Darum geht Ilka Federschmidt zur Wuppertaler Klima-Demo

Was glauben Sie denn? : Darum gehe ich heute mit!

Ich werde heute mitgehen, beim Klima-Aktionstag.

Warum? Weil ich etwas versprochen habe. Als meine eigenen Kinder getauft wurden, habe ich es versprochen.

Als meine Patenkinder getauft wurden, habe ich es versprochen.

Ich habe versprochen, ihnen von der Liebe Gottes weiter zu erzählen. Nicht nur mit meinen Worten, auch, indem ich ihnen diese Botschaft vorlebe.

Ich habe versprochen, für sie da zu sein. Bei jeder Taufe eines Kindes in unseren Gemeinden versprechen wir das. Darum gibt es überhaupt Taufpaten. Sie sind im ursprünglichen Sinn Gemeindepaten, die diese Aufgabe stellvertretend für die Gemeinde ganz persönlich für ihre Patenkinder übernehmen. Sie versprechen das, mit der ganzen Gemeinde.

Wenn wir dies Versprechen einlösen, dann haben wir auch davon zu erzählen, dass diese Erde Gottes Schöpfung ist. Sein Geschenk. Ausdruck seiner Liebe.

In unseren Kindergärten singen wir mit den Kindern: „Du hast uns deine Welt geschenkt – den Himmel, die Erde… Gott wir danken dir!“

Wollen wir unser Versprechen einlösen, dann sind wir vor Gott mitverantwortlich, diese Erde als Lebensraum für alle zu bewahren. Nehmen wir unser Versprechen als Taufpaten ernst, dann muss uns am Herzen liegen, dass unsere Kinder auch morgen auf dieser Erde leben können. Dann müssen wir gegen die massive Schädigung unserer Erde eintreten und uns selbst einlassen auf ein Wirtschaften und auf einen Lebensstil, die pfleglich mit der Natur, mit Gottes Schöpfung, umgehen.

Die Taufe besiegelt nach christlichem Verständnis einen Freundschaftsbund mit Gott. Der überschreitet alle konfessionellen und nationalen Grenzen. Er stellt arm und reich gleich. Die Taufe verbindet Christen weltweit. Menschlichkeit und Liebe legen uns das Schicksal eines Kindes in Indonesien genauso ans Herz wie das eines Kindes hier. Mit der Taufe gehen wir darüber hinaus eine verbindliche Verpflichtung dafür ein, vor Gott.

Darum gehe ich mit. Ich erzähle den Kindern weiter, dass Jesus, Gottes Sohn, uns so sehr lieb hat, dass er für uns auf sein Leben verzichtet hat. Dann kann ich nicht widerspruchslos mit anhören, wie namhafte Politiker eine Haltung, die für den Klimaschutz zum Verzicht auf materielles Wachstum bereit ist, ironisch bespötteln.

Meinen Lebensstil zu ändern – das fällt mir selber schwer.

Und ich weiß, dass es auch bei notwendigen Veränderungen für den Klimaschutz sozial gerecht zugehen muss. Lasten und Verzicht müssen im Sinne Gottes solidarisch getragen werden. Menschen mit einem guten Einkommen wie ich können sich einen „Soli“ für Klimaschutz leisten, einen Beitrag, um soziale Härten aufzufangen, wenn etwa beim Kohleausstieg Arbeitsplätze entfallen und die Umstellung auf neue Berufsbilder und Arbeitsplätze finanziert werden muss. Ein „Bürgerticket“ für den ÖPNV, das am Einkommen orientiert ist, trage ich gerne mit.

Mit vielen Menschen aus unseren christlichen Gemeinden will ich Politikerinnen und Politiker ermutigen: Wir stehen hinter euch, wenn ihr mutig und glaubwürdig für den Klimaschutz eintretet. Wenn ihr Regeln schafft für den ÖPNV und die autofreie Stadt, die uns „auf die Sprünge“ helfen statt die Kraft zur Veränderung nur von Einzelnen zu erwarten. Wir gehen mit, wenn es dazu - sozial gerecht - unseren eigenen Beitrag braucht. Wir tun das das als getaufte Christen und als Taufpaten – „for future“.

»Wer mitgehen möchte: Am Freitag um 10.45 Uhr, Treffpunkt Kirchplatz. Von dort geht es gemeinsam zur Klima-Demo auf dem Bahnhofsvorplatz.

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