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Corona in Wuppertal: Wohlfahrtsverbände kritisieren NRW-Regierung

Wuppertals Wohlfahrtsverbände kritisieren NRW-Regierung : „Viele Verordnungen des Landes sind nicht umsetzbar“

Das Jahr 2020 war auch für die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Wuppertal ein besonderes. Erstmals mussten Teile der Branche in Kurzarbeit gehen. An anderer Stelle wurde dagegen deutlich, wie wichtig die Mitarbeiter im Notfall sind.

Eigentlich hatte das Jahr 2020 für die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (AGFW) mit viel Positivem begonnen. So konnten Ende 2019 im Haushalt 2019/20 noch einige Erhöhungen der Zuschüsse in verschiedenen Diensten der Wohlfahrtspflege erreicht werden. Doch auch die AGFW sei im März von der Pandemie überrascht worden. Und in vielen Bereichen der sozialen Dienste sei die Finanzierung bei Weitem nicht auskömmlich.

„Soziale Arbeit ist durch Kontakte geprägt“, sagte Lutz Middelberg, Geschäftsführer des Verbands „Der Paritätische“, bei der jährlichen Pressekonferenz der AGFW. Die bedingten Kontakteinschränkungen hätten im sozialen Bereich heftige Auswirkungen. Bestimmte Leistungen seien nicht erbracht worden.

Noch ist Middelberg Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, gibt den Staffelstab am 1. Januar an Diakoniedirektor Martin Hamburger ab. Deshalb hielt er Rückschau auf die Themen des vergangenen Jahres. Viele Dienste und Einrichtungen kämpften auch derzeit noch finanziell um ihre Existenz.

Kurzarbeit hat es in der Branche bis dieses Jahr noch nie gegeben

„2020 war ein sehr außergewöhnliches Jahr“, heißt es in der Konferenz. „Man hat die Kurzarbeit eingeführt, was in so in der Branche noch nie da gewesen war“, sagte Middelberg. Man habe keine Erfahrungen mit der Situation gehabt, drastische Leistungseinschränkungen und keine Verdienste waren die Folge. Auch an den notwendigen Eigenschutz für Mitarbeiter zu gelangen, stellte sich zu Beginn als Problem heraus. Zudem sei es auch für Patienten und Klienten der sozialen Dienste eine schwierige Zeit. Und auch die Mitarbeiter arbeiteten bis heute ans Ende ihrer Kapazitäten, welche schon vor der Krise weitläufig ausgeschöpft waren. Viele Verordnungen des Landes seien schlichtweg von den Einrichtungen vor Ort nicht umsetzbar.

Im Rückblick hob Caritasdirektor Christoph Humburg außerdem den Bereich der Flüchtlingshilfe und das kommunale Integrationszentrum hervor. Landesweite Regelungen müssten auch vor Ort umgesetzt werden. Dazu müsse es eine klare Aufgabenverteilung zwischen Kommune und Trägern geben. Thema der Pressekonferenz war vor allem auch die Aufnahme von geflüchteten Kindern auf Moria. „Wir haben ein klares Statement gesetzt und auf die weitere Aufnahme von Geflüchteten unter humanen Aufnahmebedingungen hingewiesen“, so Humburg. Durch die Krise sei das Thema der Flüchtlingsarbeit etwas in den Hintergrund gerückt.

Erziehermangel
steht auf der Agenda

Thematisiert wurde auch der Fachkräftemangel im Bereich Erzieher. Als systemrelevanter Sektor habe man jetzt in der Krise die Bestätigung bekommen. „Es war für unsere Kitas eine wichtige Wertschätzung, dass systemrelevante Berufe weiterarbeiten konnten“, sagte Thomas Bartsch, Geschäftsführer Soziale Teilhabe und EKita der Diakonie. Weil noch immer weit über 1000 Kitaplätze in Wuppertal fehlten, würden neue Einrichtungen gebaut. Das brauche auch neue Erzieher. Die Wohlfahrtsverbände fordern eine hundertprozentige Finanzierung der Kindertagesstätten, was bedeute, dass kommunale Sonderzuschüsse den Trägern gewährt werden müssen.

In seinem Ausblick äußerte auch Diakoniedirektor Martin Hamburger Ungewissheit. Die langfristigen Folgen der Pandemie werden sich erst zeigen, „man weiß nicht so richtig, was kommt“. Aber die Wohlfahrtspflege sei weiterhin präsent. Ein entscheidender Punkt des kommenden Jahres seien die finanziellen Auswirkungen der Krise, auch, wie sie sich auf die Träger der Wohlfahrt auswirke.

Mit Blick auf die kommenden Bundestagswahlen will man in engen Gesprächen mit den Parteien vor Ort sein. „Wir merken, wie sichtig die Bundespolitik mit ihren Auswirkungen auf uns in Wuppertal ist“, so Hamburger. „Unsere Abgeordneten müssen auch von hier die Dinge nach Berlin bringen.“ Anfang Januar soll es einen Termin mit Uwe Schneidewind geben. Die AGFW möchte so mit Wuppertals neuem Oberbürgermeister ins Gespräch kommen.