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Corona: Wuppertaler Veranstalter zwischen Vorsicht und Gelassenheit

Sorge vor Coronavirus : Wuppertaler Veranstalter zwischen Vorsicht und Gelassenheit

Eine Reihe von Veranstaltungen in Wuppertal wurde aus Sorge vor dem Coronavirus bereits abgesagt. Bei den Bühnen spürt man dagegen größeres Interesse.

Sowohl die Immobilienbörse der Sparkasse als auch der Historische Handwerkermarkt auf dem Johannes-Rau-Platz, die am Wochenende stattfinden sollten, wurden vorzeitig wegen des Coronavirus abgesagt. Am Sonntag fiel das Konzert der dänischen Gruppe Vocal Line in der Friedhofskirche aus. Man wolle die Sicherheit der Sänger nicht gefährden, heißt es auf der Internetseite der Gruppe. Das Konzert soll am 25. September nachgeholt werden. Die Agentur für Arbeit hat bereits die Infobörse Pflege und Gesundheit abgesagt. Diese sollte am Dienstag, 10. März, im Berufsinformationszentrum stattfinden.

Der Unternehmerkongress der Wirtschaftsjunioren am 31. März soll nach aktuellem Stand genauso stattfinden wie alle geplanten Veranstaltungen der Wuppertaler Bühnen, der Stadthalle, der IHK, der ISG Barmen von Wuppertal Marketing und weitere Veranstaltungen der Wirtschaftsjunioren. Soweit der Stand am Sonntag. Dies erklärten die Veranstalter auf Nachfrage der WZ allerdings zu einem Zeitpunkt, als der Gesundheitsminister noch nicht die Empfehlung ausgesprochen hatte, Events mit mehr als 1000 Menschen abzusagen.

„Wir tragen Sorge für die Gesundheit unserer Kundinnen und Kunden und natürlich für unsere Belegschaft. Die Risikobewertung hinsichtlich unserer Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus wird ständig überprüft“, sagt Martin Klebe, Leiter der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Auch für die geplante „Woche der Ausbildung“ vom 16. bis 20. März könnten sich jederzeit Änderungen ergeben. Die Agentur für Arbeit informiere auf ihrer Internetseite.

 Aus Vorsorgegründen wurde der Historische Handwerkermarkt in Barmen abgesagt.
Aus Vorsorgegründen wurde der Historische Handwerkermarkt in Barmen abgesagt. Foto: Tim V. Kortmann

Bei den Wuppertaler Bühnen stehe man in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, sagt Sprecher Julian Grüter. Die Besucher scheinen gelassen zu bleiben: „Tatsächlich verzeichnen wir gerade vermehrt Buchungen beispielsweise bei ,My Fair Lady’, ,Romeo und Julia’ und für das 7. Sinfoniekonzert“, so Grüter.

IHK will sich nicht an „Panikmache“ beteiligen

In der Stadthalle seien nur einige kleinere geschlossene Veranstaltungen abgesagt worden, die auf einen anderen Termin verlegt werden könnten, sagt Sprecherin Heike Janssen. „Wenn der Veranstalter das Risiko für zu hoch hält, dann werden wir das akzeptieren“, so Janssen. Man stehe im engen Kontakt zum Krisenstab der Stadtverwaltung. „Es ist allerdings eine dynamische Situation“, sagt Janssen.

Diese Dynamik sieht man zwar auch bei IHK und Wirtschaftsjunioren, bleibe aber weiterhin entspannt, sagt Oliver Kaufhold. „Wir beteiligen uns nicht an der allgemeinen Panikmache.“ Veranstaltungen wie der Unternehmerkongress der Wirtschaftsjunioren würden nach aktuellem Stand stattfinden, solange nicht der Hausherr, in diesem Fall die Sparkasse, Einwände hätte. „Wenn ein Fußballspiel mit 60 000 Menschen stattfindet, warum soll man eine Messe mit 4000 Teilnehmern ausfallen lassen?“, fragt er. „Das allgemeine Leben muss weitergehen“, findet Kaufhold. Als Veranstalter könne man über Hygienemaßnahmen nachdenken, bevor man etwas ausfallen lasse. Das Robert-Koch-Institut schlägt für Großveranstaltungen zum Beispiel besondere Belüftungsmaßnahmen oder aktive Information der Teilnehmer über Hygienemaßnahmen vor.

Die Handlungsempfehlung nehme auch der Krisenstab der Stadt zum Maßstab, sagt Stadtsprecherin Martina Eckermann. Der Beratungsbedarf von Seiten der Veranstalter über mögliche Absagen sei derzeit aber insgesamt gering.

Auch beim Stadtmarketing sind keine Veranstaltungsausfälle bekannt. „Allerdings melden sich die Veranstalter auch nicht in allen Fällen bei uns“, schränkt Geschäftsführer Martin Bang ein. Das Stadtmarketing gebe jedenfalls keine Empfehlung ab, informiere aber über Neuigkeiten auf seiner Facebook-Seite.

Reiseveranstalter merken deutliche wirtschaftliche Folgen. Das Busunternehmen Rheingold-Reisen habe bereits 30 000 Euro Umsatzverluste gemacht und werde auch 70 000 Euro geplante Umsätze nicht einfahren können, sagt Geschäftsführer Axel Blankennagel. „Die Lage ist kritisch, aber nicht hoffnungslos“, sagt er. Blankennagel hofft darauf, dass sich die Situation im Sommer wieder entspannt.