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Das Abitur - ein teurer Abschluss

Das Abitur - ein teurer Abschluss

Für eine Feier im festlichen Ambiente müssen rund 30 000 Euro für Saalmiete und Catering zusammenkommen.

In festlicher Kleidung ziehen die Abiturienten in den Saal ein, begleitet von pompöser Musik. Heimlich wischen sich die Eltern ein Tränchen aus dem Auge und blicken stolz auf den Nachwuchs. Geschafft. Acht oder neun Jahre Büffeln - oft unter Beanspruchung der Nerven der ganzen Familie - haben sich gelohnt. Die jungen Menschen erhalten ihr Abiturzeugnis, das ihnen den Zutritt zu allen Studien erlaubt.

Bis der festliche Moment kommt, haben die Oberstufenschüler jedoch viel Arbeit. Wo soll gefeiert werden? Mit was für Essen, welcher Musik, welchen Programmpunkten? Und vor allem: Wie kommt das Geld dafür zusammen? Das gilt vor allem für die Schulen, die das Zeugnis in der Schule übergeben und deren Abiball komplett von den Schülern veranstaltet wird.

Die Kosten sind beträchtlich: „Der große Saal kostet rund 8000 bis 12 000 Euro für den Abend inklusive Technik und Sicherheitspersonal“, erklärt Nina Plath, die in der Stadthalle die Schüler betreut. Dazu kommen 300 bis 1000 Euro Gema-Gebühren sowie eine Veranstalter-Haftpflicht-Versicherung. Wenn der Förderverein einer Schule den Saal bucht, wird es etwas billiger, weil gemeinnützige Vereine laut politischer Vorgabe günstigere Konditionen bekommen.

Außerdem muss noch das Essen auf den Preis für die Eintrittskarten geschlagen werden: Die Culinaria, der Caterer der Stadthalle, verlangt zwischen 27 und 31 Euro pro Person fürs Büfett. „Das sollte im Kartenpreis enthalten sein, damit Culinaria planen kann“, erklärt Nina Plath.

Insgesamt werden die Kosten pro Karte umso geringer, je mehr Menschen mitfeiern. Diese liegen jedoch in allen großen Wuppertaler Feier-Locations bei über 40 Euro. Bei einer Feier für 600 bis 800 Personen entstehen so Kosten von an die 30 000 Euro. Und für diese müssen Schüler unterschreiben, die gerade 18 Jahre alt geworden sind, mitten im Abitur stecken und die vielen Wünsche ihrer Mitschüler unter einen Hut bringen müssen.

„Die Schüler werden immer jünger - und wir beginnen jedes Jahr von vorne“, erzählt Plath. Um den Schülern die Organisation zu erleichtern, stellt sie ihnen Ablauf- und Organisationspläne zur Verfügung und veranstaltet jedes Jahr im Oktober einen zweistündigen Workshop. „Da sind auch Schüler aus der neunten oder zehnten Klasse willkommen.“

Denn nur, wer frühzeitig mit dem Geldsammeln anfängt, kann diese große Summe zusammenbekommen. In der Vergangenheit passierte es schon, dass an Gymnasien einzelne Schüler und deren Familien auf vierstelligen Summen für den Abiball sitzen blieben - etwa, wenn zu wenig Karten verkauft wurden oder nicht alle Fotos Abnehmer fanden.

Zu den Kosten für den Abiturball kommen Kosten für die Kleidung, Friseur, Make-up und einen professionellen Fotografen. Die meisten Schüler wollen nach der offiziellen Feier mit Eltern und Verwandten auch nicht Schluss machen. Üblicherweise buchen die Abiturienten für danach noch eine andere Location, etwa einen Club, wo sie bis in den Morgen tanzen können.

Dazu braucht es nach Meinung der meisten Abiturienten ein weiteres Outfit, und für eine getrennte Zeugnisübergabe noch ein anderes. Abi-Shirt, Motto-Woche und Abi-Zeitung wollen auch noch finanziert werden.

Am Gymnasium Vohwinkel engagieren sich die Oberstufenschüler stark, um dieses Geld zusammenzubekommen. „Sie verkaufen in jeder Pause und bei Elternabenden Waffeln, nehmen an Flohmärkten teil und versuchen, Sponsoren zu finden“, erzählt Oberstufenkoordinatorin Heidi Franz.

Rund 30 bis 40 Euro kosten jeweils die Eintrittskarten; den Rest müssen die Schüler selbst zusammen bekommen. Da die Abiturzeugnisse in einer schönen Abendveranstaltung im Pädagogischen Zentrum der Schule übergeben werden, liegt das Ausrichten des Abiballs komplett in der Verantwortung der Schüler.

Ähnlich funktioniert es auch im Gymnasium St. Anna: Nach einem Festgottesdienst werden die Zeugnisse mit feierlicher Musik im Forum überreicht. Die Feier organisieren die Abiturienten, die meistens die Stadthalle buchen.

„Wir bewerten das ambivalent“, sagt der stellvertretende Schulleiter Carsten Finn. „Die Kosten dafür sind sehr hoch - aber es kann auch ein Lerneffekt sein, Verantwortung für die Gruppe zu übernehmen.“ Vier Wuppertaler Schulen haben dieses Jahr die Stadthalle für die Abiturfeier gewählt.

Je mehr Schüler eine Stufe hat, desto besser verteilen sich die Kosten. Kleinere Schulen und Jahrgänge haben es also schwerer. Und arme Familien geraten bei Kosten von mehreren Hundert Euro für die Familie schnell an ihre Grenzen.

Andere Veranstaltungsräume verlangen ähnliche Gebühren wie die Stadthalle. Denn bei 100 bis 200 Abiturienten braucht es einen Raum für 400 bis 800 Menschen — davon gibt es in Wuppertal und Umgebung nur wenige. Und den meisten Familien ist es sehr wichtig, den entscheidenden Lebensabschnitt würdig mit allen Geschwistern und gerne auch mit Oma und Opa zu begehen.