„Das eigene internationale Profil muss geschärft werden“

„Das eigene internationale Profil muss geschärft werden“

Bergische Kooperation macht für Museumschef Gerhard Finckh keinen Sinn.

Die Museen des Bergischen Städtedreiecks sollen enger zusammenarbeiten. So jedenfalls bestimmte es ein erster Workshop, der letzte Woche unter Leitung von Prof. Dr. Oliver Scheytt stattfand (wir berichteten). Bewusst nicht mit dabei war Gerhard Finckh, Direktor des Von der Heydt-Museums, der in der angestrebten Kooperation keinen Sinn sieht. Im Gespräch mit der WZ erklärt er, warum und plädiert für mehr Unterstützung seines Museums durch die Stadt.

Foto: A. Fischer

Was unterscheidet die Museen im Bergischen und das Von der Heydt-Museum?

Finckh: Das Bergische Land hat sich als Zentrum für Wander- und Radtouristik vermarktet. Das macht auch Sinn. Es ist ein wunderschönes Land, ein Erholungsgebiet. Wenn man so unterwegs ist, auf ein Denkmal der Industriegeschichte stößt und einkehrt, ist das prima. Aber es ist etwas ganz Anderes, wenn sich jemand für das Von der Heydt-Museum in Wuppertal interessiert. Wuppertal ist eine Großstadt, das Museum als internationales Museum angelegt. Schon dem Gründer von der Heydt ging es nicht um die Region, sondern um seine Stadt und die internationale Avantgarde.

Was zeichnet die Marke Von der Heydt-Museum aus?

Finckh: Die Stadt Wuppertal spricht vom Von der Heydt-Museum als einem ihrer Leuchttürme. Leuchttürme strahlen über den Nebel, der über den Tälern des Bergischen Landes manchmal liegt, hinaus. Das ist ihre Aufgabe.

Welche Partner passen zum Von der Heydt-Museum?

Finckh: Wir leben in einer Gesellschaft der Singularitäten. Es genügt nicht, dass irgendwelche Museen zusammenfinden und miteinander arbeiten. Ein Museum wie das Von der Heydt muss sein eigenes, internationales Profil schärfen. Unsere geborenen Partner sind die großen Museen in Paris, London, New York. Mit ihnen arbeiten wir zusammen, realisieren durch Leihgaben große, internationale Ausstellungen. Ich schätze die Kollegen in den Bergischen Museen sehr, sie haben aber andere Ausrichtungen und Zielgruppen.

Wer besucht das Von der Heydt-Museum?

Finckh: Unsere Besucher kommen auch aus der Nähe, sind aber vor allem international. Sie kommen wegen Renoir, Monet, Manet und den anderen. Und wenn sie dann in Wuppertal sind, umso besser.

Was sind die Alleinstellungsmerkmale Ihres Museums?

Finckh: Unsere Ausstellungen haben einen eigenen Charakter, durch die Einführungsfilme, die große Beschriftung über den Bildern und die Führungen in allen möglichen Sprachen. Allein bei der Manet-Ausstellung haben wir schon mehr als 2000 Gruppenführungen organisiert — deutlich mehr als bei anderen Museen mit ihren unpersönlichen Audioguides. Wir sprechen die Menschen direkt an, im günstigsten Fall wird über die Bilder in der Führungsgruppe diskutiert. Das Museum als Ort des lebendigen Austauschs. Damit sind wir auf dem Stand der Zeit, haben ein eigenes Format, das die Menschen anzieht, das wir nicht teilen können.

Welche Sorge haben Sie?

Finckh: Wenn wir das tun, was Herr Scheytt vorschlägt, stecken wir viel Zeit und Aufwand in Museumsmodelle, die nicht zu uns passen, die uns nichts nützen, für die wir aber auch nichts leisten können. Sein Ansatz bleibt weit hinter wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit zurück. Wir müssen singulär bleiben.

Welche Bedeutung hat Ihr Museum für Wuppertal?

Finckh: Mit unserer einzigartigen Serie impressionistischer Ausstellungen haben wir weit über eine Million Menschen nach Wuppertal geholt, nicht ins Bergische Land. Wir tun etwas für unsere Stadt. Unsere Besucher generieren Gewinne für Wuppertal. Wir sind das Wuppertaler Museum und so werden wir wahrgenommen.

Was wünschen Sie sich von der Stadt Wuppertal?

Finckh: Wuppertal sollte seine Leuchttürme stärken. Mit Geld und Personal. Die Stadt hat vor ungefähr zehn Jahren den gravierenden Fehler gemacht, unseren Personalbestand von 30 auf 19 Stellen runterzukürzen. Ein Riesenproblem für uns. Der größte Teil unserer Anstrengungen wird seitdem von privater Seite geleistet. Ich hoffe, dass sich die Stadt bei der Neuauflage des Kooperationsvertrages zwischen ihr und der gGmbH wieder stärker im Museum engagiert. Die Leuchttürme selbst — Pina Bausch, Tony Cragg, Stadthalle, Wuppertaler Bühnen und wir — werben gemeinsam auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin für sich und die wunderbare Stadt Wuppertal. Nicht das Stadtmarketing. Stattdessen wird Geld für die Kulturkooperative mit dem Bergischen Land ausgegeben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das unseren Mäzenen und Sponsoren gefällt und glaube, es wäre im Von der Heydt besser angelegt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung