Commerzbank Wuppertal: Einzelhändler trotzen digitaler Konkurrenz

Studie : Commerzbank: Einzelhändler trotzen digitaler Konkurrenz

Laut einer Umfrage im Auftrag der Bank verzeichnet die Branche in Wuppertal trotz des Online-Handels einen Zuwachs an Kunden.

Die Wuppertaler Einzelhändler bewerten das zurückliegende Geschäftsjahr 2018 überwiegend positiv und sind auch für das Jahr 2019 zuversichtlich gestimmt. Zu dieser Einschätzung kommt die Commerzbank auf der Grundlage einer telefonischen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos. 3500 Unternehmen nahmen im Juli/August 2018 bundesweit an der Untersuchung teil. Basierend auf einer Zufallsstichprobe wurden dabei 50 Wuppertaler Unternehmen befragt.

Der Einzelhandel steht vor allem wegen der wachsenden Konkurrenz des Online-Handels vor existenziellen Herausforderungen. Gerade in Elberfeld war die Lage in den zurückliegenden Jahren wegen der mehrjährigen Sperrung der B7 besonders angespannt. Leerstehende Ladenlokale und Geschäftsaufgaben werden als Indiz für einen Niedergang des stationären Einzelhandels gewertet.

Daher ist es eine positive Überraschung, dass die Hälfte der 2018 befragten Unternehmen in Wuppertal trotz der zunehmenden Digitalisierung mehr Kunden als vor fünf Jahren verzeichneten. 80 Prozent bewerten die Geschäftslage als sehr gut oder stabil, nur 15 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Die Erwartungen haben sich im Hinblick auf das gute Weihnachtsgeschäft erfüllt. Mit den zunehmenden weltpolitischen Risiken durch den Bre-xit und dem Handelskrieg zwischen den USA und China haben sich die Erwartungen für 2019 inzwischen in Industrie und Handel eingetrübt. So wird insgesamt auch im Handel von einem leichten Abschwung ausgegangen.

Ein noch größeres Problem
ist der Fachkräftemangel

Jeder zweite Befragte sieht in der Konkurrenz durch den Online-Handel die größte Herausforderung für den Einzelhandel. Aktuell wird jedoch der Fachkräftemangel als ein noch größeres Problem genannt. Mit 69 Prozent der Nennungen liegt der Wert für Wuppertal deutlich über dem bundesweiten Wert von 57 Prozent. „Fast genauso vielen macht der zunehmende Wettbewerb durch Online-Händler zu schaffen. Viele Einzelhändler reagieren darauf mit einer Multikanalstrategie“, sagt Peter Siedowski, Leiter Unternehmerkunden der Niederlassung Wuppertal. So vertreibe ein Fünftel der Einzelhändler Produkte sowohl stationär als auch online, zum Beispiel in Form einer Online-Bestellung und der Abholung im Geschäft. Was die Verknüpfung der Vertriebswege angeht, hängt der Wuppertaler Einzelhandel (21 Prozent) der bundesweiten Entwicklung (37 Prozent) aber noch deutlich hinterher. Digitale Kanäle werden aber nicht nur im Vertrieb, sondern auch in der Kundenkommunikation genutzt. Die Hälfte kommuniziert über das Netzwerk Facebook mit den Kunden.

Die Bezahlung erfolgt in Wuppertal zumeist klassisch. 37 Prozent der Kunden zahlen per Rechnung oder Überweisung, weitere 33 Prozent in bar. Kontaktlose Kartenzahlung ist bei jedem Zweiten bereits möglich oder geplant. „In diesem Bereich sehen wir ein großes Potenzial“, sagt Peter Siedowski.

In Bezug auf seine Investitionen denkt der Kaufmann im Bergischen traditionell eher konservativ. Das bestätigt das Ergebnis der Befragung, denn 52 Prozent geben an, Investitionen aus dem laufenden Geschäft zu finanzieren. Bundesweit liegt der Wert bei 37 Prozent.

Jeder zehnte Einzelhändler geht davon aus, in den nächsten zehn Jahren einen Nachfolger suchen zu müssen. Die Commerzbank unterstützt die Suche über ein Nachfolgeportal. „Von ihrer Bank erwarten Einzelhändler vor allem eine Beratung in finanziellen, steuerlichen und rechtlichen Fragen. Ein Viertel wünscht sich eine digitale Plattform für die Nachfolge-Planung“, sagt Peter Siedowski.

Mehr von Westdeutsche Zeitung