Cinemaxx: Kontroverse Premiere unter Polizeischutz

Cinemaxx: Kontroverse Premiere unter Polizeischutz

Medienprojekt zeigt den Film „Keine besonderen Vorkommnisse“ über den Schweigemarsch in Vohwinkel.

Wuppertal. Polizeiautos parken vor dem Cinemaxx, sechs uniformierte Beamte haben vor dem Kino Stellung bezogen. Die Lage ist angespannt. Nicht nur Kinobesucherin Gina Lieber ist beunruhigt: „Überall Polizisten, was ist denn passiert?“, fragt die junge Frau. Die Polizei hat die Vorführung der 95. Ausgabe des Videomagazins „borderline“ geschützt — aus Angst vor Übergriffen aus der rechten Szene. Denn es geht um die Demo gegen Rechts am 9. November im Vohwinkel.

19 Minuten und 52 Sekunden dauert die Dokumentation „Keine Besonderen Vorkommnisse“ über den Schweigemarsch am 9. November, mit dem 2000 Wuppertaler gegen die Neonazi-Aktivitäten demonstrierten (WZ berichtete). Der Film zeigt deutlich, dass es — anders als im Demo-Fazit der Polizei — doch zu „besonderen Vorkommnissen“ kam: In der Kaiserstraße skandierten Rechtsextreme vom Obergeschoss aus eines Wohnhauses aus Parolen wie „Wer Deutschland liebt, ist Antisemit“ in Richtung der Demonstranten.

Der Film zeigt es: Die Polizei schritt damals nicht ein. Entrüstung unter den Demonstranten. „Warum steht ihr hier eigentlich, wohl wegen uns?“, hört man einen Demonstranten im Film zornig fragen. „Ja“, antwortet ein Polizist. Die Leinwand wird schwarz, der Abspann läuft, im Hintergrund hört man noch, wie die Nazis ihre Parolen grölen. Betroffenes Schweigen im Kino.

Der Film hat viele Zuschauer nachdenklich gemacht. „Ich finde es erschreckend, dass die Polizei nicht gegen die Nazis vorgegangen ist“, sagt etwa Björn Bartholomay. Sascha Rehberg hätte sich derweil etwas anderes gewünscht: „In einer Szene hat sich ein Nazi direkt vor die Kamera gesetzt, da finde ich es schade, dass man ihn nicht einfach interviewt hat.“

Am Ende hat der Film zwar Eindruck hinterlassen, doch mit 150 Zuschauern war die Vorführung verhältnismäßig schlecht besucht. Und nur wenige Besucher sind extra wegen der Doku „Keine Besonderen Vorkommnisse“ ins Kino gekommen. Vor dem Cinemaxx blieb ebenfalls alles ruhig. Ein Polizist vermeldete: „Keine besonderen Vorkommnisse.“ Diesmal stimmt es.

Mehr von Westdeutsche Zeitung