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Darum sollte Wuppertal das Parkhaus am Zoo selbst bauen

Analyse : Darum sollte Wuppertal das Parkhaus am Zoo selbst bauen

Analyse Mit dem Verkauf des Grundstücks nähme die Stadt nur einmal Geld ein, mit dem Parkhaus hingegen dauerhaft.

Es ist noch nicht beschlossene Sache. Aber Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) und Stadtkämmerer Johannes Slawig (CDU) sind wild entschlossen, einem Wuppertaler Immobilienentwickler ein städtisches Grundstück am Boettingerweg im Zooviertel zu verkaufen. Der Unternehmer ist brennend interessiert. Er will dort ein Parkhaus errichten. Das käme auch der Stadt entgegen. Denn im Zooviertel herrscht Auto-Ausnahmezustand, wenn der Zoo gut besucht ist und womöglich gleichzeitig der Wuppertaler Sportverein ein Heimspiel in der Fußball-Regionalliga hat. Das Problem ist Jahrzehnte alt. Wer am Zoo wohnt und ein Auto besitzt, aber keinen Stellplatz, der leidet. Insofern ist der Schachzug mit dem Parkhaus allem Anschein nach ein guter.

Aber gilt das auch für die Idee, das Parkhaus von privaten Investoren bauen und betreiben zu lassen? Um diese Frage zu beantworten, sind Rechenspiele notwendig. Zwar hat die Stadt weder Größe noch Preis des Grundstückes benannt, aber von maximal 2,5 Millionen Euro auszugehen, ist angesichts der infrage kommenden Fläche und der Preise für Baugrund in Wuppertal vermutlich nicht zu tief gegriffen. Mit dem Verkaufserlös will die Stadt die Gegengerade des Stadions modernisieren. So steht es im Antrag, der dem Rat am 9. Juli zur Entscheidung vorgelegt werden soll. Es handelt sich um einen Grundsatzbeschluss. Sagen die Ratsherren ja, ist das Geschäft noch nicht in trockenen Tüchern, aber es wird viel wahrscheinlicher, dass es so kommt.

Es gibt eine Alternative zum Verkauf des Grundstücks

Wäre das so, hätte der Investor für maximal 2,5 Millionen Euro das Fundament einer Gelddruckmaschine erworben. Das Parkhaus selbst soll 640 Fahrzeugen auf vier Etagen Platz bieten. Baukosten von maximal zehn Millionen Euro sind dafür sehr wahrscheinlich realistisch. Das ist eine Summe Geldes, über die Wuppertal derzeit nicht so ohne weiteres verfügen kann. Dennoch gibt es womöglich eine lukrativere Alternative zum Verkauf des Grundstückes.

Für Wuppertal selbst ergäbe sich, mangels Grundstückskaufs, aus dem Bau des Parkhauses ein Investitionsvolumen von etwa zehn Millionen Euro. Angesichts der äußerst niedrigen Zinsen wäre das eine Summe, die der Kämmerer noch am Finanzmarkt beschaffen könnte. Vor allem dann, wenn er der Bank seines Vertrauens eine äußerst konservative, aber dennoch reizvolle Umsatzerwartung präsentierte. Vorausgesetzt, das Parkhaus wäre über das ganze Jahr zu 30 Prozent ausgelastet, ergäben sich an 365 Tagen insgesamt etwa 70 000 Vollzeit-Parkvorgänge. Da es üblich ist, dass Parkraum von 10 bis 18 Uhr bewirtschaftet wird und bei einem Wuppertal typischen Stundenpreis von 1,30 Euro ergibt sich aus diesen 30 Prozent ein Umsatz von 70 000 mal 10,40 Euro. Das bedeutet, dass der Betreiber des Parkhauses, sehr vorsichtig gerechnet, pro Jahr mit fast 730 000 Euro Umsatz kalkulieren kann.

Mit 730 000 Euro kann die Stadt einiges anstellen. Zudem wäre der nicht erfolgte Verkauf des Grundstückes nach dreieinhalb Jahren ausgeglichen. Und selbst wenn die Hälfte dieser Summe jedes Jahr für den Kapitaldienst aufgewendet werden müsste, blieben 365 000 Euro pro Jahr übrig. Und das über einen unbestimmten Zeitraum, der mit großer Wahrscheinlichkeit aber länger sein wird als 25 Jahre. Von der üblichen Kredittilgung abgesehen, wäre das eine Nettoeinnahme von gut neun Millionen Euro.

Mit diesem Geld ließe sich beispielsweise der Zooverein, also der Zoo unterstützen, ein Teil der Summe könnte nach und nach ins Stadion investiert oder dem Wuppertaler Sportverein für die Grundfinanzierung seiner Verwaltungskosten zur Verfügung gestellt werden. Denn sowohl der Zoo als auch der WSV tragen schließlich dazu bei, dass dieses Parkhaus frequentiert wird.

Für die Stadt ergibt sich ohnehin eine neue Einnahmequelle. Sobald das Parkhaus errichtet worden ist, wird über das Zooviertel aller Voraussicht nach flächendeckend Anwohnerparken verhängt. Das geschieht üblicherweise gegen eine Jahresgebühr, die der Stadtkasse zufließt. Wenn sich 500 Anwohner dafür entscheiden und nur 100 Euro Gebühr pro Jahr bezahlen müssen, sind das 50 000 Euro, mit denen beispielsweise das Personal finanziert werden kann, das sich um den überwiegend vollautomatischen Betrieb des Parkhauses kümmert.

Fazit: Dem Einmal-Erlös von 2,5 Millionen Euro stehen bei einem von der Stadt selbst gebauten und betriebenen Parkhaus über einen Zeitraum von 25 Jahren Einnahmen von fast 20 Millionen Euro gegenüber, von denen fast zehn Millionen zum Wohle der Allgemeinheit in die Stadt investiert werden könnten. All das spricht dafür, dass sich der Verkauf des Grundstückes an den Wuppertaler Immobilienentwickler als das deutlich schlechtere Geschäft entpuppen kann.