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Corona droht, Schulentwicklungsplan in Wuppertal zu verzögern

Sanierungen in Wuppertal : Schulentwicklungsplan droht sich wegen Corona zu verzögern

Von Grundschule bis Gymnasium: Bis 2028 will die Stadt 600 Millionen Euro verbauen. Doch die Krise hat Auswirkungen auf den Zeitplan.

Sanierungen und Umbauten, Ausbau und Brandschutz, neue Sporthallen und mehr Platz für den Offenen Ganztag: Die Stadt will bis 2028 rund 600 Millionen Euro in ihre Schulen stecken — von der Grundschule bis zum Gymnasium. Die Eckpunkte hat die Verwaltung in einem Bericht nun der Politik vorgelegt. 30 Projekte sind es alleine, bei denen Planung oder Bau schon laufen bzw. bis 2023 starten. Dazu kämen ab 2024 noch weitere. Einen dicken Haken gibt es allerdings, wie Schuldezernent Stefan Kühn und Thomas Lehn vom Städtischen Gebäudemanagement einräumen: Der Zeitplan wurde vor Corona gefasst. „Es gibt leider keine Gewähr“, sagt Kühn. Lehn wird deutlich: „Wir rechnen mit Verzögerungen.“

Die Krise treffe den Bausektor, sind beide sicher. Und beim Thema Schule ginge es um praktisch alle Bereiche. Das fange bei der Schadstoffsanierung an, wenn Materialien fehlen, die aufgrund von Corona anderweitig gebraucht werden, erklärt Lehn. Und es höre auf bei logistischen Problemen auf, wenn Firmen kurzzeitig ihre Arbeit einstellen müssen, weil bei einem Mitarbeiter ein Corona-Verdacht aufgetreten ist.

Dabei ist das Planungsprogramm auch ohne Virusfolgen schon ein heftiges. Die Zeitabläufe mussten gegenüber der Planung von 2018, als der Schulentwicklungsplan erstmals vorgestellt wurde, schon mehrfach angepasst werden: Sprich, es kam bereits zu Verzögerungen. Auch bei den Kosten musste nachgelegt werden, etwa durch Ereignisse wie den Starkregen 2018, der zum Beispiel den Schulbau am Haspel in Mitleidenschaft zog.

Zurzeit gibt es in Wuppertal 95 Schulen an 120 Standorten. Da nicht alle Sanierungen im laufenden Betrieb erfolgen können, müssen (Teil-)Umzüge eingeplant werden.

Schüler müssen
wegen Umbauarbeiten umziehen

Wie was priorisiert wird, sorgte immer wieder für Diskussionen. „Sanierungen rutschen nach hinten, wenn es darum geht, neuen Schulraum zu schaffen.“ Im Gegensatz zu seinen Vorgängern als Dezernent müsse er keine Schulen schließen, sondern dürfe neu bauen, sagt Kühn. „Das macht Spaß, aber die Sache nicht einfacher.“ Bei einigen Projekten gibt es „Ketten“. „Und wenn da ein Rädchen im Zeitplan nicht mehr passt, kommt es insgesamt zu Verzögerungen“, erklärt Kühn. Beispiel gefällig? Die i-Dötzchen an der Matthäusstraße sind aktuell dort in dem Erweiterungsbau der Hauptschule, ab Mitte nächsten Jahres zusätzlich in einem Modulbau untergebracht. Die Hauptschüler, die noch an der Matthäusstraße unterrichtet werden, sollen bekanntlich an die Dieckerhoffstraße wechseln. Ende 2022 soll das der Fall sein, wenn der Neubau dort steht. Sind die Hauptschüler umgezogen, wird der Bau an der Matthäusstraße bis Mitte 2025 für die Grundschüler in Form gebracht.

Manchmal drängt sich schon der Eindruck eines Verschiebebahnhofs auf. Eine weitere „Kette“ gibt es zum Beispiel zwischen den Gebäuden Röttgen 110, Gewerbeschulstraße, Schluchtstraße und Ritterstraße mit der Förderschule am Nordpark, den Hauptschule Barmen-Südwest, dem Berufskolleg am Haspel  und der neu zu bildenden Grundschule  an der Gewerbeschulstraße als Beteiligten.Oder auch rund um die alte Justizschule auf der Hardt, die als Ausweichquartier für das Ganztagsgymnasium Johannes Rau und anschließend die Gesamtschule Else Lasker-Schüler vorgesehen ist. Beide Schulleiterinnen haderten in der Vergangenheit mit der Stadt, denn bereits mehrfach kam es zu Verzögerungen: Nach der ursprünglichen Planung sollten die Schüler von der Siegesstraße eigentlich jetzt schon an der Hardt unterrichtet werden.

Handlungsbedarf hat die Stadt auch gerade beim Thema Förderschulen. Kühn spricht von einem starken Anstieg der Schülerzahlen. Die Folge: Die bestehenden Einrichtungen haben ein Platzproblem. „Wir platzen aus allen Nähten“, hatte Ende Februar noch Marianne Kuhlmann, Leiterin der Förderschule, gegenüber der WZ erklärt, als es um den Umbau eines Traktes am Röttgen für die Förderschule ging.

Um dem Bedarf Herr zu werden, plant die Stadt um. Die Überlegung, in den ehemaligen Schulstandorten Elfenhang und Hufschmiedstraße Grundschulen einzurichten, wurde aufgegeben. Stattdessen sind sie für eine Förderschulnutzung vorgesehen — wobei an der Hufschmiedstraße zunächst erstmal bis 2023 Schüler des Gymnasiums Bayreuther Straße einziehen, solange dort der Umbau läuft.

Die gesamte Entwicklung werde durch Corona noch einmal verschärft. „Das ist bedauerlich“, sagt Renate Warnecke (SPD), die Vorsitzende des Schulausschusses. „Das GMW macht, was es kann.“ Und trotz aller Widrigkeiten stehe fest: „Wir müssen neuen Schulraum schaffen.“