1. NRW
  2. Wuppertal

Corona-Pandemie gibt bei den Sprockhöveler Chören den Takt vor

Corona : Corona gibt bei den Chören den Takt vor

Viele Singgemeinschaften haben ihre Proben schon länger eingestellt. Manch ein Chor fürchtet sogar um seine Existenz.

Chorproben sind während der Corona-Pandemie zu Superspreading-Events geworden. Im März probten 80 Mitglieder eines Chores im Berliner Dom. 60 der 80 Sänger erkrankten an Covid-19. Auch Chormitglieder, die mehr als zwei Meter von der infizierten Person entfernt saßen, wurden krank. Nach ähnlichen Ereignissen in New York und einer Baptisten-Gemeinde in Frankfurt ist der Wissenschaft klar, dass gerade beim Singen der Ausstoß von Aerosolen besonders hoch ist. Das bedeutet, dass Chöre beim Üben besondere Vorkehrungen treffen müssen, auch in Sprockhövel.

„Wir haben ein halbes Jahr gar nicht gesungen, dann haben wir fünf bis sechs Wochen lang geprobt“, sagt Hans-Gert Burggräfe. Er ist der Vorsitzende des Evangelischen Kirchenchors Sprockhövel, einem „überalterten Chor“, wie er sagt. Der Chor traf sich unter strengen Hygieneauflagen im großen Saal des Gemeindehauses. Bis zum Platz mussten die Sänger einen Mundschutz tragen. Zwischen ihren Plätzen musste drei Meter Abstand gehalten werden. „In Ausstoßrichtung mussten vier Meter Abstand zum nächsten Chormitglied liegen“, sagt Burggräfe, der die großen Abstände komisch fand. Auch die Beteiligung war bei den freiwilligen Proben geringer. Von 30 Sängern kamen nur etwa 20 zu den Proben. „Einige sind nicht gekommen, weil sie das Risiko nicht eingehen wollten“, sagt Burggräfe.

Die steigenden Coronazahlen schränken die Proben und damit auch das wöchentliche Treffen derzeit komplett ein. Der Chor probt seit zwei Wochen nicht mehr. „In diesem Jahr wird das ganz sicher nichts mehr“, glaubt Burggräfe. Der Kern der Sänger kennt sich seit Jahrzehnten, ist zusammen älter geworden. „Wir sind kein rein musizierender Chor, auch der soziale Gedanke spielt eine Rolle. Es ist ein Teil unseres Lebens“, sagt Burggräfe, dem etwas fehlt, wenn keine Chorprobe stattfindet.

Zukunft des Pro
Musica Vocale ist ungewiss

Der Shanty Chor MGV Haßlinghausen kann seit Beginn der Pandemie nicht mehr in der AWO Begegnungsstätte in Obersprockhövel proben, weil sie geschlossen wurde. In der „l´aréna“ in Wuppertal-Barmen fand der Chor geeignete und gut belüftete Räume, teilt der Sprecher des Chores, Edmund Mayer, auf WZ-Anfrage mit. Ab Mitte Mai begannen zunächst die Begleitmusiker mit Akkordeon und Gitarren ihre Proben. Anfang Juni nahm dann der gesamte Chor seine Arbeit wieder auf. „Das Sicherheitskonzept des Chores sah vor, dass Tische und Bänke so aufgestellt werden, dass ein Abstand von 1,5 Metern zur Seite und drei Metern nach vorn gewährleistet wird“, berichtet Mayer. Im Raum müssen die Sänger und Musiker eine Maske tragen, wenn sie nicht am Platz sind. Vor den Proben wurde Fieber gemessen und nach 30 Minuten wurde der Raum gelüftet. Seit dem 20. Oktober wurden die Proben wieder ausgesetzt. Alle Auftritte des Shanty Chors wurden seit März abgesagt.

Der gemischte Chor Pro Musica Vocale musste mit Beginn des Lockdowns im Frühjahr aufhören zu proben. Erst im Frühsommer traf sich der Chor mit höchstens acht Sängern in der Natur, berichtet die 1. Vorsitzende Bettina Dentler. Als es langsam abends dunkler und kälter wurde, konnte der Gesangsverein im Saal des Gemeindehauses üben. Die Corona-Auflagen sahen feste Abstände, eine maximale Teilnehmerzahl von 23 Sängern sowie eine Anwesenheitsliste vor. Außerdem mussten die Sänger ihre Hände desinfizieren und ein Lüftungskonzept einhalten. Nachdem der Chor 30 Minuten gesungen hatte, mussten die Sänger den Saal verlassen und 15 Minuten querlüften.

Dentler findet, dass sich das Coronakonzept ganz gut einhalten lässt. Sie erwartet aber weitere Einschränkungen der Probenarbeit durch neue Schutzmaßnahmen. Zugleich schrumpft der Chor, weil immer mehr Sänger „aussteigen“. Einige gehören zur Risikogruppe, andere wollen beruflich niemanden gefährden und wieder andere merken, dass ihnen nichts fehlt, wenn sie nicht zur Probe kommen. „Da wir sowieso schon ein relativ kleiner Chor sind, weiß ich derzeit nicht ob es ‚nach Corona‘ überhaupt wie gewohnt weitergehen wird mit Pro Musica Vocale“, sagt Dentler.