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Corona in Wuppertal: Problem der Virusmutationen wird immer größer

Britische Variante : Problem der Virusmutationen wird auch in Wuppertal immer größer

Auch in Wuppertal breitet sich die britische Corona-Variante immer weiter aus. Fast zehn Prozent der untersuchten positiven Proben sind auf eine Mutation zurückzuführen. Außerdem auffällig: Land NRW und Kommunen zählen offenbar unterschiedlich.

In Wuppertal sind insgesamt um die 60 bestätigte Fälle der britischen Corona-Variante B.1.1.7 bekannt. Das erklärte Gesundheitsdezernent Stefan Kühn am Mittwoch unserer Redaktion.

Die ersten Befürchtungen, dass diese Zahl im Vergleich zu den 100 bestätigten Fällen in ganz NRW sehr hoch ist, revidierte er zum Teil. In der Studie aus der Uniklinik Münster, bei der knapp 1000 positive Coronabefunde auf die Mutation untersucht wurden und davon neun Prozent die Variante aufwiesen, seien lediglich geringe Stichproben aus den einzelnen Städten und Kreisen genommen worden.

Wuppertal untersucht alle positiven Corona-Befunde auf Mutationen

In Wuppertal sei man allerdings noch einen Schritt weitergegangen: Hier habe man seit knapp zwei Wochen alle positiven Tests des Gesundheitsamtes auf die Mutation untersucht. Das habe einen Anteil von 9,7 Prozent ergeben – also rund 60 nachgewiesene Fälle von 600 Tests insgesamt.

Land NRW und Stadt Wuppertal werten unterschiedlich aus

Das NRW-Gesundheitsministerium erklärt diesen großen Unterschied zwischen den Zahlen so: „Vermutlich werden aus den Kommunen Verdachtsfälle als bestätigte Fälle kommuniziert. Verdacht bedeutet, dass keine Gesamtgenomsequenzierung vorgenommen wurde, sondern Punktmutation-Assays, also variantenspezifische PCR. Die Punktmutations-Assays können schneller und im Routineverfahren durchgeführt werden.“

Das einfachere Verfahren sei schneller und günstiger - so würde in vielen Kommunen gearbeitet, erklärte eine Sprecherin der Stadt Wuppertal unserer Redaktion. Für die Stadt würden diese Fälle als bestätigt gelten. Alle Fälle zu sequenzieren, sei nicht möglich. In Wuppertal sei bisher nur die britische Variante des Coronavirus festgestellt worden.

Doch obwohl die Zahl in Wuppertal nicht überdurchschnittlich hoch ist, möchte Stefan Kühn nicht beruhigen: „Beide Anteile zeigen doch, dass die Mutation sich sehr schnell ausbreitet und man deshalb bei den zukünftigen Lockerungen auf diese Entwicklung achten muss.“ Entwarnung gebe es deshalb noch lange nicht.

Corona in Deutschland: Gesundheitsminister Jens Spahn warnt vor der neuen Variante

Die in Großbritannien entdeckte, wohl deutlich ansteckendere Variante des Coronavirus breitet sich nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auch in ganz Deutschland schnell aus. Nach neuen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) stieg der Anteil dieser Mutation an den untersuchten positiven Proben binnen zwei Wochen von knapp 6 Prozent auf mehr als 22 Prozent, wie Spahn am Mittwoch in Berlin sagte.Die Bundesländer berichten dem Robert Koch-Institut (RKI) zunehmend von Nachweisen und Verdachtsfällen von ansteckenderen Corona-Varianten.

Corona in Deutschland: RKI meldet mehr als 4000 Fälle der britischen Variante - Zahlen können auseinandergehen

In Deutschland sind seit Jahresbeginn durch das Meldesystem 4071 Fälle der in Großbritannien entdeckten Mutante B.1.1.7 bekannt geworden. Das geht aus einem am Mittwochnachmittag veröffentlichten RKI-Bericht hervor (Datenstand: 15. Februar). Die Fälle stammen demnach aus allen 16 Bundesländern. Wesentlich seltener, insgesamt 347 Mal, meldeten Bundesländer einen Verdacht auf die südafrikanische Variante B.1.351; mehrere Bundesländer meldeten noch keinen solchen Fall.

Das RKI stellt in seinem Bericht die Ergebnisse verschiedener Erhebungen getrennt voneinander dar. Eine davon beruht auf dem Meldesystem der Bundesländer. Das RKI weist darauf hin, dass verschiedene Überwachungssysteme und auch das Meldesystem die derzeit im Fokus stehenden Varianten noch nicht vollständig erfassten. Daher könnten die Zahlen aus verschiedenen Systemen noch deutlich auseinandergehen. Auch zwischen den berichteten Daten der Landesbehörden und dem RKI könne es Diskrepanzen geben. In der Vielzahl der Fälle sei keine vollständige Erbgutanalyse (Gesamtgenomsequenzierung) gemacht worden, heißt es.

Kernaussagen des RKI-Berichts hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwochvormittag vorgestellt: Demnach stieg der Anteil der in Großbritannien entdeckten Variante binnen zwei Wochen von knapp 6 auf mehr als 22 Prozent. Diese Angabe bezieht sich auf Stichproben aus dem Zeitraum 8. bis 14. Februar, längst nicht alle positiven Corona-Tests in Deutschland werden auf Varianten untersucht. Folgeerhebungen plant das RKI in den Kalenderwochen 8 und 10, wie es im Bericht heißt. Das Institut wertete auch noch weitere Datenquellen aus.

Die britische Virusvariante gilt nach Schätzungen als um mindestens 35 Prozent ansteckender als frühere Formen. Es wird auch anhand der Erfahrungen von Ländern wie Dänemark schon länger befürchtet, dass der Anteil der Variante auch in Deutschland rasch und deutlich steigen wird. Das gilt als Risiko für Lockerungen.

(boot/kue/pasch/dpa)