Cyrill & Maybe: Wuppertaler rappen über Texte von Else Lasker-Schüler

Musik : Schüler rappen über Texte von Else Lasker-Schüler

Das Duo Cyrill & Maybe verarbeitet in zeitkritischen Texten Erfahrungen der Autorin. Am Samstag stehen sie beim Schülerrock-Festival in der Uni-Halle auf der Bühne.

Wie würde Else Lasker-Schüler heute denken, fühlen und schreiben? Mit dieser Frage beschäftigen sich die beiden Schüler und Rapper Leonard Schorm (18) alias Cyrill und Max Barski (17) alias Maybe in ihrem neuen Rap „Blaues Wasser“, den sie am kommenden Samstag beim Schülerrock-Festival in der Uni-Halle vorstellen werden.

Auf die Idee habe sie ein Workshop von Schülerrock-Organisator Karl-Georg Waldinger-Sieling gebracht, erzählen die beiden. Dabei hätten sie sich auf die Spuren von Else Lasker-Schüler in Wuppertal begeben und unter anderem das Geburtshaus besichtigt. „So haben wir ein Gefühl bekommen, wie sie gelebt hat“, erzählt Leonard. Außerdem beschäftigten sie sich mit Gedichten der Expressionistin – was bleibenden Eindruck hinterließ.

„Sie ist sehr für die Kunstfreiheit eingetreten und ist richtig ausgeflippt“, sagt Leonard. Dabei habe sie sich mitunter weder an literarische Formen gehalten noch sich von den Nationalsozialisten einschüchtern lassen. „Sie hat trotzdem ihre Gefühlswelt dargestellt“, sagt Leonard. Und sie habe immer gezeigt, dass in der Welt grundsätzlich alles möglich sei. Das Fazit der beiden Rapper: „Man sollte sich seine Fantasie nie verbieten lassen, außer wenn man sich selbst damit schadet.“

Widersprüche in der Welt thematisiert

Inspiriert hat die beiden Else Lasker-Schülers Beschreibung der damals umweltbelasteten Wupper als „Teufelsbrühe“ – mittlerweile sei der Fluss gemäß dem Songtitel eher ein „Blaues Wasser“. Dafür gebe es andere Widersprüche in der Welt, die der Rap beschreibt und hinterfragt. „Unser Lebensstandard gleicht der Utopie und der Rest der Welt denkt, wir sind das Paradies. Der Rest der Welt ist ausgebeutet, fängt an zu flieh’n, in die Länder, wo das blaue Wasser fließt“, texten die beiden.

Es ist ihre Art zu rappen, die sie in den vergangenen fünf, sechs Jahren entwickelt haben. Zunächst trugen sie sogenannte „Rap-Battles“ (Rap-Wettstreite) im Internet aus. Dabei werde ein Gegner verbal niedergemacht. „Irgendwann hat uns das gelangweilt“, sagt Max. Stattdessen machten sie sich Gedanken, wofür sie als Künstler stehen wollen. Heraus gekommen sind Songs und Youtube-Videos, die die ganze Breite des Lebens in Wuppertal thematisieren - vom Leben in den Vierteln der „Reichen“ bis hin zu Drogendealern auf der Straße.

Für die Zeit nach dem Schülerrock-Festival haben sie große Pläne: Nach ihrem Schulabschluss wollen sie im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres für das Goethe-Institut durch Europa touren, Rap, Kultur und die Stadt Wuppertal in Frankreich und anderen Ländern bekannter machen.

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