Costellos Musik prägt letzten Liederabend

Konzert : Costellos Musik prägt letzten Liederabend

Das Brodsky Quartet brachte „The Juliet Letters“ auf die Bühne.

Der britische Sänger und Songwriter Elvis Costello, der gerne Westerngitarren und E-Gitarren der Marke Fender zur Hand nimmt, ist ein musikalischer Tausendsassa. Er bewegt sich nicht nur in den Gefilden des Rock und Pop. Auch an der Klassik ist er hin und wieder interessiert. Das ebenfalls aus Großbritannien stammende Brodsky Quartet ist wegen seiner Interpretationen des Klassikrepertoires weltberühmt. Genauso ist es in aller Munde aufgrund seiner Zusammenarbeit mit Stars aus der Rock- und Popszene. 1992 lernten er und die vier Streicher sich kennen, schätzen und begannen eine Kooperation. Ein Jahr später entstand daraus Costellos 14. Studioalbum mit dem Titel „The Juliet Letters“ (die Julia-Briefe). Diese auf CD gebannten 20 Songs mit Streichquartettbegleitung standen nun im Zentrum des letzten Liederabends der Oper dieser Spielzeit im Theater am Engelsgarten.

„The Juliet Letters“ sind unter anderem von den fünf Musikern angefertigte und in Töne gekleidete fiktive Briefe an Julia Capulet. Damit ist die Julia aus William Shakespeares romantischer Tragödie „Romeo und Julia“ gemeint. Bei deren Ausarbeitung wurde laut Costello an viele Briefformen wie Liebes-, Bettel-, Ketten- oder Abschiedsbriefe nachgedacht. Diese Gedankenspiele flossen mit in die daraus entstanden Texte und Art der Vertonungen ein. Das erste Stück „Deliver us“ ist ein kurzer Opener dieses Zyklus. Beim anschließenden „For other eyes“ geht es um die Eifersucht. „Swine“ ist ein verzerrtes Graffiti auf einer Holztür. Oder: „Dear sweet filthy world“ ist eine Selbstmordnotiz, „Jacksons, Monk and Row“ der Name einer Anwaltskanzlei. Schließlich bringt „The birds will still be singing“ alles zu einem hoffnungsvollen Schluss.

Die Texte wurden anschaulich
zur Geltung gebracht

Mark Bowman-Hester vom Opernensemble spürte diesen Textinhalten tief nach und brachte sie mit seiner soliden Tenorstimme anschaulich zum Ausdruck. Das Streichquartett mit Emanuel Rauch (Primgeige), Sofía Chelidoni (Geige), Maria GarcíaSánchez (Bratsche) und Paulo Francke Negreiros (Cello) spielte mit festem Zugriff hochengagiert auf. Die Homogenität litt nur hin und wieder an nicht intonationsreinen Tönen.

Doch nicht genug mit dieser musikalischen Vorstellung. Es gab nämlich noch mehr als diese 20 Nummern. Weitere an Julia gerichtete Schreiben aus aller Herren Länder hingen am Vorhang hinter der Bühne beziehungsweise lagen auf zwei Pulten. Zwischendurch rezitierte David J. Becher diese gekonnt.

Die kurzweilige wie gehaltvolle Veranstaltung hätte wesentlich mehr als ein nur sehr überschaubares Publikum – darunter manche aus dem eigenen Haus – verdient gehabt. Dafür spendeten die Anwesenden einen umso enthusiastischeren Beifall.

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