Comedy-Magier im Wuppertaler Taltontheater: Große Klappe, Tricks dahinter

Wuppertaler Kultur : Große Klappe, Tricks dahinter

Comedy-Magier Christopher Köhler verblüffte im Taltontheater mit kreativem Zauber.

Eine heiße Show lieferte Magier Christopher Köhler im Taltontheater ab. Was kaum an den Temperaturen im vollbesetzten Saal lag. Nein, dem Publikum wurde vor lauter Kichern, Lachen und Schenkelklopfen schnell warm. Denn auch in seinem vierten Soloprogramm „Große Klappe, Tricks dahinter“ mixt der Kölner Comedy, Magie und Improvisation wild durcheinander.

Mögen andere Zauberer ihre Kunststücke mit Gags garnieren – ihr hyperaktiver Kollege zündete einen witzigen Kracher nach dem anderen. Noch bevor der 34-Jährige zu Hard-Rock-Klängen auf die Bühne stürmte, lachte sein Publikum über die Ansagen per Einspieler. Das Programm sei „für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet“, hieß es. Einen Moment herrschte Stille. Dann bat der Ansager: „Bitte gehen Sie!“

Gedankenlesen war
nicht Köhlers Stärke

Das wollte natürlich keiner. Schon gar nicht die jungen Fans, die Köhler aus den sozialen Medien kennen. So erlebten alle zusammen, wie Köhler die alten, klassischen Tricks mit Spielkarten und Seidentüchern durch den Kakao zog. Dabei ging – ganz bewusst – der eine oder andere Trick voll daneben. Mit dem Gedankenlesen zum Beispiel schien es der „Comedy-Magier“ (Köhler über Köhler) nicht so zu haben. Eine Zuschauerin bat er darum, sich eine dreistellige Zahl vorzustellen. Als sie die Zahl nannte, bat er um „einen kleinen Augenblick Geduld“. Flugs korrigierte er, was er aufgeschrieben hatte, und der Saal prustete los.

Umso besser konnte Köhler die Mimik und Gestik seiner Zuschauer deuten, die er in fast jeder Nummer miteinbezog. Er holte vier Herren auf die Bühne und ließ sie etwas zeichnen. Untrüglich erriet er anschließend, wer jeweils der wahre Urheber eines Bildes war. Mancher Trick klappte auch auf schrägen Umwegen. „Wer hat denn mal einen Zwanzig-Euro-Schein für mich?“, fragte Köhler. Ein Mädchen aus der ersten Reihe war bereit, einen Geldschein zu signieren und zum Zaubern freizugeben. Dass der Schein erst in Schnipsel zerrissen, dann zusammengetackert und zuletzt aus einer bis dahin ungeöffneten Chipsdose gezogen wurde, sorgte allgemein für Verblüffung. Genauso wie die kleine Papierkugel, die sich im Mund des Magiers in einen schier unendlichen Papierstreifen verwandelte. Oder die Spielkarte, die verschwand und dann in Köhlers Turnschuh wieder auftauchte.

Im zweiten Teil nahm der begnadete Schnellsprecher das Tempo etwas raus. Weniger Nervenkitzel bedeutete das jedoch nicht. Zwar wurde keine Assistentin zersägt – Köhler tritt am liebsten ohne Helfer und nur mit ein paar Requisiten auf –, doch gern spielte er mit einer Zuschauerin Russisches Roulette. Genauer: mit ihrem Handy. Köhler packte es mit fünf Attrappen zusammen und hieb dann wahlweise mit Hammer oder Baseballschläger auf die eingetüteten Geräte ein. Keine Bange! Das Mobiltelefon Handy kam – unbeschadet und vollständig – wieder zum Vorschein.

Der Bonus waren Köhlers Improvisationen. Als Schwertschlucker stellte er seinen kühlen Kopf unter Beweis. Seine Hypnose-Künste fielen aus dem Rahmen. Die magische Drehscheibe sollte eigentlich das Publikum in Trance fallen lassen. Stattdessen sah man ihn selber mit verdrehten Augen auf der Bühne stehen. Einhellig war der Jubel des Publikums, und manche lachten noch, als sie aus dem Saal gingen.

Dass der Magier ein Profi ist, zeigte sich daran, dass ein Kamerateam den gesamten Abend für Social-Media Plattformen aufzeichnete. Also wird man diesen hochkomischen Auftritt – in Ausschnitten – irgendwann im Netz sehen können.

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