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Corona Wuppertal: Bergische Wirtschaft trotzt der Krise

Konjunkturumfrage : Die Bergische Wirtschaft trotzt der dritten Welle der Corona-Pandemie

Noch hat die Wirtschaft im Bergischen das Niveau vor der Krise nicht erreicht, aber es geht aufwärts.

Optimismus und Vorsicht schließen sich nicht aus. Erstmals seit Beginn der Pandemie überwiegen in der Bergischen Wirtschaft wieder die vorsichtig positiven Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage. Dies ist das Ergebnis der Frühjahrsbefragung der Bergischen Industrie- und Handelskammer, an der sich 541 Unternehmen (270 aus Wuppertal) mit rund 25 000 Beschäftigten beteiligt haben. Die Wirtschaft hat noch nicht wieder das Niveau von vor der Krise erreicht, aber die kräftige Erholung der Weltwirtschaft im ersten Quartal 2021 schlägt sich vor allem für Industriebetriebe positiv nieder - trotz der dritten Welle in der Corona-Pandemie.

Der Index der Geschäftslage, der die Differenz der positiven und negativen Bewertungen wiedergibt, steigt im Kammerbezirk auf plus acht Punkte, nachdem er zu Beginn der Pandemie von plus 16 auf minus 35 gefallen war. Vom Aufschwung im Frühjahr profitieren nicht alle Branchen. Eine gute Lage melden neben der exportorientierten Industrie die IT-Branche und das Kreditgewerbe, das von der starken Nachfrage in der Immobilienwirtschaft profitiert.

IHK-Präsident Thomas Meyer weist auf große Unterschiede in der Lagebeurteilung hin: „Die wirtschaftliche Entwicklung driftet selbst innerhalb von einzelnen Branchen auseinander.“ Einige Unternehmen erleben eine Sonderkonjunktur infolge der Corona-Pandemie. Dies betrifft Werkzeugbetriebe, die Produkte für Heimwerker fertigen, oder Schneidwarenhersteller, die vom „Home Cooking“ profitieren. Dagegen geht es aktuell rund jedem fünften Industriebetrieb schlecht.

Das Gastgewerbe, die Veranstaltungsbranche und die Reisebüros litten massiv unter dem langanhaltenden Lockdown, da für sie ein regelrechtes Berufsverbot gelte. „Bei einem Inzidenzwert von unter 100 sollte die Außengastronomie wieder geöffnet werden dürfen, da im Außenbereich die Ansteckungsgefahr geringer ist“, sagt Meyer und spricht sich damit gegen Überlegungen aus, die Lockerung erst ab einem Inzidenzwert von 50 zu gestatten.

Fachkräftemangel gefährdet
den schnellen Aufschwung

„Es geht jetzt um das Überleben vieler kleinerer Betriebe, die von Menschen über viele Jahre aufgebaut worden sind“, so Meyer auch im Hinblick auf die Ende April ausgelaufene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht.

In den kommenden Wochen wird bundesweit mit einer Pleitewelle gerechnet, da den Unternehmern nun wieder rechtliche Konsequenzen drohen, sollten sie eine Insolvenz verschleppen. Den Zeitpunkt, die Aussetzung der Antragspflicht zu beenden, befürwortet der IHK-Präsident: „Zum Schutz der anderen Betriebe.“ Großunternehmen im IHK-Bezirk sind nach Informationen von IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge zurzeit nicht von der Pleite bedroht.

Ein in der Pandemie verdrängtes Problem wird nach der Pandemie wieder im Blickpunkt stehen: der Fachkräftemangel. Für eine Verschärfung der Lage dürfte die aktuelle Situation am Ausbildungsmarkt sorgen. Während sich der Arbeitsmarkt trotz der dritten Welle insgesamt weiter stabilisiert hat, deutet vieles darauf hin, dass im Krisenjahr 2021 noch weniger Ausbildungsverträge als im Krisenjahr 2020 abgeschlossen werden.

„Die Schüler sind sehr verunsichert. Es fehlt ihnen in der berufsvorbereitenden Phase die Orientierung durch persönliche Kontakte auf Ausbildungsbörsen und Praktika in den Unternehmen“, sagt Carmen Bartl-Zorn, Geschäftsführerin des Geschäftsbereiches Aus- und Weiterbildung der Bergischen IHK. „Die Eltern müssen in dieser Phase ihre Kinder begleiten und ihnen ihre Verunsicherung nehmen“, wünscht sich Bartl-Zorn.

Dass in vielen Unternehmen die Vorbereitungen für Impfungen durch Betriebsärzte angelaufen sind, begrüßt die IHK. „Jetzt fehlt nur noch der Impfstoff“, so Thomas Meyer.