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Corona: Wuppertaler Betriebe suchen persönlichen Kontakt übers Internet

Wirtschaft : Betriebe halten persönlichen Kontakt

Auch wenn viele Mitarbeiter inzwischen im Homeoffice arbeiten, gibt es Konferenzen. Vorwerk macht eine „virtuelle Kaffeepause“.

Unternehmen in Barmen organisieren ihre Arbeit in der Corona-Pandemie auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Während Verwaltungstätigkeiten bei vielen ins Homeoffice verlagert werden, läuft die Produktion unter verschärften Hygiene-Maßnahmen vielerorts weiter. Allerdings setzen dabei auch immer mehr Barmer Unternehmen auf Kurzarbeit.

„Unsere Verwaltung arbeitet fast geschlossen im Homeoffice“, sagt Michael Weber, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Vorwerk. Bei Bedarf halte im Wechsel ein Mitarbeiter pro Abteilung die Stellung im Büro. Wo noch gemeinsam in einem Großraum-Büro gearbeitet werde, halte man mehrere Meter Abstand. In der Produktion, wo Anwesenheit notwendig sei, versuche man, die Mitarbeiterströme zu entzerren. Die Frühschicht höre 15 Minuten früher auf, die Spätschicht beginne 15 Minuten später, damit sich niemand beim Schichtwechsel begegne. Die Kantine sei schon seit längerer Zeit geschlossen, im Pausenraum werde auf einen Abstand von mehreren Stühlen zwischen den Mitarbeitern geachtet. Zudem gebe es Desinfektionsmöglichkeiten für die Mitarbeiter.

Auch bei der Barmer könnten Mitarbeiter je nach Tätigkeitsbereich im Homeoffice arbeiten, teilt Athanasios Drougias, Leiter der Unternehmenskommunikation, mit. „Grundsätzlich ist dies in vielen Bereichen möglich“, so Drougias. Wo eine Anwesenheit erforderlich sei, zum Beispiel bei der Postverarbeitung, werde auf Sicherheitsabstand und flexible Arbeitszeitlösungen gesetzt.

In manchen Firmen ist Homeoffice gar nicht möglich

In kleinen und mittelständischen Betrieben in Barmen spielt das Thema Homeoffice dagegen kaum eine Rolle. Das Druckhaus Ley & Wiegandt setzt laut einer Mitteilung auf der Internetseite des Unternehmens zwar nach Möglichkeit auch auf flexible Arbeitszeiten und Homeoffice. Bei Lörken-Lacke arbeiteten aber nach wie vor alle 16 Mitarbeiter im Betrieb, sagt Geschäftsführer Andreas Kollbach. „Wir haben wenige Tätigkeiten, die nur auf den Computer beschränkt sind“, sagt Kollbach.

Die Hälfte der Mitarbeiter sei in der Produktion tätig, andere im Labor oder Versand. „Und auch der Gefahrgutbeauftragte muss anwesend sein, um Waren in Augenschein nehmen zu können“, sagt Kollbach. Natürlich achte man auch bei Lörken-Lacke darauf, Abstand zu halten. Zudem führe man Meetings nur telefonisch durch und empfange keine Vertreter von außerhalb.

Auch beim Schraubenhersteller Kolb spiele das Thema Homeoffice aufgrund des Schwerpunkts auf der Produktion keine Rolle, sagt Geschäftsführer Bernd Schweighöfer. Im Betrieb sei es kein Problem, Abstand zu halten. „Die Maschinen sind so weit voneinander entfernt, dass man sich nie näher als zwei Meter kommt“, sagt er. An der Stechuhr achte man ebenfalls darauf, Abstand zu halten. Zudem stehe beim Wareneingang und -ausgang ein Büro als Ausweichmöglichkeit bereit. Die Lieferanten seien ohnehin vorsichtig: „Viele kommen mit Atemschutz zu uns“, sagt Schweighöfer.

Wo verstärkt im Homeoffice gearbeitet wird, entstehen neue Herausforderungen. „Es ist wichtig, im persönlichen Kontakt zu bleiben“, sagt Michael Weber von Vorwerk. Sein siebenköpfiges Team in der Unternehmenskommunikation führe deshalb einmal täglich per Videochat eine 20 Minuten lange „virtuelle Kaffeepause“ durch. „Das ist gut investierte Zeit“, sagt Weber. Denn der lockere Austausch auch über Arbeitsthemen jenseits offizieller Konferenzen sei wichtig für den Zusammenhalt des Teams. Weber beobachtet eine große Entschlossenheit im Unternehmen. „Wir ziehen an einem Strang, machen das Beste draus und blicken positiv in die Zukunft“, sagt er. Eine Zukunft, in der seiner Meinung nach sicherlich mehr im Homeoffice gearbeitet werde. „Die Akzeptanz wird da sein, weil jetzt alle sehen, dass es funktioniert“, sagt Weber.

Auch bei der Barmer geht man von Impulsen für eine Veränderung der Arbeitsformen aus. „Perspektivisch werden wir in Sachen Arbeitsorganisation viel lernen aus dieser Krisensituation – insbesondere was die Flexibilisierung der Tätigkeit angeht. Diese Chancen gilt es, auch nach der Krise konsequent zu nutzen“, teilt Athanasios Drougias mit.