Nachhaltigkeit: Das Problem mit den Kaffeebechern

Nachhaltigkeit : Das Problem mit den Kaffeebechern

Die Pfandbecher für Kaffee stoßen auf geteilte Reaktionen. Trotzdem wollen Bäcker und Cafés die Einweggefäße nicht mehr.

Das Milia’s Coffee am Kirchplatz ist unzufrieden mit den Pfandbechern für den Unterwegs-Kaffee, die es seit rund zwei Jahren in Wuppertal gibt. Denn sie werden kaum genutzt. Bei Facebook haben die Betreiber eine Umfrage unter Kunden gestartet, um zu ergründen, warum es mit den Mehrwegbechern nicht so gut läuft.

Das ist insofern über das Café hinaus interessant, als nicht nur elf Cafés und Bäcker die Mehrwegbecher der Firma Cup4Cup aus Düsseldorf nutzen, sondern auch gerade die Bäcker- und Konditorengenossenschaft Bäko aus Velbert mit der Bäckerei-Innung ein neues Bechersystem hier eingeführt hat – mit 150 angeschlossenen Bäckerei-Filialen.

Imke Fleischhauer von Milia’s sieht mehrere Probleme mit den Pfandbechern. Einerseits wollten viele Kunden nicht den Becher mit sich herumschleppen. Andererseits hätten viele auch einen eigenen Becher dabei - was eigentlich noch besser sei als Mehrwegbecher zu kaufen. Dazu sieht sie ein Problem in der geringen Verbreitung der Becher. „Die Stadt ist nicht dabei, die Uni ist nicht dabei“, zählt sie auf, wer ihrer Meinung nach mitmachen sollte - weil von dort Infrastruktur oder viel Kundschaft komme. „Wenn die Uni dabei wäre, wäre es einfacher“, sagt sie. Sie meint den Weg weg von Einwegbechern für den Kaffee unterwegs.

Es kaufen immer noch viele Kunden Kaffee im Einwegbecher

Auch Detlef Myska von der Bäckerei Myska, die die Becher von Cup4Cup herausgibt, sagt, es seien schon viele Becher im Umlauf. Aber es laufe nicht so gut, wie man das denke, gibt er zu. Es würden immer noch mehr Einwegbecher herausgegeben als Mehrwegbecher. Aber: Die Stammkunden nutzten die Pfandbecher. Trotzdem gebe es eben das Problem, dass die Leute „nicht wissen, wohin mit den schmutzigen Bechern“, gibt Myska zu bedenken. Der Einwegbecher sei leichter loszuwerden.

Trotz solcher Rückmeldungen hat sich Dirk Polick, Obermeister der Bäcker-Innung Wuppertal, für den „Meer-Wert-Becher“ der Bäko eingesetzt. Die Genossenschaft hat vor den Ferien rund 150 Bäckereifilialen im Bergischen Land an ihr Pfandsystem angeschlossen – also Bäckereien mit Bechern versorgt. Bäko-Geschäftsleiter Jörg Warnke sagt, es gebe sehr unterschiedliche Rückmeldungen, was die Austauschquote angehe, je nach Filiale, Einsatz der Mitarbeiter und Kundenstamm. Aber das sei auch normal, solange es kein Verbot der Einwegbecher gebe. Solange sei es harte Arbeit und Erziehung, die Verbraucher immer wieder zu erinnern, die nachhaltigere Alternative zu wählen. Der Kunde ist eben bequem.

Die Auswahl ist ein Teil des Problems, ein Grund für den mäßigen Erfolg der Pfandbecher. Das sagen jedenfalls auch einige der Kunden von Milia’s in der Online-Umfrage bei Facebook. Das sagen eigentlich auch Imke Fleischhauer und Detlef Myska. Sie wollen beide am liebsten die Einwegbecher loswerden – oder zumindest Geld dafür nehmen, so Myska. Bisher trauen sie sich aber nicht so recht.

Auch Polick möchte gerne die Einwegbecher aus dem Sortiment werfen. Er will damit noch warten und die Zahlen auswerten – und im Zweifel in Kauf nehmen, auch einige Kunden zu verlieren.

Dass der mäßige Erfolg der Becher indes mit zu wenigen Teilnehmern am System oder gar den unterschiedlichen Systemen zu tun habe, weist Jörg Warnke zurück. 95 Prozent der Becher liefen dahin zurück, woher sie gekommen sind. Die Kunden blieben dem Kaffee treu, sie folgten nicht den Bechern, sagt er.

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