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Butze auf Rädern: Das Abenteuer im Wohnwagen beginnt

Butze auf Rädern : Das Abenteuer im Wohnwagen beginnt

Die Wuppertaler Familie Schekalla hat ihre Wohnung gegen eine „Butze auf Rädern“ getauscht.

Wuppertal. Ich sitze im Schatten einer Pinie, geschützt vor der Abendsonne, die brüllend heiß den Tag verabschiedet. Im Wohnmobil schreien die Kinder und die Frau versucht alles, was in ihrer Macht steht, um für Ruhe zu sorgen. Ich hab es aufgegeben, denn unsere Kinder sind wie ein sprudelnder Fluss an Bedürfnissen, der droht überzulaufen. Selbst auf der kleinen Campingoase in Frankreich verlangen kleine Kinderhände immer nach etwas zum Essen, Trinken oder Unterhaltung.

Sind die Kinder erst einmal versorgt und nahezu glücklich, darf man es wagen, den Tag zu planen oder es in Betracht ziehen, weiterzufahren. Bis sich nach 15 Minuten tatsächlich die Frage aller Fragen unüberhörbar über das Donnern des Fiat legt, ob es denn noch lange dauern würde. In den ersten Tagen kam es mir vor, als würden wir es gar nicht erst über die Grenze schaffen, weil wir mit den Animositäten der Rückbank beschäftigt waren. Ich halte mich an der Vorstellung fest, dass sich alles irgendwie in adäquate Bahnen lenken wird. Von selbst, versteht sich.

Die beiden Anfangswochen haben wir fast komplett rollend verbracht und sind Orten nachgejagt, die ich dachte, als sehenswert vorzufinden. Das hat den Stressfaktor um ein derart vielfaches erhöht, dass wir kurz davor waren, alles abzublasen und kehrt zu machen.

Vielleicht waren meine festgefahrenen Erwartungen das Problem. Oder die 15 Quadratmeter gewöhnungsbedürftig enger Raum. Oder vielleicht auch der doofe Urlaubsmonat August vor dem mich mein Vater schon gewarnt hat. In dem man so gut wie jeden Franzosen an genau den Orten antrifft von denen man annahm, dass sie verlassene Kleinode der Natur sein müssen. In diesen Momenten ist man jeglicher Individualität beraubt, die Butze auf Rädern nur eine von vielen und „rollend durch Land ziehen“ nichts weiter als eine spießige, ausgetragene Idee.

Nur der Gedanke an die Zeitspanne, die wir als Familie länger als der Durchschnittscamper verbringen werden, lässt mich ruhig einschlafen. Das und die nahezu autarke Lebensweise. Wir haben unsere Route schnell unplanmäßig verlassen und sind, um das miese Wetter herum, direkt nach Frankreich gefahren. Die Schweiz haben wir, dank dauerhaftem Starkregen, nicht mal gestreift. Dabei mussten wir oft unsere Pläne über Bord werfen und komplett neue Wege ausfindig machen. Ganz zu schweigen von der Stellplatzsuche, die oft genug am Straßenrand oder in der Walachei endete. Daran haben wir uns gewöhnt, fahren lieber frei Schnauze und stellen uns dahin, wo das Panorama am schönsten ist.

Es ist viel erträglicher nicht genau an Tag X an einem Campingplatz ankommen oder eine bestimmte Strecke zurückgelegt haben zu müssen. Auch wenn ich gern den Mont-Blanc gesehen hätte. Weiter nach Süden haben wir die französischen Alpen ohne Autobahn und Mautstraßen überquert. Nach einigen misslungenen Touristen-Natur-Attraktionen nahmen wir den — mehr oder weniger — direkten Weg zum Mittelmeer.

Trotz alledem fährt sich die Butze butterweich auf allen Untergründen. Sieben Meter zu bewegen, ist ein mächtiges Gefühl. Herauszufinden, dass die Kinder sich mit Serien während der Fahrt ruhig stellen lassen, war eine Offenbarung. Und nach ein paar scharfen Kurven, engen Schluchten und rüttelnden Schotterpisten, die in zwielichtigen Hippie-Kommunen enden, lässt man den Gedanken zu, wirklich ein Abenteuer zu erleben. Unser nächstes Ziel ist Spanien. Dazu nehmen wir die Pyrenäen in Angriff und fahren landeinwärts, um danach zum Atlantik zu gelangen.