Cronenberger kämpft für Europa

Cronenberger kämpft für Europa

Michael Fromm wurde ins Bundeskomitee der Bewegung „Democracy in Europe“ berufen. Die fordert transparente Politik.

Cronenberg. Die Europäische Union stehe vor dem Verfall. Das Vertrauen in die Union schwinde, Menschenverachtung, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus breiteten sich aus. „Wenn diese Entwicklung nicht beendet wird, befürchten wir eine Rückkehr zu den 1930er Jahren.“ Mit diesen dramatischen Worten beschreibt eine europaweite Bewegung grüner und linker Demokraten, die „Democracy in Europe Movement“ („DiEM25“), auf ihrer Internetseite ihre Motivation, sich zu engagieren. „Die EU muss wieder eine Gemeinschaft für gemeinsamen Wohlstand, Frieden und Solidarität für alle Europäer werden“, beschreibt die Bewegung ihre Ziele. Mit dabei ist auch ein Cronenberger: Der 63-jährige Michael Fromm ist nach eigenen Angaben gerade von den Mitgliedern per Online-Abstimmung mit 73 Prozent der Stimmen ins Bundeskomitee der Bewegung gewählt worden.

„Die EU ist alternativlos, wenn wir weiter im Konzert der Großen mitspielen wollen. Kein Land kann sich alleine für die Zukunft aufstellen“, erklärt Fromm seine eigene Motivation. Der geborene Wiesbadener war viele Jahre lang für Gewerkschaften aktiv, machte sich 1996 dann mit seiner Frau in Wuppertal als Coach, Berater und Trainer unter anderem für Führungspersönlichkeiten selbstständig. Seit dem 1. November ist er Ruheständler. „Da habe ich mehr Zeit, mich für die Bewegung einzusetzen“, sagt der 63-Jährige. Politische Erfahrung hat er durch 25 Jahre SPD-Mitgliedschaft und als parteiloser Politiker gesammelt.

Michael Fromm

Die „DiEM25“-Bewegung habe sich vor zwei Jahren mit Unterstützung des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis gegründet. Mittlerweile habe die Bewegung mehr als 70 000 Mitglieder in ganz Europa, so Fromm. Sie setzt sich dafür ein, überall in Europa transparente Regierungen einzuführen, die Themen Flüchtlinge und Migration neu anzugehen, Arbeit in Europa zu rationalisieren, Beschäftigung und Einkommensverteilung „jenseits des kapitalistischen Arbeitsvertrages, mit einem Grundeinkommen“ zu organisieren, Investitionen in „grüne“ Energien, eine europäische Gesamtverfassung und eine neue Ära des Netzwerkens. Konkrete Kampagnen richten sich gegen den Brexit und das EU-Flüchtlingsabkommen mit der Türkei, das vor Gericht gebracht werden soll. „Die Ziele haben bisher hauptsächlich Appellcharakter“, erklärt Fromm. Die „DiEM25“ beginne gerade erst, selbst demokratische Strukturen aufzubauen. Ein Ziel zeichne sich aber schon ab: Man wolle sich bei den Wahlen zum Europaparlament 2019 beteiligen. „Möglicherweise mit einer transnationalen Liste, wie von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vorgeschlagen, oder mit einer nationalen Liste“, sagt Fromm.

Auch eine Regionalgruppe „Bergisches Land“ hat der 63-jährige Cronenberger im vergangenen August ins Leben gerufen — mit großer Resonanz. „Vom Studenten bis zum emeritierten Professor sind unterschiedliche Menschen dabei“, so Fromm. Genaue Ziele sollen bei der Klausurtagung Mitte Februar abgesprochen werden. Die Arbeit könne aber auch hier in Richtung einer Beteiligung am Europawahlkampf 2019 gehen, so Fromm. Außerdem stellt er sich vor, mindestens eine große Veranstaltung der Bewegung zu organisieren. Zudem wolle man sich um einen eigenen Internetauftritt kümmern sowie auch lokal Kooperationspartner finden.

Die drastische Warnung der Bewegung vor einer „Rückkehr zu den 1930er Jahren“ unterstreicht er. „Geschichte kann sich wiederholen“, so Fromm. „Das Aufkommen der AfD muss besorgt machen“, findet er. Umso wichtiger sei es, sich für Europa einzusetzen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung