Geschichte des Stadions am Zoo in wenigen Worten zusammenfassen. Am Montag hat der Rat der Stadt den Beschluss zur Entwicklung des Stadions am Zoo mit einer Ausschreibung des städtischen Grundstückes Boettingerweg gefasst. Ziel ist es, ein Parkhaus auf der Fläche am Boettingerweg zu bauen und innerhalb oder am Rand der Gegengeraden ein oder mehrere multifunktional nutzbare Gebäude zu errichten.

Das Stadion am Zoo ist 95 Jahre alt und damit vier Jahre älter als die Stadt Wuppertal. Das von April 1924 bis Oktober 1924 in einem heutzutage unvorstellbaren Tempo umgesetzte Projekt der Elberfelder Stadtväter lief dem 1909 erbauten Barmer Stadion auf Lichtenplatz als multifunktionell nutzbare „Großkampftstätte“ schon vor der Stadtgründung den Rang ab. Für die Barmer, Elberfelder, Ronsdorfer, Cronenberger oder Langerfelder wurde das Stadion am Zoo schnell zu einem Ort, an dem sich alle Menschen aus den verschiedenen Stadtteilen als Wuppertaler fühlten.

Einen großen Beitrag dazu leistete ab 1954 der Wuppertaler SV, der von seiner Gründung an über Jahrzehnte in den höchsten deutschen Fußball-Ligen vertreten war. Das Stadion am Zoo war aber zunächst kein reines Fußballstadion. Die Optik wurde durch die 500 Meter lange Radrennbahn und die Stadion-Gaststätte bestimmt, die heute Sitz des Sport- und Bäderamtes ist. Die Bahn war Austragungsort von Steherrennen und Rekordversuchen, bei denen Walter Lohmann 1955 im Windschatten eines Motorrades mit 96 Kilometern einen fabelhaften Stundenrekord aufstellte. Auf der Aschenbahn und im Innenraum fanden die internationalen Abendsportfeste des Barmer TV statt, ebenfalls mit Weltrekordlern und Top-Athleten wie Wilma Rudolph, Heide Rosendahl oder Martin Lauer. Inzwischen wird das Stadion am Zoo als reines Fußball-Stadion genutzt, der Wuppertaler SV ist der einzige Mieter. Stück für Stück wurden Radrennbahn und Aschenbahn zurückgebaut. Doch im Gegensatz zur Rekordbauzeit im Jahr 1924 ist das ein Prozess, der sich über Jahrzehnte hinzieht.

1,5 Millionen Reichsmark kostete der Bau des Stadions, das auf einer ehemaligen Kippe der Farbenindustrie errichtet wurde. Was die Elberfelder Erbauer an Kosten für die Beseitigung der Altlasten einsparten, kam die Stadt Wuppertal später teuer zu stehen. Das Erbe schlummert bis heute unter dem Rasen, reicht aber nicht als Entschuldigung aus, dass die Stadt über Jahrzehnte das Stadion vergammeln ließ. Der Niedergang der Arena erfolgte in Etappen: Weil sich auf dem Beton der Radrennbahn Risse bildeten, war das Oval in den späten 1950er Jahren nicht mehr befahrbar. Die Aschenbahn wurde nicht durch eine Tartanbahn ersetzt. 1983 ließ die Stadt das Stadion auf die Denkmalliste setzen, um Fördermittel für die dringend benötigte Sanierung der Haupttribüne abzugreifen. Ein Eigentor: Noch bevor der jahrelange Planungsprozess für den Neubau des Stadions abgeschlossen war, gaben die morschen Mauern des Stadiongebäudes nach und die Tribüne musste wegen Einsturzgefahr gesperrt und später abgerissen werden. Seine bisher beiden letzten Spielzeiten in der 2. Liga absolvierte der Wuppertaler SV 1992 bis 1994 fast komplett auf einer Großbaustelle.

Ursprünglich sollte das vom Rat bereitgestellte Geld für den Umbau des kompletten Stadions reichen. Doch die Denkmalbehörde setzte unter anderem den Erhalt der historischen Schildwand durch, die über eine aufwändige und kostspielige Pfahlgründung gerettet werden konnte. Obwohl sich die Baukosten auf rund 32 Millionen Mark verdoppelten, reichte das Geld dann nur für die Haupttribüne und einige Schönheitsmaßnahmen auf der Gegengeraden aus. Sein vorerst letztes Auswärtsspiel in der 2. Liga bestritt der Wuppertaler SV in Mannheim, wo man kurz zuvor zum Preis von 26 Millionen Mark ein komplett neues Fußballstadion eingeweiht hatte.

Seit dem Bau der Haupttribüne wurde das Stadion nur noch mit einem geringen finanziellen Sanierungsaufwand funktionstüchtig erhalten. Die Aschenbahn ist inzwischen komplett zurückgebaut worden, der frühere Verlauf der Radrennbahn nach dem Einbau der Stehtribünen hinter den Toren nur noch zu erahnen. Auswärtige Besucher und auch viele Wuppertaler wissen dennoch den Reiz des Stadions am Zoo zu schätzen. Im Gegensatz zu vielen uniformen Arenen ist das Stadion am Zoo am Fuße des Grünen Zoos ein Unikat und längst ein Wahrzeichen der Stadt.

Den Erhalt des Stadions am Zoo lässt sich die Stadt pro Jahr rund zwei Millionen Euro kosten. Geld für einen Umbau ist nicht vorhanden, daher setzt die Stadtspitze nun auf die Ausschreibung am Boettingerweg und auf private Investoren, die neue Impulse geben sollen. Der Erlös aus dem Verkauf oder der Verpachtung des Grundstücks am Boettingerweg soll vom Gebäudemanagement (GMW) in den Ausbau der Gegengeraden gesteckt werden. So wie 2007 beim Bau der Stehtribünen, als Beschäftigte des zweiten Arbeitsmarktes kostengünstig eingesetzt wurden. Der Ausbau der Gegengeraden wäre ein weiterer Schritt hin zum reinen Fußballstadion. Alles weitere hängt vom Ausgang der Ausschreibung und den Plänen der Investoren ab. Drei Interessenten sollen es inzwischen sein, die Ideen für ein Parkhaus, ein Hotel, für Büro- und Konferenzräume, einen Kindergarten oder ähnliches mehr am Boettingerweg haben. Es wäre ein neues Kapitel in der Geschichte des Stadions, das wegen seiner vielseitigen Nutzbarkeit einst Maßstäbe setzte und wo sich bei Spielen des WSV bis zu 40 000 Zuschauer nicht als Elberfelder, Barmer oder Ronsdorfer, sondern als Wuppertaler fühlten.

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