Das lukrative Geschäft mit der Gesundheit

Das lukrative Geschäft mit der Gesundheit

Gewichte stemmen und Pilateskurse liegen im Trend: Am Kolk gibt es bald das vierte Fitnessstudio auf 50 Metern.

Wie viele Fitnessstudios braucht Wuppertal? Ein weiteres kommt jetzt zumindest im alten Postgebäude am Kolk hinzu. Die anstehende Ansiedlung des Fitnessstudios sorgt für Kritik bei den kleineren Konkurrenten in der Stadt. „Es ist nicht notwendig, dass es in 50 Metern Luftlinie vier Studios gibt“, schimpft Thomas Mitsarakis, Geschäftsführer des Sportforums am Hofkamp. Insgesamt gebe es mittlerweile rund 40 Fitnessstudios in der Stadt, „das ist nicht zu begreifen“, ergänzt Andreas Bachem, Inhaber des Sportstudios Impuls an der Märkischen Straße in Barmen. Als er sein Studio vor 30 Jahren gegründet habe, seien es vielleicht fünf gewesen. „Wuppertal ist ein heiß umkämpfter Markt in Deutschland“, so Thomas Mitsarakis.

Doch ist die große Anzahl an Studios in Wuppertal vielleicht nur Ausdruck des Fitnessbooms in ganz Deutschland? Die Zahlen des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV) zeigen jedenfalls, dass Gewichte stemmen, Laufbandlaufen und Pilateskurse voll im Trend liegen. Von rund 5600 auf über 8600 ist die Zahl der Fitnessanlagen in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, davon 1900 in Nordrhein-Westfalen. Mehr als zehn Millionen Menschen sind Mitglied in einem Sportstudio, davon allein in NRW 2,25 Millionen Menschen. Die Branche ist bundesweit mittlerweile über 5 Milliarden Euro schwer. Viel Geld, um das die Konkurrenten hart kämpfen. Auch in Wuppertal.

„Es findet eine große Verdrängung durch große Anbieter statt und die kleineren leiden darunter“, kritisiert Thomas Mitsarakis. Die Zahlen des DSSV zeigen, dass die durchschnittliche Größe der Fitnessstudios deutschlandweit steigt. Bei der Verdrängung sei der Preis der Hauptfaktor, so Mitsarakis. Viele große Studioketten böten mittlerweile Verträge mit Monatsbeiträgen von 20 Euro an. „Qualität, zum Beispiel Betreuung durch Ärzte und Physiotherapeuten, kann ich so nicht anbieten“, sagt Mitsarakis. Außerdem könnten Ketten in viel größeren Mengen Geräte einkaufen und so die Preise weiter drücken.

Andreas Bachem hat das Spiel eine Zeit lang mitgemacht. „Seit 2003 habe ich die Preise nicht mehr erhöht, das ist eigentlich Harakiri“, sagt er. Gleichzeitig werde bei großen Anbietern häufig zu wenig auf die Trainingsqualität geachtet, ergänzt Thomas Mitsarakis. „Zu uns kommen oft Menschen, die sich durch falsches Training den Rücken kaputtgemacht haben“, sagt er. Deshalb setzt er darauf, von den Krankenkassen zertifiziert zu sein und Prävention und Reha-Sport anzubieten. Außerdem kann er sich auf einen über vier Jahrzehnte gewachsenen Kundenstamm verlassen. Trotz hoher Austrittszahlen infolge der B7-Sperrung habe er die Mitgliederzahlen konstant halten können.

Andreas Bachem ist das nicht gelungen, obwohl auch er zahlreiche Stammkunden hat. Bachem hat sein Fitnessstudio verkauft und hört in wenigen Tagen auf. „Ich habe auf diesen Preiskampf keine Lust mehr“, sagt der 58-Jährige. Die Zukunft des Fitnessstudiomarktes in Wuppertal ist für ihn schon vorgezeichnet: „Die persönlichen, inhabergeführten Studios wird nach und nach das gleiche Schicksal ereilen wie mich.“

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