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Cris Baltzers größtes Projekt war die Historische Stadthalle Wuppertal

Trauer : Ihr größtes Projekt war die Historische Stadthalle

Die bekannte Innenarchitektin ist im Alter von 83 Jahren gestorben. In Wuppertal hat sie viele Spuren hinterlassen.

Ergebnisse ihres Schaffens sind in ganz Wuppertal zu sehen. Die Architektin Cris Baltzer hat einigen markanten Gebäuden ein Gesicht gegeben. Geboren 1936 in München verlebte sie Kindheit und Jugend im Voralpenland. Während ihres Studiums der Innenarchitektur an der Kunstakademie Stuttgart lernte sie Will Baltzer, ihren späteren Mann, kennen. Es folgte ein gemeinsamer Aufenthalt in England.

Nachdem Will Baltzer die Ausschreibung für einen Wettbewerb zum Bau des Schwelmer Krankenhauses gewann, zog das Ehepaar in seine Heimatstadt Wuppertal. Drei Söhne gingen aus der Ehe hervor, Florian Baltzer führt das Erbe der Architektenfamilie weiter. „Ab 1968 arbeitete meine Mutter wieder in ihrem Beruf“, erzählt er. Engagiert war sie beim Protest für den Erhalt des Luisenviertels dabei, gestaltete dort das erste Geschäft, das keine Waren für den täglichen Bedarf anbot, ein Geschäft für Kinderkleidung, geführt von Sonja Velten.

Die Namen „Goldene 118“ und Jean Louis Marie werden sicher vielen Wuppertaler Kneipengängern noch ein Begriff sein. Heute kennt man den Szenetreff unter dem Namen „Cafe du Congo“, Cris Baltzer hat ihn umgestaltet. Vor dem jetzigen Umbau der Deutschen Bank war sie auch hier aktiv. Ihr ehrenamtliches Engagement zeigt sich unter anderem beim früheren Umbau des Gemeindesaales in der City-Kirche.

Baltzer hat das Selbstverständnis der Frauen nach vorne gebracht

Ihr größtes Projekt war jedoch der Umbau der Stadthalle. „Als Grundlage gab es nur Schwarz-Weiß-Fotos, nach denen sie arbeiten konnte“, erzählt ihr Sohn. „Die Historische Stadthalle Wuppertal“ heißt das Buch des früheren Kulturdezernenten Heinz Theodor Jüchter, in dem die alten Fotos aus dem Jahr 1910 noch zu sehen sind. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Stuckverzierungen abgeschlagen, und die Deckengemälde übermalt. In den 1950er Jahren wurde die Ästhetik zugunsten der damaligen architektonischen Stilrichtung verändert, Malereien und farbige Fassungen fielen einer einheitlichen Farbgebung zum Opfer. Zusammen mit ihrem Mann Will arbeitete Cris Baltzer fünf Jahre an der originalgetreuen Sanierung und Restaurierung. Die Beleuchtung wurde erneuert, die Decke frisch gestrichen. „Ein wolkenverhangener Himmel schmückt die Decke im großen Saal, passt zum Wuppertaler Wetter“, erzählte Will Baltzer einst bei einem Kamingespräch der Friedrich-Spee-Akademie. „Meine Mutter hat das Selbstverständnis der Frauen vorangebracht. Sie gehörte zur 1. Generation von Frauen, die eigenständig ihren beruflichen Weg gegangen sind“, so Florian Baltzer. Cris Baltzer ist am 22. April im Alter von 83 Jahren gestorben.