Das Freibad Vohwinkel bracht alle Rekorde. Das war Fluch und Segen zugleich.

Freibad : Ehrenamtler stießen an Grenzen

Das Freibad Vohwinkel bracht alle Rekorde. Das war Fluch und Segen zugleich.

Sei vorsichtig, was du dir wünschst, heißt es in einem englischen Sprichwort. Es könnte wahr werden. Ein wenig trifft diese Weisheit auch auf den harten Kern der ehrenamtlichen Helfer im Freibad Vohwinkel zu. Nach einer bombastischen Saison sind die Mitglieder des Fördervereins natürlich erst einmal überglücklich und freuen sich über die rekordverdächtigen Besucherzahlen. Rund 20 000 Badegäste nutzten in diesem Sommer die beliebte Einrichtung an der Gräfrather Straße. Ein solches Ergebnis gab es schon seit 15 Jahren nicht mehr. Damit ist der Weiterbetrieb laut Vorstand auf jeden Fall in der nächsten Saison und mit großer Wahrscheinlichkeit auch für 2020 gesichert.

Die extreme Dauerhitze war für alle Beteiligten im Verein allerdings auch ein riesiger Kraftakt. Angesichts von über Wochen anhaltenden Temperaturen weit über der 30 Grad Marke ging der Einsatz bei ihnen an die Substanz. In den letzten Jahren hatten sich die Ehrenamtler immer wieder möglichst viele Sonnentage für das Freibad gewünscht. Dass dies nun mehr als erfüllt wurde, erwies sich zugleich als Fluch und Segen.

„Am Ende sind wir wirklich auf dem Zahnfleisch gegangen, weil es keine Atempause gab“, berichtet Fördervereinsvorsitzender Stephan Pott. Das bestätigt auch Vorstandskollege Sven Berge. „Es war schon hart und wir sind wirklich an unsere Grenzen gekommen“, betont er. Etwa zehn Helfer teilen sich im Schnitt die Arbeit auf dem Gelände und an den Kassen. Gerade für die etwas älteren Mitglieder habe das tropische Klima eine Herausforderung bedeutet. „Wir müssen jetzt erstmal durchschnaufen“, sagt Stephan Pott.

Daher kam es für ihn und seine Mitstreiter nach dem offiziellen Saisonende am 31. August auch nicht in Frage, das Freibad bei den zuletzt erneut heißen Tagen noch einmal zu öffnen. „Außerdem war der Vertrag für unseren Schwimmmeister bereits ausgelaufen“, stellt Pott klar.

Untätig bleibt der Verein allerdings weiterhin nicht. Die Helfer nutzen den schönen Spätsommer für dringend erforderliche Reparaturarbeiten. Unter anderem muss das undichte Babybecken wieder in Schuss gebracht werden. Das erfordert umfangreiche Ausschachtungsarbeiten. Der Aufwand soll sich aber lohnen, denn so können künftig etliche tausend Liter Wasser gespart werden. Bei der nächsten Hitzewelle wäre das ein großer Vorteil. Immerhin war die sonst im Überfluss sprudelnde Quelle des Freibads durch die sengende Sonne kurz davor zu versiegen. „Wir mussten einiges an Stadtwasser zuleiten“, erläutert Stephan Pott. Insgesamt stieg die Temperatur im sonst angenehm kühlen Becken auf über 26 Grad. „Das war absoluter Rekord“, berichtet Sven Berge. Durch diese extremen Bedingungen machte die Chlorautomatik nicht mehr mit und musste manuell nachgesteuert werden.

Am Ende konnten die ehrenamtlichen Helfer aber alle Widrigkeiten meistern. „Wir sind sehr stolz auf diese Leistung und möchten uns bei allen Helfern und Unterstützern bedanken“, betont Stephan Pott. Der Verein kann die zusätzlichen Einnahmen des Sommers gut gebrauchen. Neben dem Babybecken stehen weitere Arbeiten an den Zuleitungen zum Technikhaus und an der Filteranlage an. Diese müssen zum Teil an Fachfirmen vergeben werden. „Das wird uns rund 10 000 Euro kosten“, sagt der Vorsitzende.

Der Verein überlebt
ohne Mittel von der Stadt

Das Geld muss der Verein allein durch die Einnahmen aus Eintritt, Veranstaltungen und Spenden aufbringen. Seit fünf Jahren gibt es für die Unterhaltung keinerlei Mittel durch die Stadt. Jetzt wird das Bad erst einmal fit für den Winter gemacht werden. Unter anderem steht dabei das Schneiden der Hecken an. Für den Förderverein gilt die Devise: Nach der Saison ist vor der Saison.

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