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Corona-Krise: Wuppertaler Erdbeerbauern warten auf ihre Erntehelfer

Landwirtschaft : Die Erdbeerbauern warten auf ihre Erntehelfer

Auch in diesem Jahr müssen Landwirte umfangreiche Hygienemaßnahmen ergreifen – es ist unklar, ob alle Helfer kommen.

In wenigen Wochen wird der erste Spargel auf den Feldern gestochen. Damit werden in NRW sogenannte Saisonarbeitskräfte als Helfer benötigt. In Wuppertal dauert es noch etwas länger, bis die ersten Erntehelfer eintreffen. In der Region werden Erdbeeren angebaut, hier startet die Saison Anfang Mai. Die Corona-Pandemie stellt die Landwirte aber erneut vor Herausforderungen. Im vergangenen Jahr durften Erntehelfer zunächst nicht einreisen. Als es erlaubt wurde, durften sie nur per Flugzeug nach Deutschland kommen.

„Das war ein Riesenaufwand“, sagt Dirk Gelbrich, der in Herzkamp Viehwirtschaft und Erdbeerfelder betreibt. Die Landwirte mussten sich ständig selbst bei verschiedenen Stellen wie der Bundespolizei und Ausländerbehörde informieren. „Die letzten Änderungen kamen, als unsere Leute schon im Flugzeug saßen“, sagt er. Allein das sei schon fast schiefgegangen. „Wir haben kurz vor der Abreise erfahren, dass am Flughafen in Rumänien eine Gebühr entrichtet werden muss – allerdings nicht in bar“, sagt Gelbrich. In Rumänien besitze aber niemand eine Kreditkarte. Nur mit Hilfe eines Bekannten der Familie, der am Flughafen arbeitet, sei das Problem gelöst worden.

Die häufigen Änderungen
machen Planungen schwierig

Die Familie, die Gelbrich bei der Ernte unterstützen wird, kommt in diesem Jahr zum fünften Mal. Wie sie anreisen wird, ist aber noch offen. „Es ist noch unklar, ob man durch Ungarn und Österreich oder die Ukraine und Polen auf dem Landweg einreisen darf“, sagt Gelbrich. Er rechnet damit, dass es „genauso chaotisch wird wie 2020“. Wenn die Familie erst einmal auf dem Hof sei, sei es vergleichsweise einfach, weil man nicht verschiedene Gruppen trennen müsse.

„Bei uns geht es erst in sieben Wochen los“, sagt Marc Faßbeck, Inhaber des gleichnamigen Erdbeerhofes am Frankholzhäuschen an der Wuppertaler Nordgrenze. Er geht davon aus, dass er ähnliche Vorkehrungen treffen muss wie im vergangenen Jahr. „Aber es gibt ja täglich Änderungen.“ Die Wohncontainer seien bestellt. Diese seien aber schon knapp, weil die Belegung aufgrund von Corona geringer sein muss. Jetzt wartet Faßbeck darauf, welche Maßnahmen gelten, wenn sein 18-köpfiger Helferstamm aus Polen Anfang Mai kommt – wenn er denn kommt. „Wir wissen nicht, ob sie kommen. Das war schon im vergangenen Jahr so“, sagt er. „Hier vor Ort bekommen wir alles hin.“

Derzeit gelten folgende Auflagen: jeder, der aus einem Risikogebiet nach NRW einreist, muss sich über das Portal www.einreiseanmeldung.de anmelden. Die Daten werden an das Gesundheitsamt des jeweiligen Kreises weitergeleitet. Außerdem müssen Reisende aus dem Ausland einen negativen Coronatest vorweisen. „Der kann entweder 48 Stunden vor der Einreise gemacht werden oder 24 Stunden nach der Einreise“, sagt Peter Muß, stellvertretender Geschäftsführer des Provinzialverbandes der rheinischen Obst- und Gemüsebauern. Der Test muss von medizinischem Personal gemacht werden. In den meisten Fällen müssen sich die Landwirte um die Anmeldung und die Testung kümmern, da die Erntehelfer dazu häufig sprachlich nicht in der Lage seien.

In den Betrieben müssen umfangreiche Hygienemaßnahmen eingehalten werden, unter anderem müssen Masken dort getragen werden, wo die Abstände nicht eingehalten werden können. In den Unterkünften dürfen nur wenige Menschen wohnen und diese müssen häufiger gereinigt werden. „Die Situation der Saisonarbeiter war vorher schon gut“, sagt Muß. Jetzt seien die Hygienemaßnahmen aber überall besser. Als Beispiel nennt er, dass überall Desinfektionsmittel bereitstehen muss.

„2020 haben die Maßnahmen gegriffen“, sagt Muß. Positive Coronafälle habe es nur bei Neueingereisten gegeben. Sie hätten keine weiteren Fälle nach sich gezogen, weil sich die Arbeiter in einer zehntägigen Arbeitsquarantäne befanden. Neue Arbeiter leben und arbeiten in dieser Zeit getrennt von anderen. „Das ist nicht mehr vorgeschrieben. Wir empfehlen sie einzuhalten, um Betriebsschließungen zu verhindern“, sagt Muß. „Erdbeeren, die nicht geerntet werden können, faulen.“