Commerzbank Wuppertal zieht Erfolgsbilanz

Wirtschaft : Commerzbank zieht Erfolgsbilanz

Das Geldinstitut verweist auf steigende Kunden- und Kreditzahlen in der Region.

Bei der Commerzbank läuft es gut – deutschlandweit und bei der Niederlassung Wuppertal. Diese Botschaft hatten Oliver Bormann, Niederlassungsleiter Private Kunden, und Jochen Welling, Leiter Firmenkunden. Die 2016 ausgerufene Wachstumsstrategie der Bank sei erfolgreich, auch die Niederlassung Wuppertal habe neue Kunden gewonnen und das verwaltete Vermögen vergrößert. Eine wichtige Rolle spielt bei der Bank das Thema Digitalisierung. Zu möglichen Fusionen oder Übernahmen konnten die beiden Bankmanager nichts sagen.

Über das Privatkundengeschäft der Niederlassung berichtete Oliver Bormann, dass sie seit 2016 3919 neue Privatkunden gewonnen hätten. Damit betreuten sie jetzt insgesamt 190 334 Kunden – „das ist ein relevanter Marktanteil in Wuppertal“, sagte er. Er führt den Erfolg unter anderem auf das kostenlose Girokonto der Bank zurück. „Das behalten wir auch, das ist ein Markenzeichen.“

Bis 2020 sollen 70 Prozent
der Prozesse digitalisiert sein

Die neuen Kunden hätten das von der Niederlassung verwaltete Vermögen um 3,1 Prozent gesteigert, es liege jetzt bei fünf Milliarden Euro. Das Kreditvolumen wuchs ebenfalls: um 14 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der kleinere Teil davon seien Konsumentenkredite mit 44,2 Millionen Euro, den Hauptteil machten Immobilienkredite mit 1,4 Milliarden Euro aus

Diesen Kreditzuwachs verdanke die Bank den niedrigen Zinsen und der guten wirtschaftlichen Lage, so Bormann. Die Kreditvergabe laufe inzwischen „voll digital“. Sind alle notwendigen Unterlagen vorhanden, dauere es 20 Minuten vom Antrag bis zur Auszahlung. Die schnelle Kreditbewilligung nutze zum Beispiel Immobilienkäufern auf dem hart umkämpften Markt.

Das Angebot ist ein Ergebnis der Digitalisierungsstrategie der Bank. „Wir wollen bis 2020 70 Prozent aller Prozesse digitalisieren“, erklärt Bormann, für 2019 seien 65 Prozent angestrebt. Denn die Kunden wollten immer mehr online erledigen. 54 Prozent der Privatkunden nutzten Online-Banking. Von den Neukunden seien es 98 Prozent. Bormann betont, dass die Commerzbank dabei viel Wert auf Sicherheit lege. Wenn der Kunde nicht grob fahrlässig gehandelt habe, hafte die Commerzbank bei Betrugsfällen – wobei diese beim Online-Banking seltener als bei haptischen Überweisungen vorkämen.

„In die Bank kommen die Kunden nur für komplexe Beratungen wie Immobilienkäufe oder Geldanlagen“, so Bormann. Die Bank biete aber weiterhin klassische Wege an – es sei möglich, Überweisungen auf Papier anzuweisen, am Automaten einzugeben, auch am Schalter werde dabei geholfen. „Wir halten die digitalen Kanäle bereit, sind aber auch vor Ort präsent.“ Die insgesamt 16 Filialen im Bergischen Land, davon fünf in Wuppertal, blieben erhalten.

1,5 Milliarden Euro
in der Region unverzinst

Das Anlagegeschäft bleibe weiterhin schwierig. Gründe dafür seien die starke Regulierung und die Verunsicherung auf dem Weltmarkt. Dennoch wirbt die Bank dafür, das Geld nicht nur auf dem Konto liegen zu lassen, wo es keine Zinsen gibt. Aktuell lägen im Bergischen Land 1,5 Milliarden Euro unverzinst auf Commerzbankkonten. Bei einer Inflationsrate von zwei Prozent gingen in der Region damit pro Jahr 30 Millionen Euro an Kaufkraft verloren, warnte Bormann. Für das laufende Jahr seien sie vorsichtig zuversichtlich, sagt er: Die Börse habe sich erholt, der Handelskonflikt zwischen USA und China habe sich beruhigt. Auch beim Brexit „gehen wir nicht vom Schlimmsten aus“.

Beim Firmengeschäft zählt Jochen Welling die gleichen Risikofaktoren wie bei den Wertanlagen auf. 548 Firmenkunden betreut die Commerzbank im Bergischen Land, das Kreditvolumen betrage hier 312 Millionen Euro. Auch hier gebe es Wachstum, doch wegen einer Umstrukturierung kann Jochen Welling keine Zahlen für die Region nennen.

Auch im Firmenkundengeschäft wachse die Bedeutung der Digitalisierung. Zur Entwicklung neuer Produkte in diesem Bereich gebe es zum Beispiel das „Mittelstandslab“ bei der Bank, bei dem Mitarbeiter Vorschläge machen können. Ein Ergebnis sei der „Pay-per-Use-Kredit“ für Maschinenkäufe, bei der die Tilgung entsprechend der Nutzung der Maschine erfolge.

Auch bei der Vergabe von Firmenkrediten funktioniere vieles digital. „Kredite bis fünf Millionen Euro können wir innerhalb von 24 Stunden vergeben“, sagt Jochen Welling. Die Bank bietet zudem ein Internetplattform an, auf der 24 Stunden am Tag Zins- und Währungsrisiken abgesichert werden können. Zu den Aussichten sagt Jochen Welling: „Wir erwarten ein verlangsamtes Wachstum von 1,0 bis 1,2 Prozent.“

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