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Coronavirus: 39 Prozent der Bergischen Unternehmen spüren Auswirkungen

Coronavirus : Coronavirus: 39 Prozent der Bergischen Unternehmen spüren Auswirkungen

In Wuppertal ist die Industrie zu 60 Prozent exportorientiert. Die Auswirkungen des Coronavirus spüren diese Unternehmen besonders. Doch das ist nicht die einzige Branche, die betroffen ist.

Am Freitagnachmittag wurde die Bergische Universität vom Gesundheitsamt der Stadt Wuppertal darüber informiert, dass sich ein Coronavirus-Verdachtsfall an der Universität bestätigt hat.

Hingegen hat sich der Verdacht auf die Erkrankung mit dem Coronavirus bei einer Mitarbeiterin des Einwohnermeldamtes nicht bestätigt. Der Ehemann der Frau hatte die Kappensitzung in Gangelt im Kreis Heinsberg besucht, auf der sich eine Reihe von Menschen angesteckt hatten.

Auch beim Wuppertaler Unternehmen Aptiv gibt es Entwarnung. Ein Mitarbeiter hatte nach einem Urlaub in Italien Symptome aufgewiesen, die einen Verdacht nahelegten.

Betriebe spüren Auswirkungen des Coronavirus

Die bestätigten und nichtbestätigten Verdachtsfälle in ganz Deutschland zeigen Wirkung. So decken sich immer mehr Wuppertaler mit Vorräten ein. Supermärkte profitierten aktuell von der Verunsicherung, so die Bergische Bergische Industrie- und Handelskammer. In einer Blitzumfrag hat sie aber auch viele Verlierer ausgemacht. 4300 Unternehmen wurden zu möglichen Auswirkungen des Coronavirus auf die Betriebe befragt. Innerhalb von 24 Stunden gingen 766 Antworten auf die Frage ein: „Spüren Sie als bergisches Unternehmen Auswirkungen des Corona-Virus?“ 39,1 Prozent der Betriebe haben gemeldet, dass sie die Ausbreitung des Coronavirus spüren.

IHK-Hauptgeschäftührer Michael Wenge zeigte sich beeindruckt. „Was sich aktuell abspielt, ist nicht alltäglich. Unser wichtigstes Ziel ist es, unsere Unternehmen bei einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema zu unterstützen“, so Wenge. Csilla Letay von der IHK berichtete, dass bereits nach zwei Stunden 400 Rückmeldungen vorgelegen hätten. „Das zeigt, wie bedeutend das Thema ist“, sagte Csilla Letay. Die Bergische IHK informiert auf ihrer Internetseite und hat eine Hotline ( 0202 - 2490 555) geschaltet.

Besonders betroffen: Export, Touristik und Messebau

Aktuell verzeichnen insbesondere die exportorientierten Unternehmen, die Touristikbranche und der Messebau negative Auswirkungen. Kreuzfahrten werden umgebucht, Taxifahrer denken darüber nach, ob sie am Flughafen noch Fahrgäste transportieren sollten, die gerade aus China oder Italien angekommen sind. Einfuhren aus Asien erfolgen verzögert, Geschäftsreisen werden abgesagt und Neugeschäfte auf später verschoben.

In Wuppertal ist die Industrie zu 60 Prozent exportorientiert, daher ist der wirtschaftliche Schaden in Einzelfällen besonders groß. „Wenngleich die Mehrheit der bergischen Unternehmer keine oder noch keine Beeinträchtigungen durch die Situation in China und Italien verspürt, so sind die betroffenen Unternehmen jedoch umso intensiver – teilweise existenziell – tangiert“, sagt Michael Wenge. Ein wachsendes Problem ist der Import von Waren aus China. „Waren, die heute bei uns ankommen, wurden bereits vor sechs bis acht Wochen auf dem Seeweg verschickt“, sagt Jasper Rust. Der Produktionsstopp in China werde sich mit Verzögerungen auswirken. Ein Lichtblick: Zum Teil ist die Produktion in China wieder angelaufen.

Homeoffice wird als Zwischenlösung gesehen

Auch im Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern gibt es Verunsicherungen. So zum Beispiel bei der Regelung des Homeoffice. „Soweit keine arbeitsvertragliche Vereinbarung über die Arbeit im Homeoffice besteht, kann der Arbeitgeber einen Mitarbeiter nicht einseitig dazu verpflichten“, heißt es von der IHK. Nach Informationen der WZ hat die wnm GmbH am Standort Wuppertal ihren Mitarbeiter bereits am Mittwoch zum Homeoffice geraten. Die Regelung soll laut Geschäftsführer Thomas Stein zunächst bis 13. März gelten.

„In der IT-Branche mit weniger direkten Kontakten bietet sich Homeoffice an, da wäre es aber von Vorteil, wenn wir überall über schnelle Verbindungen verfügen würden“, sagt Thomas Grigutsch. Diese Krise werde der Arbeitsform Homeoffice einen deutlichen Schub geben, vermutet er.

Ludger Benda weist auf eine Liste hin, die von der IHK zu arbeitsrechtlichen Fragen zusammengestellt wurde. Er nennt Beispiele: Der Mitarbeiter habe zum Beispiel nicht das Recht zu sagen, „ich komme nicht zur Arbeit, weil mein Chef gerade in Thailand gewesen ist“. Andererseits könne ein Husten nicht der Grund sein, einen Arbeitnehmer zum Arzt zu schicken. „Welche Auswirkungen das Coronavirus auf die Entwicklung der Konjunktur hat, werden wir wohl erst im Frühjahr wissen“, sagt Michael Wenge.