Cronenberger Werkzeugkiste im Jubiläumsjahr

Auszeichnung : Hohe Auszeichnung im Jubiläumsjahr

SPD verleiht der Cronenberger Werkzeugkiste die Hermann-Herberts-Medaille. Laudator Helge Lindh lobt das „vorbildhafte Engagement“.

Helge Lindh ist mit seinem im Oktober 2017 angetretenen Bundestagsmandat zwar auf bundespolitischer Bühne noch ein „Frischling“, doch der SPD-Abgeordnete weiß schon jetzt, dass man ein Rede kurz und bündig oder etwas länger halten kann. Im Zweifelsfall kann man sie auch gleich in beiden Varianten halten: Für diese Option entschied sich Lindh am Sonntag als Laudator bei der Preisverleihung der Hermann-Herberts-Medaille, die im TiC-Atelier vom SPD-Ortsverein Cronenberg/Hahnerberg vergeben wurde. Der Preisträger schien ihm solche Mühe durchaus wert, ging die Würdigung doch an die Cronenberger Werkzeugkiste, die ihr gemeinnütziges Stadtteilfest in diesem Jahr zum 25. Mal veranstaltet – und daher auch bald ein wichtiges Jubiläum feiert.

Die Cronenberger Werkzeugkiste führe zwei Lebenswelten zusammen, die für eine Gesellschaft wichtig seien: Unternehmertum, das zur Weltspitze gehöre, mit einem „vorbildhaften Engagement“, das sich für die Gesellschaft einsetze, sagte Lindh. Für die Werkzeugkiste und ihre Macher werde das Prinzip  „Compassion“ (Barmherzigkeit) groß geschrieben, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete mit Verweis auf den SPD-Altvorderen Willy Brandt.

Gerade gegenüber einer Partei wie der rechtspopulistischen AfD, deren 91 Abgeordnete ja gemeinsam mit Lindh in den aktuellen Bundestag eingezogen waren, gelte es, die Zivilgesellschaft zu stärken und den „Auftrag Demokratie“ ernst zu nehmen. Insofern sei die nach dem ehemaligen Oberbürgermeister Hermann Herberts (1900-1995) benannte Auszeichnung auch eine „Demokratiemedaille“, erklärte der 42-Jährige.

Auch auf die Entstehung der Werkzeugkiste ging Lindh ein, skizzierte, wie die Idee zur Organisation des ehrenamtlichen Stadtteilfestes entstand. Anfang der 1970er Jahre waren Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr bei einem Einsatz im damaligen Heim der Lebenshilfe auf problematische Lebens- und Arbeitsbedingungen der Behinderten gestoßen. Es entstand die Idee für eine große Benefizveranstaltung, die 1972 mit der ersten Werkzeugkiste ihre Premiere erlebte. Ziel ist es, behinderte Menschen in Wuppertal und der Partnerstadt Schwerin zu unterstützen. Zudem wird seit einigen Jahren ein Teil des Erlöses an soziale und gemeinnützige Organisationen in Cronenberg ausgeschüttet.

Durch den Einsatz der heimischen Industrie sowie der Vereine konnte das alle zwei Jahre organisierte Stadtteilfest immer wieder auf die Beine gestellt werden. Die dahinterstehenden Zahlen sind beeindruckend. Gut 1000 Menschen unterstützen das Fest, etwa 40 000 Besucher lockt die Veranstaltung. Mehr als eine Million Euro Reinerlös sind schon zusammengekommen.

Der 1. Vereinsvorsitzende des Trägervereins der Werkzeugkiste, Stefan Alker, bedankte sich für die Auszeichnung und verwies darauf, dass die Organisatoren des Stadtteilfestes schon schwere Zeiten zu durchstehen hatten.

Erst durch die Gründung des Vereins im Jahr 2007 sei die Werkzeugkiste wieder in sichereres Fahrwasser gekommen. Man sei im Stadtteil sehr gut aufgestellt und vernetzt, der Posten des Vereinsvorsitzenden sei für ihn „das schönste Amt neben Papst“, sagte Alker in leichter Abwandlung eines Zitats des ehemaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering.

Oberbürgermeister Andreas Mucke überbrachte im Namen der Stadt seine Glückwünsche. Das Engagement der Werkzeugkiste zeige, dass die Menschen „sich einbringen und nichts dem Zufall überlassen“ wollten. Das Ehrenamt sei der „Kitt der Gesellschaft“. Seinen Schätzungen zufolge sind in Wuppertal rund 100 000 Menschen regelmäßig ehrenamtlich tätig.

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